Sein oder Nichtsein?

Zukunftsperspektiven der Druckbranche im digitalen Zeitalter

Das endgültige Aus der Produkte der Druckbranche wird schon lange herbeigeredet und doch werden jeden Morgen die Tageszeitungen zugestellt. Sicher, es sind nicht mehr so viele wie noch vor 20 Jahren. Und ja, vor allem die Generation YouTube bezieht Nachrichten hauptsächlich über neue Medien.

Quelle: © Statista 2015

Das sind keine einfachen Zeiten für Verlage und Druckereien, aber die Frage ist doch, ob das Ende einer mehr als 550 Jahre währenden Erfolgsgeschichte wirklich schon gekommen ist. Die Technologien verändern sich im Eiltempo, genauso wie die Lesegewohnheiten und Anforderungen der Konsumenten. Eine Rückbesinnung auf die frühere Innovationskraft der Druckmedien bleibt als möglicher Ausweg für die Zukunft. Wie nahezu alle Lebensbereiche muss sich auch die Druckbranche an die Gegebenheiten des Digitalzeitalters anpassen, um ihre Existenzberichtigung zu erhalten.

Die Herausforderung: Digital statt Druck

Es wäre realitätsfern zu behaupten, die Printmedien steckten in keiner Krise. Sinkende Absatzzahlen lassen sich nicht einfach wegdiskutieren, sie sind die Tatsachen, mit denen die Druckbranche zurechtkommen muss. Das einstige Rückgrat der Alphabetisierung, Massenkommunikation und Informationsverbreitung hat jüngere, schnellere Konkurrenten bekommen, die ihre Aufgaben zusehends übernehmen.

Der Aufschwung der Sozialen Medien

Immerhin wird das Lesen dadurch nicht verlernt, es verändert sich lediglich. Neuigkeiten werden durch die digitale Vernetzung anders wahrgenommen und kommuniziert. Wer sich zu einem Thema oder Ereignis informieren möchte, muss nicht mehr warten, bis die Tageszeitung am nächsten Morgen vor der Haustür liegt. Nachrichten sind immer und überall abrufbar geworden, das Internet ist ein Informations-Livestream.

Das Zauberwort in dieser Hinsicht ist seit den 90er Jahren Social Media. Soziale statt konventionelle Massenmedien gehen die Kommunikation von einer anderen Seite an. Die Möglichkeit für alle, sich an der Produktion, Verbreitung und Nutzung von Nachrichten zu beteiligen, fordert und fördert Interaktivität. Soziale Kommunikation soll demokratischer sein, mehr am Dialog orientiert, nicht mehr beschränkt auf das klassische Sender-Empfänger-Prinzip. Spätestens der Start von Facebook im Jahr 2004 hat den Weg für soziale Medienplattformen geebnet.

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Quelle: © Statista 2015

Der Erfolg hängt eng mit der großen Reichweite solcher Kommunikationskanäle und dem damit verbundenen Potenzial zusammen. Wirtschaft, Industrie und Politik nutzen Social Media genau wie normale Privatpersonen für die Pflege ihrer öffentlichen Präsenz. Im schlimmsten Fall bedeutet das nervige Werbung auf einer Plattform, mit der alle Nutzer nahezu permanent erreichbar sind.

Natürlich sind soziale Medien mehr als bloße Werbeplattformen, an erster Stelle steht immer der Austausch der Nutzer. Leichte Zugänglichkeit und schier endlose Möglichkeiten der Gestaltung machen eine weltumspannende Kommunikation gewissermaßen zu einem Kinderspiel. Jeder kann sich beteiligen, sich einbringen und sich selbst präsentieren. Ob Jugendliche, Rentner oder Politiker auf Stimmenfang: Blogs, Microblogs, Videoplattformen oder die sozialen Netzwerken bieten durch Nutzerfreundlichkeit, Verbreitungsgeschwindigkeit und Reichweite jedem die Chance, der nächste virale Hit im Netz zu werden.

Informationsgewinnung online: Digitale Massenmedien

Im digitalen Zeitalter folgt die Informationsgewinnung anderen Marschrouten. Das liegt zum einen an dem unendlichen Vorrat an gesammeltem Wissen im Netz, für dessen Nutzung kaum mehr nötig ist, als die Suchmaschine der Wahl mit den gewünschten Begriffen zu füttern. Die Vernetzung von Inhalten ermöglicht die Erschließung weiterer Informationen nach dem Schneeballprinzip. Der Aufwand ist nicht größer als ein paar Mausklicks.

