E-Business

Intranet/Extranet: Zentrales CMS oder Portal-Lösung?

Einleitung

Intranet- bzw. Extranet-Lösungen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um Web-basierte Systeme, die angemeldeten Benutzern interaktive Funktionen und Informationen zur Verfügung stellen.

Der Unterschied zwischen Intra- und Extranet besteht primär in der angesprochenen Zielgruppe. Während ein Intranet insbesondere die Mitarbeiter des Unternehmens im Fokus hat, spricht ein Extranet Partnerunternehmen oder bestimmte, bereits registrierte, Kunden an. Die in im folgenden diskutierte Fragestellung bezieht sich auf beide Arten von Lösungen, unabhängig von der konkreten Zielgruppe.

Bei der Umsetzung einer Intra- oder Extranetlösung sieht man sich üblicherweise mit der Auswahl einer geeigneten Plattform konfrontiert. Hierbei stehen zwei prominente Lösungsansätze zur Auswahl: Auf der einen Seite kann eine solche Lösung basierend auf einem (E)CMS, welches eventuell auch bereits im Unternehmen vorhanden ist, umgesetzt werden. Auf der anderen Seite finden sich dezidierte Portal-Frameworks und -Produkte, welche erweiterte Funktionen bereitstellen.

Content Management Systeme als Basis von Intra-/Extranet

Grundlegendes Konzept

Moderne (Enterprise-)Content Management Systeme erlauben die Entwicklung interaktiver Web-Projekte mit Benutzeranmeldung auf der Webseite, personalisierten Inhalten und der Integration diverser externer Datenquellen. Diese Funktionen erlauben es, mittels entsprechender Template-Entwicklung Intra- und Extranetlösungen auf Basis eines Content Management Systems umzusetzen.

Der Umfang der bereits durch die Standardsoftware abgedeckten Funktionalitäten variiert dabei je nach Content Management System. Hier ist bei der Auswahl darauf zu achten, möglichst viele Funktionen bereits durch die Standardsoftware abzudecken.

Bearbeitung von redaktionellen Inhalten

Innerhalb einer Intra- oder Extranet-Lösung stellen redaktionelle, eventuell personalisierte Informationen, die den Besuchern zur Verfügung gestellt werden, häufig einen signifikanten Anteil des Nutzens dar.

Abbildung 1: Beispiel für die Inhaltsbearbeitung in einem CMS

Abbildung 1: Beispiel für die Inhaltsbearbeitung in einem CMS

Die Bearbeitung solcher redaktioneller Inhalte liegt klar im Fokus einer CMS-basierten Lösung. Hier werden auch ihre Stärken deutlich. Durch die umfangreichen Möglichkeiten zur Inhaltsbearbeitung können – zentral oder dezentral – auf einfache Weise Informationen für den Besucher aufbereitet werden. Hierbei kann es sich beispielsweise um Produkt- oder Support-Informationen für Fachpartner oder Neuigkeiten für die Belegschaft handeln.

Ebenso sind Veranstaltungskalender, personalisierte Abteilungsinformationen und ähnliche dynamische Informationensinhalte auf einfache Weise zu pflegen.

Benutzeranmeldung

Eine Benutzeranmeldung innerhalb des Intra-/Extranets erfolgt in der Regel über eine individuell angepasste Template-Komponente. Einige Systeme bieten hierbei bereits unterstützende Funktionalität, allerdings müssen Funktionen wie Single-Sign-On, Rechteverwaltung, etc. für das Frontend meist nachgerüstet werden.

Interaktive Anwendungen und Anbindung externer Systeme

Die Bereitstellung interaktiver Anwendungen für den Benutzer erfolgt im Falle eines CMS über Templates in der Template-Sprache des jeweiligen Content Management Systems. Hier wird über die Einbindung diverser Script-Sprachen die Funktionalität individuell entwickelt. Oft finden sich bereits grundlegende Funktionen in Form eines Baukastensystems. Bereits existierende Funktionen außerhalb des Systems lassen sich allerdings nur selten direkt übernehmen und müssen meist neu entwickelt werden.

Wird die Anbindung externer Anwendungen, wie etwa eines Buchungssystems gewünscht, so wird diese ebenfalls innerhalb der Templates des Content Management Systems umgesetzt.

Generell gilt, dass bei komplexeren Anwendungen oder Anbindungen eine strukturierte Umsetzung der gewünschten Funktionalitäten innerhalb von Templates die Wartbarkeit der Anwendungen beeinträchtigt. Als Lösungsansatz wird hier häufig über Links auf die externen Systeme verwiesen, so dass eine nahtlose Integration der Anwendungen für den Benutzer nicht umgesetzt wird.

