E-BusinessDigitale Transformation im Mittelstand oft nicht Chefsache

Doch in weniger als der Hälfte der Unternehmen steht das Thema Digitalisierung auf der Agenda der obersten Führungsebene. Dies sind Ergebnisse der Studie „Digitale Transformation und ihre Auswirkung auf die Führung im Mittelstand“ der Personalberatung InterSearch Executive Consultants, für die 400 Topmanager aus Unternehmen ab 100 Mitarbeitern befragt wurden. Beim Thema digitale Transformation sind Deutschlands Mittelständler nach eigener Einschätzung weit fortgeschritten: Vier von fünf der befragten Topmanager geben an, dass ihre Kerngeschäftsprozesse schon überwiegend digital ablaufen. Strategisch sind dabei jedoch nicht alle Unternehmen vorgegangen – eine Agenda für die digitale Transformation existiert nur in 60 Prozent der Unternehmen. Der Grund: In vielen Unternehmen übernimmt die oberste Führungsriege keine Verantwortung für das Thema. Stattdessen wird es beim CIO oder auch dem IT-Bereichsleiter verankert, der die Umsetzung ohne Steuerung der Unternehmensleitung vorantreibt. Fast drei Viertel investieren in neue IT-Plattformen für eine weitere Digitalisierung.
(72 Prozent).

„Der Mittelstand muss sich bei der digitalen Transformation nicht hinter den Konzernen verstecken“, sagt Julia Böge, Client Partnerin der Personalberatung InterSearch Executive Consultants. „Doch das Thema wird häufig auf die IT-Ebene reduziert. Dabei betrifft die digitale Transformation alle Strukturen und Prozesse im Unternehmen – und diese zukunftsfähig zu machen, ist Chefsache.“

ITK-Branchen am weitesten fortgeschritten – Handel und
Gesundheitswirtschaft haben Nachholbedarf

Große Unterschiede bei der Umsetzung der digitalen Transformation bestehen zwischen den Branchen. Vorreiter sind die Internet-Wirtschaft und die IT- und Telekommunikationsindustrie. Dort haben 98 Prozent der Firmen ihre Kerngeschäftsprozesse digitalisiert, vollständig umgestellt hat allerdings erst die Hälfte. Im Finanzdienstleistungssegment sowie im Maschinen- und Anlagenbau trifft dies auf jeweils 86 Prozent zu, wobei erst genannte Branche deutlich häufiger komplett digitalisiert ist (37 Prozent im Vergleich zu 20 Prozent). Im Handel und in der Gesundheitswirtschaft ist die Digitalisierung erst in sieben von zehn Unternehmen fortgeschritten. „Vor allem im Handel ist die unterdurchschnittliche Umsetzung besorgniserregend, denn diese Branche ist vom digitalen Wandel existenziell betroffen“, sagt Digital-Expertin Böge.

Um die Digitalisierung im Unternehmen strategisch weiter voranzutreiben, sollten die Mittelständler bei der Besetzung von Führungspositionen darauf achten, dass entsprechende Kompetenzen vorhanden sind. „Mittelstandsmanager sollten nicht nur IT-Fachkenntnisse mitbringen, sondern innovationsfördernde Führungskompetenzen wie zum Beispiel die Begeisterungsfähigkeit für digitale Konzepte, auch über das aktuelle Geschäftsmodell hinaus, oder grundlegende Veränderungsbereitschaft“, so Böge.

 


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