Digitale Informationsbeschaffung kann zudem individuell ausgestaltet werden: Unerwünschte Themen werden einfach wegselektiert oder geblockt, während sich Leser herkömmlicher Zeitungen weiterhin bis zum gewünschten Teil durchblättern müssen.

Das spart in einem gefühlt immer schnelleren Alltag wertvolle Zeit. Information und Kommunikation müssen bei diesem Tempo mithalten. Das gemütliche Studium der Tageszeitung am Frühstückstisch ist vielfach längst dem Wischen der Finger über Smartphone- und Tabletdisplays auf dem Weg zur Arbeit oder während der Pausen gewichen.

Die logische Konsequenz sind Liveticker für Nachrichten, die Zeitungen und Nachrichtenmagazine online anbieten. Nachrichtenfeeds sind der bequeme Ersatz für herkömmliche Printmedien. Die Leser gelangen so schnell und bequem zu den Meldungen, die für sie tatsächlich relevant sind. Mehr als jemals zuvor können sie am aktuellen Zeitgeschehen teilnehmen. Wo sich traditionelle Zeitungen für ihre tägliche Informationsverbreitung an Redaktionspläne und Druckzeiten halten müssen, bietet das Internet diese Möglichkeit ohne Unterbrechung.

Das leere Bücherregal: E-Books

Es gab Zeiten, da ließ sich eine Person ungefähr am Umfang und Inhalt ihrer Bücherregale einschätzen. Zugegeben, einen Sammler von einem wirklich Literaturbegeisterten zu unterscheiden, war damit kaum möglich. Dennoch die Bücherrücken ein gewisses Indiz dafür, welche Themen dem Besitzer wichtig waren und wo möglicherweise Anknüpfungspunkte für eine Unterhaltung liegen konnten.

Sein oder Nichtsein Abbildung 1 Ebook

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Das hat sich durch das Aufkommen der E-Books geändert oder hätte es zumindest sollen. Sollen deshalb, weil die elektronische Bibliothek trotz ihrer Praktikabilität in puncto Platzbedarf und Mobilität die gedruckten Bücher gerade auf dem deutschen Markt doch nicht hat ablösen können. Zum Vergleich: Nach einer Phase des Booms machen E-Books in Deutschland einen Anteil von vier Prozent am Buchhandel aus – in Amerika liegt er bei knapp einem Viertel.

Dabei sind die Vorteile digitaler Literatur offensichtlich. Das ständige Mitführen unzähliger Bücher wäre ohne die Verwendung eines entsprechenden E-Bookreaders unmöglich. Diese Geräte sind für Bücher das, was Smartphones für die Nachrichten sind: Die Möglichkeit eines zeitlich und räumlich uneingeschränkten Zugriffs. Die Lieblingsbücher sind immer greifbar und fehlendes Licht stellt kein Problem mehr dar. Trotzdem ziehen viele Menschen das sinnliche Erleben eines gedruckten Buches der praktischen Nutzbarkeit von E-Books vor.

 Bibliotheken im Wandel: Büchereien ohne Bücher

In öffentlichen Bibliotheken findet trotz der verbreiteten Vorliebe für Druckerzeugnisse eine Neuorientierung statt. Das Internet erfordert bei der Informationssuche kaum Rechercheaufwand und erst recht kein Wälzen von Bibliothekskatalogen oder das Abwandern von endlosen Regalreihen. Als Orte der Bildung und des Wissens scheinen die öffentlichen Bibliotheken von den digitalen Möglichkeiten überholt worden zu sein.

Neue, zeitgemäße Angebote sollen die Menschen wieder locken, darum gehören E-Books mittlerweile auch in deutschen Bibliotheken zum Standardrepertoire. Der teils noch geringe Umfang der elektronischen Büchersammlungen ist dabei nicht dem Unwillen der Büchereien, sondern einer zögerlichen Lizenzierungspolitik der Verlage zuzuschreiben.

Sein oder Nichtsein Abbildung 2 Bibliothek

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Darüber hinaus erschließen Bibliotheken zunehmend weitere Tätigkeitsfelder, weit jenseits derer einer traditionellen Ausleihanstalt. Die Frage bleibt, wie weit sich die neudefinierte Bibliothek von ihren alten Formen entfernen sollte. In Dänemark beispielsweise wird unter den Schlagwörtern Kommunikation, Dienstleistung und Veranstaltungsraum ein radikaler Weg gegangen, bei dem das Buch kaum mehr Bedeutung hat. Die Bibliothek wird zur öffentlichen Begegnungsstätte umgedeutet. Im Rahmen dieses dänischen Modells werden behördliche Aufgaben auf die Büchereien abgewälzt, Familienbereiche sind interaktive Spielplätze für Kinder, die Räumlichkeiten werden für Workshops unterschiedlichster Art genutzt – allein zum Ausleihen von Büchern kommen immer weniger Menschen.