Portal-Frameworks als Basis von Intra-/Extranet

Grundlegendes Konzept

Sogenannte Portalframeworks (wie etwa Liferay, Sharepoint, IBM WebSphere Portal oder SAP NetWeaver Portal) sind darauf ausgelegt, unter einer einheitlichen Oberfläche diverse Anwendungen und Funktionalitäten zu integrieren.

Über sogenannte Portlets werden unterschiedliche Funktionen, Informationen und externe Systems innerhalb des Portals aggregiert. Die Portlets können dabei sowohl Standardprodukte darstellen als auch individuell entwickelt werden. Die Entwicklung erfolgt dabei üblicherweise über Enterprise-Sprachen wie zum Beispiel .NET oder Java.

Es ist zu beachten, dass solche Frameworks lediglich eine Infrastruktur (mit diversen Beispielmodulen) zur Verfügung stellen, eine direkte Administrations- oder Pflegeoberfläche für Inhalte allerdings nur selten zur Verfügung steht und vielmehr über andere Systeme abgebildet werden muss.

Bearbeitung von redaktionellen Inhalten

Sollen innerhalb eines Intra- oder Extranets redaktionelle Inhalte dargestellt werden, so stellt sich bei der Verwendung eines Portal-Frameworks die Frage, an welcher Stelle diese erstellt werden sollen.

Zum einen kann eine individuelle Pflegeoberfläche in das Portal integriert werden, zum anderen können die Inhalte aus externen Systemen bezogen werden. So können beispielsweise Produktdaten bereits innerhalb eines Product-Information-Management-Systems zur Verfügung stehen.

Benutzeranmeldung

Portalframeworks liefern üblicherweise eine Benutzeranmeldung für Besucher der Webseite sowie Anbindungen an Benutzerverzeichnisse wie LDAP oder ActiveDirectory von Haus aus mit.

Auch Funktionen wie Rechtevergabe und eingeschränkter Zugriff auf bestimmte Anwendungen lassen sich über die Portalfunktionalitäten auf einfache Weise abbilden.

Abbildung 2: Oberfläche des Liferay Portal

Abbildung 2: Oberfläche des Liferay Portal

Interaktive Anwendungen und Anbindung externer Systeme

Durch die Unterstützung von Standards zur Einbindung externer Inhalte wie zum Beispiel JSR-168, SOAP-Webservices und eine Vielzahl von Schnittstellen eignen sich Portalframeworks besonders gut, um dem Benutzer unterschiedliche Anwendungen unter einer einheitlichen Oberfläche zu präsentieren.

Einige externe Fachanwendungen stellen auch bereits von Herstellerseite Portlet-Module zur Verfügung, welche dann mit relativ geringem Aufwand in ein solches Portal integriert werden können.

Fazit

Die Auswahl einer geeigneten Plattform für ein Intra- oder Extranet wird ganz klar durch die individuellen Anforderungen der zu entwickelnden Lösung bestimmt.

Content Management Systeme bieten bei einer Vielzahl von redaktionellen Inhalten eindeutige Vorteile durch komfortable Pflegeoberflächen und hoher Kompetenz bei der Verwaltung teilweise strukturierter Daten.

Liegt der Fokus dagegen mehr auf die Integration und Anbindung externer Systeme und interaktiver Anwendungen, so sollten insbesondere die Portalframeworks genauer unter die Lupe genommen werden.

In vielen Fällen lassen sich auch Hybrid-Lösungen umsetzen, in denen die Darstellung und Integration der diversen Systeme durch ein Portal-Framework übernommen wird, die Pflege von redaktionellen Inhalten aber in einem CMS vorgenommen wird.

Im letztem Fall sollte bei der Auswahl von CMS und Framework besonderes Augenmerk auf die Kompatibilität oder Integrationsfähigkeit des jeweiligen Systems gelegt werden. Ebenso kann die Nutzung einer eventuell bereits vorhandenen Lizenz für ein CMS geprüft werden.


Jan Eickmann

Über den Autor Jan Eickmann

Jan Eickmann ist Diplom Wirtschafts-informatiker und als Leiter der Kundenberatung bei der kernpunkt GmbH für die Entwicklung von Konzepten und Software-Architekturen in den Bereichen CMS, Portale, Online-Anwendungen und E-Commerce zuständig.

0Kommentare

Es wurde bisher noch kein Kommentar verfasst. Starten Sie die Diskussion!