GründungDie Chancen und Risiken als Unternehmer in der Handwerksbranche

Das Handwerk hat Tradition

Das Handwerk ist eine der wohl traditionellsten Branchen und erlebt als solche immer wieder Umbrüche, Anpassungen und Veränderungen. Gerade hier ist die Nähe zum Kunden noch immer entscheidend, sie macht es außerdem möglich, dass Unternehmen schnell und besonders gut auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können. Dazu zählt beispielsweise der demographische Wandel, aber auch der Trend einer immer individuelleren Lebensweise. Daraus ergibt sich, dass Qualität und Wert eines Produktes wieder mehr geschätzt werden – Faktoren wie Nachhaltigkeit, Beständigkeit oder auch ein positives Image des jeweiligen Betriebs werden dementsprechend immer wichtiger und fließen in die Kaufentscheidung mit ein.

Der direkte Kontakt ist hierbei sicherlich ein Pluspunkt, den das Handwerk anderen Branchen voraushat. Zukunftsforscher wie Thomas Huber bescheinigen der Handwerksbranche daher gute Chancen, auch in den kommenden Jahren erfolgreich auf dem Markt zu sein. Neben diesen Chancen sollten die möglichen Risiken jedoch keineswegs vernachlässigt werden.

Die Gewinne im Handwerk bleiben seit Jahren verhältnismäßig konstant - 2014 liegt die Umsatzentwicklung bei 533 Milliarden Euro. Bildquelle: Statista 2016, Statistisches Bundesamt; ZDH

Die Gewinne im Handwerk bleiben seit Jahren verhältnismäßig konstant – 2014 liegt die Umsatzentwicklung bei 533 Milliarden Euro. Bildquelle: Statista 2016, Statistisches Bundesamt; ZDH

Trends im Handwerk wirken sich positiv auf die Branche aus

Laut selbständig.de zeichnete sich in den vergangenen Monaten zunehmend ab, dass mehr und mehr Handwerker den Weg in die Solo-Selbständigkeit wählen. Sie entscheiden sich bewusst dafür, ohne Mitarbeiter tätig zu werden, wie auch eine Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk verdeutlicht. Demnach sollen 42 Prozent der befragten Handwerker soloselbständig sein. Sogenannte Kümmerexistenzen gäbe es diesbezüglich übrigens kaum – darunter sind Betriebe zu verstehen, die langfristig betrachtet nicht genug verdienen, um allein von ihren Erträgen leben zu können und auf Unterstützung angewiesen sind. Stattdessen scheinen die meisten befragten Handwerker durchaus erfolgreich zu sein und müssen nicht am Existenzminimum leben. Handwerksorganisationen befürworten diesen Trend, da er viele kleine Nischen abdeckt.

Chancen im Handwerk für Studienabbrecher

Ebenfalls interessant dürfte für viele Brancheninteressenten ein derzeitiges Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sein. Dieses fördert seit 2015 bundesweite Pilotprojekte zur Entwicklung und Erprobung von Modellen zur Integration von Studienabbrechern. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sagte dazu folgendes:

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Trend: Erfolgreich mit Öko und Bio?

Geht es nach Marketingberater Andreas Gerdau von der Handwerkskammer Köln, so werden auch Öko- und Bioprodukte künftig einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Demnach würden Handwerker, die sich für Bio entscheiden dies meist aus Überzeugung tun und vermitteln ihrer Kundschaft damit automatisch Glaubwürdigkeit und Transparenz. Das Handwerksblatt berichtet diesbezüglich beispielsweise über den Tischler Andreas Böhmer, der zwar noch nicht vollständig von seiner Öko-Kundschaft leben kann, aber dennoch nicht mehr auf die Änderungen im Betrieb verzichten möchte. Er nutzt seitdem alternative Oberflächenbehandlungen, darunter fallen sowohl Naturfarben als auch -öle.
„Die Luft in der Werkstatt ist spürbar besser und mit Naturölen und -wachsen behandelte Möbel und Fußböden haben eine Qualität, an die Chemiefarben nicht herankommen. Im Gespräch bieten wir zuerst an, regionale oder zertifizierte Hölzer zu verwenden. Und weisen auf die Vorteile natürlich behandelter Oberflächen hin.“

Seinen Einzugsbereich konnte Böhmer auf diese Weise vergrößern, wobei der Internetauftritt wie so häufig das wichtigste Kommunikationsmittel darstellt. Interessiert an seinem Angebot sind vor allem Kunden, die Kindermöbel und Fußbodenbeläge in Bio-Qualität suchen, um beispielsweise Lösungsmitteldämpfe zu vermeiden.

Auch im Lebensmittelhandwerk sind Bio und Öko schon lange keine Seltenheit mehr. Bäckereien und andere Betriebe setzen hierbei auf natürliche und unbehandelte Rohstoffe, um sich einerseits von der Masse abzuheben und andererseits durch Qualität zu überzeugen. Damit sprechen sie nicht nur Privatkunden an, sondern beliefern auch Biosupermärkte oder Gastronomiebetriebe. Viele Betriebe sind darüber hinaus auch dazu gezwungen, auf den derzeitigen Nachhaltigkeitstrend zu reagieren, da Kunden heutzutage aufgeklärter und gleichzeitig anspruchsvoller sind, wenn es um Informationen rund um ein Produkt geht.

