SelbstmarketingReden halten in der Öffentlichkeit

Dass es im Wirtschaftsleben nicht allein auf Leistung ankommt, sondern man diese auch verkaufen muss, ist eine ebenso alte wie immer wieder unterschätze Weisheit. Stellt man Führungskräften und Personalverantwortlichen einmal die Frage, wodurch jemand in ihren Unternehmen Karriere macht, zeichnen sich drei Faktoren ab:

  1. die Qualität der Leistung
  2. das Image bzw. die Selbstdarstellung
  3. der Bekanntheitsgrad der Person im Unternehmen

Interessant ist auch die prozentuale Verteilung dieser drei Faktoren: Auf die Leistung entfallen lediglich zehn Prozent, auf das Image 30 Prozent und auf den Bekanntheitsgrad satte 60 Prozent. Welche Fähigkeit aber hilft schneller auf sich aufmerksam zu machen, als die Fähigkeit zur öffentlichen Rede?

Der überforderte Kronprinz Georg Schaeffler

Georg Schaeffler ist der größte Anteilseigner des fränkischen Familienunternehmens. Jetzt soll er mithelfen, das Unternehmen zu retten. In dieser Rolle ist er völlig überfordert. Das zeigte sich ganz deutlich Ende Februar 2009 bei einem Treffen in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale. Zur Rechten Maria-Elisabeth Schaefflers sitzt Sohn Georg, ein Doktor der Jurisprudenz und Advokat für internationales Recht. Die Objektive der Kameras sind dennoch auf sie gerichtet, die elegante Frau mit dem roten Schal. Georg hingegen sitzt unscheinbar daneben. Georg spricht leicht schnodderig, in der Wortwahl nicht so exakt, wie man das von einem Anwalt erwarten würde. Auf Fotos steht er bevorzugt am Bildrand oder im Hintergrund. Seine Rolle beschränkt sich darauf, seiner Mutter beizupflichten. Er scheut das Rampenlicht. Der 44-Jährige verkauft sich extrem schlecht.

Der Shootingstar Karl-Theodor zu Guttenberg

Aus ganz anderem Holz geschnitzt ist sein fränkischer Nachbar, Karl-Theodor zu Guttenberg. Seine Blitzkarriere ist atemberaubend. Mit 37 Jahren ist er jüngster Bundeswirtschaftsminister seit 1949. Nach eigenem Eingeständnis redet er gerne in der Öffentlichkeit. Er haut nicht drauf, er argumentiert souverän. Auf dem gesellschaftlichen Parkett bewegt er sich sicher. Und seine Reden reißen seine Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin.

Es gibt keine Leistung – in keinem Beruf -, die nicht in irgendeiner Weise verkauft werden muss:

  • Das „An den Mann bringen“ einer neuen Idee.
  • Das Gewinnen eines Mitarbeiters für eine neue Maßnahme.
  • Das Überzeugen eines Gremiums von der Wichtigkeit des eigenen Standpunkts.

Alexander der Große hat dies einmal in einzigartiger Weise demonstriert. Auf dem Rückzug von Indien musste er eine der schrecklichsten Wüsten Persiens durchqueren. Das Heer war dem Verdursten nahe. Da brachte ihm einer der Soldaten einen Helm voll Wasser. Und was tat Alexander? Er ließ das Heer antreten, dankte dem Soldaten öffentlich – und schüttete das Wasser langsam mit den Worten in den Wüstensand: „Für einen zuviel, für alle zuwenig!“ Warum tat er das nicht versteckt hinter dem Zelt, sondern vor aller Augen? Seine Soldaten hätten nie davon erfahren. Und so sprechen wir sogar nach mehr als zweitausend Jahren noch davon. Also: keine falsche Scham, keine falsche Bescheidenheit. Wer gut ist, darf es auch zeigen. Und Klappern hat schon immer zum Handwerk gehört.

7 Tipps für eine bessere rhetorische Wirkung

1. „Merk“-würdig sein

„Merk“-würdig im besten Sinn des Wortes: des Merkens wert! Menschen mit einem wirklich guten Image sind in einem gewissen Sinn „anders als die anderen.“ Es umgibt sie ein Hauch des Besonderen, des Einmaligen, des Außergewöhnlichen. Welche Stärken hat jemand? Hat er etwas Besonderes an sich? Besitzt er Ausstrahlung? Schon der Dichter Friedrich Hebbel hat erkannt: „Es ist besser, ein eckiges Etwas, als ein rundes Nichts zu sein.“

2. Authentisch bleiben

Es hat keinen Sinn, um jeden Preis aufzufallen, nach Art etwa der schrillen Hella von Sinnen. Das Außergewöhnliche muss Niveau haben, muss zur Persönlichkeit des Unternehmers passen. Mit Recht fordert Kurt Tucholsky: „Suche keine Effekte zu erzielen, die nicht in deinem Wesen liegen!“

3. Mit Lampenfieber vernünftig umgehen

Man darf Lampenfieber haben. Das ist normal. Es macht sogar sympathisch. Diese Einstellung befreit und löst den inneren Stau. Ein gewisses Maß an Lampenfieber hilft sogar, zu einer besonderen Form aufzulaufen.

4. Gute Vorbereitung

Vor einem großen Auftritt bedarf es einer Generalprobe. Ein Schauspieler tut das auch und zwar mehrmals. Ein übersichtliches Stichwort-Manuskript leistet gute Dienste.

5. Mit der Stimme Stimmung erzeugen

Die Stimme hat die Funktion einer Klimaanlage. Ist sie monoton, kühlt die Atmosphäre ab. Die Tür zu den Herzen der Zuhörer fällt zu. Ist die Stimme lebendig, mitreißend und warm, erwärmt sie auch die Herzen der Zuhörer.

6. Auf Körpersprache achten

Ein Redner hat nicht nur Zuhörer, sondern auch Zuschauer. Nicht nur was man sagt, ist entscheidend, sondern auch wie. Wichtig sind Augenkontakt, Mimik, Gestik und Haltung.

7. Unterhaltsam reden

Niemals das Rednerpult mit dem Lehrerpult verwechseln. Die meisten Menschen lassen sich viel lieber unterhalten, als dass sie sich belehren lassen. Beispiele, ein persönliches Erlebnis, eine Anekdote oder ein treffendes Zitat lockern auf. Es muss Spaß machen, zuzuhören.


Gerhard Reichel

Über den Autor Gerhard Reichel

Gerhard Reichel ist Geschäftsführer des "Institut für Rhetorik" und bietet Trainings für Rhetorik, Dialektik, Schlagfertigkeit und erfolgreich Verhandeln.

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