Karriere

Aktives Zuhören will gelernt sein!

„Haben Sie Sorgen und Probleme? Ich höre Ihnen zu. 90.- Euro pro Stunde. Angebote unter Chiffre Nr…..“ Eine Anzeige aus der Süddeutschen Zeitung. Sie macht auf einen Mangel aufmerksam, der in der heutigen Zeit immer akuter wird: auf den Mangel an Bereitschaft zuzuhören. Warum nur ist Zuhören so schwierig?

Eine Familie ließ sich zum Essen in einem Restaurant nieder. Die Kellnerin nahm zunächst die Bestellungen der Erwachsenen auf und wandte sich dann dem Siebenjährigen zu. „Was möchtest du essen?“ fragte sie. Der Junge blickte schüchtern in die Runde und sagte dann: „Ich möchte gern einen Hotdog.“ Noch bevor die Kellnerin die Bestellung aufschreiben konnte, unterbrach die Mutter. „Keine Hotdogs“, sagte sie, „bringen Sie ihm ein Steak mit Kartoffelbrei und Karotten.“ Die Kellnerin überhörte sie. „Möchtest du Ketschup oder Senf auf deinen Hotdog?“ fragte sie den Jungen. „Ketschup.“ „In einer Minute bekommst du ihn“, sagte die Bedienung und ging zur Küche. Alle schwiegen fassungslos, als sie weg war. Schließlich sah der Junge die Anwesenden an und sagte „Wisst ihr was, sie denkt, ich bin wirklich!“

Diese kleine Geschichte beweist, dass Zuhören offensichtlich doch nicht so schwer ist, wenn man sein Gegenüber bewusst wahrnimmt. Doch die meisten Menschen reden am liebsten von sich selbst. Weil sie von sich reden, denken sie auch nur an sich. Wie aber will jemand, der immer nur an sich selbst denkt, einem anderen aktiv zuhören, Anteilnahme zeigen für dessen Interessen, Sorgen und Schwierigkeiten?

Mit dummen Geschwätz werden Sie Nervensägen los

Wenn Sie wollen, dass Ihnen Ihre Freunde, Kollegen oder Kunden aus dem Wege gehen, hinter Ihrem Rücken über Sie schimpfen oder Sie gar verachten, gibt es für Sie nur einen Rat: hören Sie nie längere Zeit zu! Sprechen Sie unablässig von sich selbst. Wenn Ihnen etwas in den Sinn kommt, während der andere spricht, dann warten Sie nicht, bis er ausgeredet hat. Was er zu sagen hat, ist ohnehin nicht so wichtig. Wozu also Ihre kostbare Zeit an sein dummes Geschwätz verschwenden?

Erfolg im Beruf bedeutet aktives Zuhören

Wenn Sie aber ein guter Verkäufer, ein geschätzter Chef, ein respektierter Kollege sein wollen, dann lernen Sie, ein aufmerksamer Zuhörer zu sein. Sie wollen doch, dass man sich für Sie interessiert? Dann interessieren auch Sie sich für andere. Stellen Sie Fragen, auf die Ihnen Ihr Gesprächspartner gerne antwor-tet. Fordern Sie ihn auf, von sich und seinen Problemen zu erzählen. Hören Sie aktiv zu. Tun Sie nicht nur so als ob! „Aktiv zuhören“ bedeutet:

  • Streuen Sie ab und zu ein interessiertes „hm“ oder „aha“ dazwischen.
  • Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  • Zeigen Sie durch Ihre Haltung Interesse.
  • Stellen Sie Fragen.
  • Paraphrasieren Sie.

Kurz gesagt: Machen Sie deutlich, dass es im Moment keinen wichtigeren Menschen auf der Welt für Sie gibt als Ihren Gesprächspartner!

Vergessen Sie nie, dass Ihr Gegenüber hundertmal mehr an sich selbst, seinen Wünschen und seinen Problemen interessiert ist als an Ihren Wünschen und Problemen. Seine Kopfschmerzen sind ihm wichtiger als der Krieg im Nahen Osten, der Tausende von Toten kostet. Sein Hühnerauge beschäftigt ihn mehr als das Ozonloch über dem Nordpol. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Gespräch führen! Durch aktives Zuhören haben Sie eine der besten Möglichkeiten überhaupt gefunden, anderen Menschen zu zeigen: „Sie sind wer, ich nehme Sie wichtig, Sie sind ok!“


Gerhard Reichel

Über den Autor Gerhard Reichel

Gerhard Reichel ist Geschäftsführer des "Institut für Rhetorik" und bietet Trainings für Rhetorik, Dialektik, Schlagfertigkeit und erfolgreich Verhandeln.

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