Die Öffnung gegenüber den Erfordernissen der Digitalisierung birgt die Gefahr einer Entfremdung von der ursprünglichen – auch dem Wortsinn nach – Bedeutung der Bibliothek, in der doch das Verhältnis der Besucher zum Buch und zum Lesen im Allgemeinen im Mittelpunkt stehen sollten. Denn das macht eine Bibliothek doch letzten Endes aus: Die Möglichkeit für Alt und Jung, quer durch alle sozialen Schichten etwas Neues zu entdecken und damit seinen Horizont zu erweitern.

Die Möglichkeiten: 1. Technische Innovation

Die Notwendigkeit zu Veränderungen betrifft selbstverständlich nicht allein die Printmedien als solche, sondern in gleichem Maße diejenigen, die sie produzieren. Druckereien müssen ebenfalls auf die veränderten Bedürfnisse der Konsumenten reagieren. Anhänger des verstorbenen Terry Pratchett wissen spätestens seit dessen Roman „Die volle Wahrheit“ um die Wichtigkeit, die technischen Entwicklungen der Geschwindigkeit der tagespolitischen Entwicklungen und der Wünsche der Leser anzugleichen.

Effizienteres Arbeiten: Wege zur Prozessoptimierung

Die Erfindung des modernen Buchdrucks mit auswechselbaren Buchstaben und einer mechanischen Druckerpresse durch Johannes Gutenberg ist in ihrer historischen Bedeutung für die massenhafte Verbreitung von Wissen einzigartig.

Der frühneuzeitliche Buchdruck stellte zwar einen vorläufigen Höhepunkt einer langen Reihe älterer Formen der Herstellung von Druckerzeugnissen dar. Bis zu einem wirklich erfolgreichen und finanziell rentablen Einsatz waren aber verschiedene technische Innovationen notwendig. Die Liste unterschiedlichster Druckverfahren, die in den mehr als 500 Jahren nach Gutenbergs Erfindung entwickelt wurden, bezeugt die Notwendigkeit der fortlaufenden Anpassung der Produktionsprozesse an die Gegebenheiten ihrer Zeit.

Technische Innovation bietet der Druckbranche unserer Zeit unterschiedliche Wege, den Wettbewerb untereinander und mit den digitalen Medien anzunehmen. Eine Möglichkeit ist die Spezialisierung auf eine Veredelung von Druckerzeugnissen. UV-Lack wird zur optischen Hervorhebung, aber auch zum Schutz des Produkts eingesetzt. Formstanzungen, Prägungen und 3D-Drucktechniken sind weitere Verfahren der visuellen Veredelung, spezielle Duftstoffe, die beim Reiben über das Papier ihren Geruch verbreiten, gehen sogar noch einen Schritt weiter.

Der andere Weg ist kostengünstige Massenproduktion mit optimierten Prozessen und effizienteren Maschinen. Digitaldruckverfahren bieten sich dazu an, denn wegen der direkten Übertragung des Bildes an die Druckmaschine benötigen sie keinerlei Druckformen mehr. Gleichzeitig erlaubt der Digitaldruck, jeden Papierbogen ohne den aufwändigen Wechsel der Druckformen anders zu bedrucken.

Sofortiges mehrseitiges Drucken bedeutet zudem eine Zeitersparnis, denn das beim Offsetdruck notwendige Sortieren der Seiten entfällt. Eine Erweiterung zum abschließenden Schneiden und Binden der Bögen kann zusätzlich Zeit sparen. Mittlerweile können Digitaldrucksysteme sogar für großformatige Aufträge eingesetzt werden, vor allem für Banner und ähnliche Produkte, die zum Teil auch im Freien genutzt werden sollen.