Risiken in der Handwerksbranche

Trotz dieser Chancen und Möglichkeiten sind die Risiken heutiger Handwerksbetriebe jedoch nicht zu unterschätzen. Viele motivierte Gründer haben diese aufgrund boomender Wirtschaft, sinkender Arbeitslosenzahlen und expandierender Unternehmen kaum mehr im Blick – dennoch sind Überkapazitäten, Umsatzeinbrüche oder schwindende Gewinne nach wie vor ein Thema und sollten einkalkuliert werden. Ein realistischer Blick auf den eigenen Betrieb ist daher in jedem Fall notwendig, um die größten Risiken frühzeitig zu erkennen:

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  1. Mitarbeiterzahl und Betriebsgröße:
    Gerade hier kann unter Umständen ein großes Problempotenzial liegen. Dieses basiert vor allem auf zu hohen Lohn- und Sozialkosten, aber auch unzureichende Qualifikationen und schlechte Motivation der Mitarbeiter sind relevante Risikofaktoren. Sie können dazu führen, dass einerseits Umsatzeinbußen und andererseits Kostensteigerungen entstehen. Eine mögliche Lösung dieses Problems ist es, den Mitarbeiterstamm an die Marktsituation anzupassen. An dieser Stelle mag es zwar unbefriedigend sein, dass einige Mitarbeiter zwangsläufig gehen müssen, andererseits können so jedoch die verbleibenden Arbeitsplätze für die Zukunft gesichert werden.
  2. Interne Prozesse:
    Auch die unzureichende Kommunikation innerhalb des Betriebs kann zu Missverständnissen und daraus resultierenden Problemen führen. Aktuelle-bauzinsen.info bezeichnet die Kommunikation in einem aktuellen Beitrag nicht umsonst als eine der Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts und nennt diesbezüglich einige wichtige Kommunikationsfehler, die immer wieder auftreten: darunter etwa die mangelhafte Informationsweitergabe, das halbherzige Lesen und Zuhören oder die Problematik, dass Entscheider schlichtweg nicht auf den Punkt kommen. Der Artikel beschreibt zudem noch einige weitere typische Fehlerquellen im Management wie beispielsweise eine fehlende Strategie oder einen unpassenden Führungsstil.
  3. Sparen und Investieren:
    Ein guter Handwerker muss nicht zwangsläufig auch ein guter Betriebswirt sein, dementsprechend fehlt es vielen Unternehmern an dieser Stelle an dem nötigen Knowhow. Fälschlicherweise wird so vielleicht am falschen Ende gespart oder andererseits unnötig viel Geld für andere Posten ausgegeben.
  4. Buchhaltung:
    Zwar erleichtert die EDV heutzutage bereits sehr viele bürokratische Prozesse, trotzdem müssen Unternehmer ihre eigene Buchhaltung stets im Blick haben und sollten diese nicht vernachlässigen. Tatsächlich ist ein fehlerhaftes Rechnungswesen einer der Hauptgründe dafür, dass kleine Firmen sich nicht am Markt halten können. Doch selbst bei guten Unternehmenszahlen macht es Sinn, die Buchhaltung im Auge zu behalten – und sei es auch nur, um eine drohende Schieflage rechtzeitig zu erkennen.
  5. Feste Vergütung:
    Inhaber sollten sich von der Vorstellung losreißen, dass sie genauso wie ihre Mitarbeiter Anspruch auf ein festes Gehalt haben. Denn letztendlich steht dem Unternehmer nur das zu, was am Ende des Monats noch übrig bleibt. Wer die Finanzen nicht im Blick hat und über seine Verhältnisse lebt, kann dies schnell zu spüren bekommen. Hinzu kommt, dass viele Einzelunternehmer mit ihrem Privatvermögen unbeschränkt haften – in einer Krise kann dies durchaus fatale Folgen haben.
  6. Verschuldung:
    Läuft das Geschäft gut und stabil, so können Kredite in der Regel problemlos abbezahlt werden. Schwierig wird es erst dann, wenn eine Krise auftritt und die monatlichen Raten plötzlich nicht mehr aufgebracht werden können. Kommen dann womöglich noch weitere Leasingraten hinzu, so ist das eigene Budget schnell erschöpft. Im schlimmsten Fall hat die mangelhafte Liquidität die Verpfändung von Arbeitsgeräten, Maschinen oder Fahrzeugen zur Folge.

Selbständig als Handwerker: lohnt sich das wirklich?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlichte im vergangenen Jahr einen Bericht mit dem vielsagenden Titel „Verdienen Selbständige tatsächlich weniger als Angestellte?“. Basierend auf dieser Annahme wertete der Bericht die Angaben von rund 27.000 Selbständigen und 235.000 Beschäftigten aus und kam laut handwerk.com zu folgenden wichtigen Kernaussagen:

  1. Wer verdient mehr?
    Sowohl als Selbständiger als auch Angestellter gibt es Spitzenverdiener und wiederum andere, die nur mit Mühe über die Runden kommen. Dennoch gibt es einen Trend, nachdem die Angestellten im Schnitt tatsächlich etwas mehr verdienen.
  2. Einkommensunterschied?
    Anhand der erhobenen Daten liegen Angestellte mit mittlerem Einkommen und durchschnittlich verdienende Selbständige etwa gleichauf. Der Stundenlohn fällt bei Selbständigen mit eigenen Mitarbeitern allerdings höher aus (+ 22 %), bei Solounternehmern niedriger (-6 %).
  3. Wovon ist das Unternehmereinkommen abhängig?
    Wesentliche Faktoren sind die Ausbildung, die berufliche Erfahrung und die Persönlichkeit. Zudem haben Chefs gegenüber Solounternehmen einen Vorteil: sie müssen nicht alles selbst machen und können spezialisierte Mitarbeiter einsetzen, wodurch produktiver gearbeitet wird.

 


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