Produkt- und Markenpiraterie

Plagiate verursachen Milliardenschäden bei deutschen Unternehmen

Das Problem verschärft sich, denn die Produktfälscher werden immer professioneller, finden in einer globalisierten Welt mehr Absatzmöglichkeiten und werden dank Internet immer schneller und flexibler. Im Visier haben sie alle Bereiche: Maschinen, Konsumgüter wie Taschen, Schuhe oder Uhren, Medikamente sowie Autoteile und sogar ganze Autos sind nur einige Beispiele. Besonders betroffen ist die Automobilwirtschaft, in der 62 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren mit Verletzungen ihres geistigen Eigentums konfrontiert wurden. Im Maschinen- und Anlagenbau wurden 48 Prozent der Unternehmen Opfer von Produkt- und Markenpiraterie.

Im Kampf gegen Verletzungen geistigen Eigentums kommen die Unternehmen kaum hinterher: Die Fälschungsindustrie konfrontiert fast 60 Prozent der geschädigten Unternehmen bereits im ersten Jahr nach Einführung eines Produkts mit dessen Fälschung. Beinahe jedes zehnte Unternehmen findet bereits im ersten Monat ein Plagiat der eigenen Produkte auf dem Markt.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) für die 550 Unternehmen und 1.000 Verbraucher in Deutschland befragt wurden.

Viele Unternehmen schützen geistiges Eigentum zu wenig

Dennoch unternehmen viele Firmen zu wenig, um sich wirksam vor dem Diebstahl geistigen Eigentums zu schützen: 13 Prozent der Unternehmen investieren überhaupt nicht in den gezielten Schutz ihres geistigen Eigentums, jedes Vierte nur 10.000 Euro oder weniger jährlich.

Nicht nur bei den Investitionen hapert es: Die gesamte Firmenkultur ist in vielen Betrieben überhaupt nicht auf den Schutz ihres geistigen Eigentums ausgelegt. Jedes fünfte Unternehmen sensibilisiert seine Mitarbeiter zum Thema IP-Schutz gar nicht und nur jedes zweite informiert gezielt und schult seine Belegschaft regelmäßig. Wichtige Abteilungen werden unzureichend oder gar nicht in den Schutz des geistigen Eigentums eingebunden, darunter die IT-Abteilung, die nur von etwa einem Viertel der Unternehmen aktiv einbezogen wird. Dabei ist gerade Datendiebstahl ein bei Kriminellen beliebtes Mittel, um an sensible Firmeninformationen zu kommen – die dann möglicherweise zum illegalen Kopieren der Produkte verwendet werden.

Fälschungen werden meist in China hergestellt

Die größte Gefahr lauert in China: 72 Prozent der betroffenen Unternehmen geben an, dass Fälschungen ihrer Produkte vorwiegend dort hergestellt werden. 39 Prozent hatten es bereits mit Fälschungen aus Südostasien zu tun und 36 Prozent mit Fälschungen aus Osteuropa. Doch gekauft werden die Fälschungen vor der eigenen Haustür: zwei von drei Unternehmen sehen die Europäische Union als Hauptabsatzmarkt der Fälschungsindustrie.

Jeder dritte Verbraucher hat bereits ein Plagiat erworben

Und die Verbraucher greifen bereitwillig zu, obwohl sie sich der Fälschung bewusst sind: Jeder Dritte hat bereits ein Plagiat erworben, jeder Siebte könnte sich vorstellen, künftig eines zu kaufen. Über die Hälfte der Käufer (55 Prozent) wusste bereits beim Kauf, dass es sich um ein Plagiat handelte, 18 Prozent hatten zumindest den Verdacht.

Aber beim Preis wurden die meisten schwach: Für 84 Prozent der Plagiatskäufer war der niedrige Preis ausschlaggebend. Immerhin jeder Fünfte gibt außerdem an, dass der Erwerb von Plagiaten für ihn kein Delikt darstellt. Nur wenn durch ein gefälschtes Produkt die eigene Sicherheit gefährdet würde – etwa wegen gesundheitlicher oder Unfallrisiken – würde sich eine große Mehrheit vom Kauf abhalten lassen.


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