Aus Unternehmersicht ist die Verarbeitung von digitalen Daten durchaus attraktiv. Die fortschreitende Automatisierung ermöglicht eine höhere Maschinenauslastung bei geringerem Personalbedarf. Eine solche Prozessoptimierung spart langfristig Kosten, benötigt allerdings zunächst einige Investitionen: Nicht allein für die entsprechenden Maschinen, sondern auch für die richtige Schulung der Mitarbeiter. Die Zusammenlegung verschiedener Arbeitsschritte beispielsweise macht die Kenntnis anderer Arbeitsbereiche zu einer Grundvoraussetzung, neue Arbeitsweisen bedeuten neue Anforderungen für die Arbeitnehmer – Innovation betrifft eben nicht allein die Technik, sondern auch diejenigen, die sie bedienen sollen.

Druckmaschine

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Innovationen sind auch hinsichtlich einer ökologischen und nachhaltigen Herstellung sinnvoll, vor allem weil eines der Hauptargumente gegen eine weitere Produktion von Printmedien der damit zusammenhängende Ressourcenverbrauch ist. Außerdem sind Kunden für das Thema Nachhaltigkeit zunehmend sensibilisiert, mit einem entsprechend veränderten Konsumverhalten. Eine umweltfreundliche Produktion ist daher für die Druckbranche umso wichtiger, selbst wenn umfassende Konzepte für ein ökologisches Arbeiten vorab mit Kosten verbunden sind.

  • Energieeffiziente Gebäudekonzepte:

Druckereien brauchen Maschinen und Maschinen brauchen Energie. Die Erschließung erneuerbarer Energiequellen, wie sie im privaten Hausbau angewendet wird, kann zu einer Senkung der Energiekosten

Bildquelle:pixabay.com © metalurgiamontemar (CC0 Public Domain)

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beitragen, ebenso wie die Nutzung der Abwärme der Druckmaschinen für die Wärmeversorgung der Firmengebäude. Als zusätzliche Maßnahme sorgt die Optimierung der Haustechnik – also Beleuchtung, Heizung etc. – für Energieeinsparungen.

  • Umweltschonende Materialien:

Positiv wirkt sich auch die richtige Wahl der primären Arbeitsmaterialien auf die Ökobilanz von Druckereien aus. Bei der Papierauswahl gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, nämlich entweder die Verwendung zertifizierter Produkte, die eine nachhaltige Gewinnung der notwendigen Rohstoffe garantieren, oder die Nutzung von Recyclingpapier. Ökologisch verträgliche Farben werden nicht auf Mineralölbasis hergestellt, sondern mit pflanzlichen Ölen und Harzen, sowie organischen Pigmenten.

  • Emissionsarmer Transport:

Das betrifft einerseits schon den Transport auf dem Firmengelände, der durch eine optimierte Produktionskette so wenig aufwändig wie möglich gestaltet wird. Andererseits geht es selbstverständlich auch um den klimaneutralen Versand der fertigen Produkte, der wiederum die entsprechenden Partner für diese Aufgabe voraussetzt.

Ganz neue Wege: 3D-Druck

Tatsächlich hat der 3D-Druck kaum mehr etwas mit dem herkömmlichen Drucken von Schriftstücken oder Grafiken auf Papier oder ähnlichen Materialien zu tun, weswegen die Bezeichnung des additiven Verfahrens als Druck auch nicht so recht den Kern trifft. Abgesehen davon zeigt er aber, wie die technologische Entwicklung völlig neue Anwendungsgebiete zugänglich macht.

Von der industriellen Nutzung bis zur Kunst ist im Grunde genommen alles denkbar. Da die Modelle am Computer entstehen, sind auch keine weiteren Formen notwendig und die Möglichkeit des Druckens von Kunststoffen mit verschiedenen Härtegraden verkürzt Arbeitsprozesse, weil mehrere Arbeitsschritte zu einem einzigen zusammengefasst werden können. Ebenfalls praktisch: 3D-Druckverfahren funktionieren ohne Materialverlust.

Die „konventionelle“ Druckbranche kann von dieser Entwicklung ebenfalls profitieren, zum Beispiel durch die bereits angesprochene 3D-Veredelung, mit der auf herkömmlichen Druckerzeugnissen die verschiedensten Oberflächen nachgeahmt werden können. Das eröffnet zudem neue Möglichkeiten hinsichtlich der Produktindividualisierung.

Die Möglichkeiten: 2. Neue Absatzmärkte

Technische Innovation ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die erforderliche Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten. Denn trotz sinkender Umsatzzahlen und Auflagen von Zeitungen beispielsweise ist die Käuferschaft offenbar immer noch vorhanden. Für die Printmedien muss es daher darum gehen, diese Käuferschaft zu erhalten und durch die Besetzung von Nischen neue Kunden zu gewinnen.

