KarriereförderungWeniger als jede sechste Firma entwickelt systematisch Talente

Die Zahlen zeigen, dass Notwendigkeit und Potenzial von strategischem Talentmanagement in vielen deutschen Firmen noch nicht erkannt wird. Die Folgen: Unternehmen fallen im Wettbewerb zurück, Fach- und Führungskräftetalente bleiben unentdeckt. Gleichzeitig steigen die Kosten, um extern Personal zu rekrutieren. Bewusst wurden für die Studie Arbeitnehmer befragt und nicht die Personalverantwortlichen der Unternehmen.

„Personalentwicklungsprogramme zielen in Deutschland häufig zu stark auf konkrete Bedarfe der Organisation ab und zu wenig auf die individuellen Kompetenzen und Karrierewünsche der Mitarbeiter selbst. Hier setzt modernes Talentmanagement an“, sagt Rüdiger Schäfer, Deutschland-Chef bei Right Management, den Karriere-Experten der ManpowerGroup.

Karriere als beständige berufliche Entwicklung statt Karriereleiter

Der Unterschied liegt in der Herangehensweise: Die Mitarbeiter bekommen keine konkrete Position angeboten, in den sie durch eine Weiterbildungsmaßnahme hineinwachsen sollen. Vielmehr arbeiten sie gemeinsam mit Vorgesetzten und Personalabteilung aus, welche Rolle sie künftig im Unternehmen spielen können und wollen und welche Kompetenzen sie dafür noch benötigen. „Mitarbeiter sind engagierter und motivierter, wenn sich ihre persönlichen Ziele mit den Unternehmenszielen decken“, so Schäfer. „Das Unternehmen schafft sich somit einen Pool an Talenten mit vielfältigen Kompetenzen, die sie flexibel einsetzen können.“ Das ist zum Beispiel wichtig, um neue Herausforderungen, die an eine agile Organisation gestellt werden zu meistern so konnte z.B. vor zehn Jahren noch keine Personalabteilung voraussehen, welche Bedeutung die Digitalisierung für die Arbeits- und Führungspraxis spielen wird.

Positive Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn

Für die Arbeitgeber zahlt sich der Aufwand eines professionellen Talentmanagements mit dem Fokus auf die Karriere-Entwicklung aus: Wichtige Know-how-Träger bleiben dem Unternehmen länger treu. Das ist wichtig, denn den meisten deutschen Firmen fehlen ausreichend geeignete Mitarbeiter in Schlüsselfunktionen. Das ist eine der größten Herausforderungen für die Personalentwicklung, zeigt eine weitere ManpowerGroup-Studie. Ist eine solche Stelle unbesetzt, führt dies zu Umsatzeinbußen und hohen Rekrutierungskosten. „Unternehmen erwirtschaften mit zeitgemäßen Talententwicklungsstrukturen im Durchschnitt 30 Prozent mehr Umsatz und höhere Gewinne“, sagt Schäfer.

Von Bundesliga-Clubs lernen

Was eine systematische, auf individuelle Fähigkeiten abgestimmte Karriereförderung bewirken kann, verdeutlicht auch ein Blick auf den Profifußball. Vereine der ersten und zweiten Bundesliga haben seit 2002 rund eine Milliarde Euro in die Nachwuchsförderung investiert. Die Erfolge können sich sehen lassen: ein Weltmeistertitel der A-Mannschaft und weitere Erfolge der Jugendteams. „Deutsche Unternehmen sollten der Devise vieler Bundesligavereine folgen: weniger teure Transfers, mehr Talentsuche und Förderung im eigenen Haus“, sagt Schäfer. Gerade für die Führungsriege ist dies wichtig: So planen derzeit 41 Prozent der deutschen Unternehmen Investitionen in Coachings bestehender Führungskräfte, aber weniger als ein Drittel in Maßnahmen zur Führungskräfteentwicklung. Da verwundert es nicht, dass nur etwa jedes zehnte deutsche Unternehmen genug Nachwuchsführungskräfte in der Organisation hat.


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