Digitale Bedürfnisse aufgreifen: Online-Druckereien und Web-Shops

Urlaubsschnappschüsse gehen oftmals den direkten Weg vom Smartphone in die sozialen Netzwerke. Manchmal ist es aber doch schöner, solche Erinnerungen tatsächlich in den Händen halten oder als persönliches Geschenk weitergeben zu können. Nicht von ungefähr ist die Produktion von Fotobüchern seit Jahren ein lukratives und wachsendes Geschäft.

 

Fotobücher

Quelle: © Statista 2015

Die Produktpalette von Online-Druckereien geht inzwischen weit über derlei Erinnerungsstücke hinaus, in den Web-Shops kann von Flyern bis Werbebannern so gut wie alles bestellt werden. Das Web-to-print-Prinzip ermöglicht insbesondere bei regelmäßigeren Bestellungen Zeit- und Kostenersparnisse. Zum einen durch das Angebot von Formatvorlagen als gestalterische Orientierungsmöglichkeit für die Kunden. Zum anderen durch eine Beschleunigung der Auftragsabwicklung, zum Beispiel durch die Festlegung individueller Optionen oder die dauerhafte Speicherung von Druckdaten für einen eventuellen Nachdruck.

Zeit ist umgekehrt auch für die Online-Druckereien selbst Geld, denn für die Kunden zählen schnelle Bearbeitung und Lieferung. Optimierte Produktionsstandards machen effiziente Arbeitsprozesse möglich und verringern den Zeitraum von der Bestellung bis zur Anlieferung. Die vergleichsweise kostengünstige Produktion erlaubt außerdem auch schon bei kleineren Aufträgen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sein oder Nichtsein Abbildung 5 Magazin

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Damit allein begnügen sich viele Online-Anbieter aber nicht mehr. Daher bieten sie neben oder als Ergänzung zu ihren Druckerzeugnissen weitere Dienstleistungen an, vor allem im Marketingbereich. Die Kunden erhalten so beispielsweise eine medienübergreifende Werbekampagne aus derselben Hand.

 Vom Netz in den Zeitungskiosk: Digitale Medien als Printausgaben

Entgegen dem Trend zu mehr Internetpräsenz, gibt es immer wieder Magazine, die den umgekehrten Weg an die Zeitungskioske beschreiten. Das sind nicht allein die sogenannten Indie-Magazine, die von sinkenden Produktionskosten und einem geringeren technischen Aufwand profitieren. Manches vormals ausschließlich als Online-Ausgabe erscheinende Produkt ist inzwischen ebenfalls als Printausgabe erhältlich.

Wichtig für einen solchen Schritt sind klare Vorstellungen bezüglich der Inhalte und der optischen Aufbereitung. Es gilt Nischen zu besetzen, um in der immer noch großen Magazinlandschaft nicht unterzugehen. Die mannigfachen Möglichkeiten der Printmedien hinsichtlich der Gestaltung des Layouts oder die im Vergleich zur Monitoransicht gänzlich andere optische Wahrnehmung von Fotos, Grafiken etc. helfen bei der Abhebung von Online-Magazinen.

Es muss auch kein Nachteil sein, dass ein Printmagazin eben nicht mit der unendlichen Informationsflut des Netzes aufwarten kann. Im Gegenteil wird die Lektüre konzentrierter, wenn die Ablenkungsmöglichkeiten nicht mehr nur einen Mausklick entfernt liegen. Die Auseinandersetzung mit einem gedruckten Produkt verlangt eine größere Aufmerksamkeit als das beiläufige Scrollen durch Internetnachrichten auf dem Smartphonedisplay. Die Magazinlektüre trägt somit bei zu einer Entschleunigung des Alltags und zu einem entspannten Umgang mit dem Medium.

Das kann aber nur passieren, wenn sich der Leser von den Inhalten angesprochen fühlt. Hochglanzoptik hin oder her, die Themen und die Herangehensweise an diese ziehen letztendlich die Kunden. Nur wer sich bei der Themenauswahl und der Qualität der gelieferten Texte von anderen unterscheidet, kann auf dem Markt überstehen.

Neue Bildungsgesellschaften: Bücherbedarf in Schwellenländern

Boomende Schwellenländer sind für Buchverlage ein reizvoller Absatzmarkt, denn hier – zum Beispiel in Brasilien, Indien oder Mexiko – suchen die neu entstehenden Mittelschichten, ganz nach dem Vorbild der Industrienationen, auch nach Unterhaltung, Wissen und Bildung. Bücher spielen dabei nicht nur in den Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens eine große Rolle, auch wirtschaftliche Globalplayer wie China haben den Wert der Printmedien erkannt.

Das sind insofern gute Nachrichten für die Kunden, weil immer mehr international agierende Verlage in Regionen mit einem gesteigerten Bedarf nach ihren Produkten expandieren. Ein größeres Angebot ist somit gesichert, die einheimischen Verlage werden sich allerdings nicht nur gegen die großen Buchkonzerne durchsetzen müssen, sondern auch gegen die bekannten Online-Plattformen.

Andererseits sind weder die Internationalisierung noch die Digitalisierung als Einbahnstraßen zu verstehen, wodurch gerade solche lokalen Verlage gute Voraussetzungen haben, um mit eigenen Angeboten selbst in den Markt einzusteigen. Vielerorts werden die Chancen dazu durch das Aufkommen von beispielsweise asiatischen Konkurrenzplattformen zu Amazon verbessert. Die weltweit immer größer werdende Leserschaft sorgt in jedem Fall dafür, dass der Bedarf an Büchern weiterhin vorhanden ist.

Es geht nicht ohne: Warum Zeitungen und Bücher immer noch zum Alltag gehören

Irgendwann einmal wird womöglich die Zeit kommen, in der es tatsächlich weder Zeitungen noch Bücher geben wird. Diese Zeit wird hoffentlich anders aussehen als Ray Bradburys dystopische Zukunftsvision aus seinem Roman Fahrenheit 451. Obwohl zumindest bei den jüngeren Generationen Fernsehen und Internet das Buch als Unterhaltungsmedium und Informationsquelle scheinbar weitgehend abgelöst haben.

Die Vorteile der digitalen Informationsgewinnung sind ja auch nur schwer von der Hand zu weisen. Online-Nachrichten sind aktueller, schneller, immer verfügbar. Ein kurzer Blick auf die Liveticker der einschlägigen Nachrichtenmagazine untermauert das. Es macht kaum Sinn, diesen Argumenten zu widersprechen. Aber einschränken lassen sie sich in jedem Fall.

Denn Aktualität darf nicht mit Fundiertheit verwechselt werden. Die Wiedergabe des Weltgeschehens in kurzen Schlagzeilen, sozusagen immer am Zahn der Zeit, vermittelt zwar einen vermeintlich umfassenden Eindruck der Ereignisse um uns herum. Die Schnelllebigkeit und Geschwindigkeit solcher Nachrichten liefert aber in der Kürze ihrer Entstehungszeit eben keine umfassenden Hintergründe. Die Information droht auf diese Weise an der Oberfläche hängen zu bleiben.

Sein oder Nichtsein Abbildung 6 Lesendes Kind

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Printausgaben von Zeitungen haben durch ihre Erscheinungsweise hingegen immer den Vorteil einer tiefergehenden Aufarbeitung des Zeitgeschehens. Das hilft bei der Einordnung von Ereignissen und liefert Informationen, die ansonsten in der unüberschaubaren Fülle des digitalen Angebots untergehen würden. Das macht Druckausgaben noch lange nicht zu Antagonisten von Online-Ausgaben, immerhin ist das Nebeneinander beider Formen heutzutage üblich. Aber es ist eine Möglichkeit, sich auch zukünftig von den digitalen Angeboten hervorzuheben.

Das funktioniert in dieser Form bei Büchern nicht, denn inhaltlich gibt es keine Unterschiede zwischen einer Druckausgabe und ihrem elektronischen Zwilling. Hier geht es vielmehr darum, ob Praktikabilität und Multimedialität wirklich das altmodische Leseerlebnis mit einem richtigen Buch ersetzen können. Das ist letzten Endes eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber offenbar gibt es immer noch die Art von Lesern, die sich vielleicht schon beim Gang durch die Buchhandlung oder Bibliothek von der Optik eines Einbands einfangen lassen wollen, die die Geschichte zwischen den Buchdeckeln nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Händen und der Nase erfahren wollen. Und später irgendwann, wenn es vielleicht sogar wirklich keine Zeitungen und Bücher mehr gibt, wollen diese Leser noch einmal dieses Buch zur Hand nehmen, und sei es nur wegen der Erinnerungen und Emotionen, die sie damit verbinden. Mit einem E-Bookreader ist das allerdings nur schwer vorstellbar.


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