PersonalErgonomie am Arbeitsplatz – 10 Tipps im Überblick

Der Begriff Ergonomie vereint die altgriechischen Wörter ergon – „Arbeit“ – und nomos – „Gesetz“/ „Regel“. Er meint sowohl die Analyse/die Lehre von der Arbeitsplatzgestaltung als auch deren physische und psychische Auswirkung auf die Beschäftigten. Dabei werden also nicht nur die anatomischen Voraussetzungen des menschlichen Organismus, sondern auch dessen geistige Fähigkeiten in den Mittelpunkt gestellt. Für Ergonomie zu sorgen bedeutet demnach, die jeweilige Arbeit sowie die Arbeitsmittel und das -umfeld optimal auf die Belegschaft eines Unternehmens abzustimmen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wiederum erforderlich, sowohl das gesamte Firmenareal als auch jeden einzelnen Arbeitsplatz für sich in vielerlei Hinblick auf Sicherheit und Klima zu prüfen.

Die folgenden Punkte sollten Arbeitgeber und auch -nehmer beherzigen, um sich zu schützen und zu motivieren – zum gegenseitigen Vorteil: Beschäftigte, die sich aufgehoben fühlen, sind besonders leistungsfähig. Letztlich stellt diese Symbiose von Humanität und Wirtschaftlichkeit also sowohl eine spezielle Maßnahme der Mitarbeiterförderung als auch ein entscheidendes Erfolgsrezept für das Unternehmen dar.

Bildquelle: www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/718612/Datei/143833/Gesundheitsreport-2015.pdf

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1. Das Mitarbeitergespräch

Ohne den eigentlichen Arbeitsvertrag zu berühren, können Geschäftsführer selbst oder wenn nötig über Abteilungsleiter Gespräche mit den Mitarbeitern führen, um nach deren Verfassung oder Wohlbefinden zu fragen. Ein lockerer, aber ernst gemeinter Dialog stärkt die gegenseitige Beziehung und lässt darüber hinaus gegebenenfalls Personalprobleme erkennen. Hierbei sollte die Arbeitgeberseite entsprechend geschult sein, um bei etwaigen Krisenthemen sofort oder mittelfristig deeskalierend wirken zu können. In Verbindung mit dem Arbeitsvertrag sollten die Unternehmer versuchen, den Mitarbeitern eine Work-Life-Balance zu ermöglichen: Eine weitgehende Berücksichtigung des Privatlebens kann sich motivierend auf das Arbeitsverhalten der Belegschaft auswirken.

Der ideale Arbeitsplatz im Büro zeichnet sich nicht nur durch bequemes Sitzen, sondern auch die Möglichkeit aus, im Stehen zu arbeiten. Zu diesem Zweck sind verschiedene Tische höhenverstellbar. Bildquelle: © toocapic Pixabay.com – (CC0 1.0)

Der ideale Arbeitsplatz im Büro zeichnet sich nicht nur durch bequemes Sitzen, sondern auch die Möglichkeit aus, im Stehen zu arbeiten. Zu diesem Zweck sind verschiedene Tische höhenverstellbar. Bildquelle: © toocapic Pixabay.com – (CC0 1.0)

2. Abwägung des Führungsstils

Vorgesetzte sollten sich mit den verschiedenen Führungsstilen befassen, um deren spezifische positive und negative Begleiterscheinungen zu erkennen. Sie sollten einschätzen können, welchen Stil sie selbst führen und ob er sich anbietet. Wie poko.de informiert, helfen spezielle Seminare, um das eigene Personal- und Gesundheitsmanagement zu verbessern und über die notwendige Rechtssicherheit zu verfügen. Derartige Fortbildungen berücksichtigen oft auch die vom Führungsstil losgelöste Notwendigkeit, auf Ergonomie zu achten.

3. Arbeitssicherheit

Besonders in der Industrie und im Baugewerbe, doch auch in allen anderen Branchen kommen verschiedene Richtlinien und Verordnungen zur Geltung, auf die beispielsweise das Gewerbeamt, Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen achten. Sie befassen sich im Allgemeinen mit Arbeitssicherheit. Ein wesentlicher Punkt ist dabei der Lärmschutz, da Lärmschwerhörigkeit laut Auskunft des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung trotz zunehmender Prävention immer noch die häufigste Berufskrankheit ist. Arbeitgeber haben demnach dafür zu sorgen, in möglichst lärm- oder auch vibrationsarme Geräte und individuellen Gehörschutz zu investieren oder die Schallpegel regelmäßig zu messen.

4. Entspannende Büroatmosphäre

Ein angemessener Abstand zum nächsten Mitarbeiter und weitgehende Ruhe sind optimal, um vor allem im Büro konzentriert zu arbeiten oder ein Telefonat zu führen. Enge oder fensterlose Arbeitsplätze oder Kabinen wirken kalt und können sich motivationssenkend auf die Mitarbeiter auswirken.

5. Der ergonomische Schreibtisch

Ein optimaler Schreibtisch ist höhenverstellbar. Das ermöglicht, dass die Angestellten zeitweise auch im Stehen arbeiten können und durch geringe Bewegung ihren Rücken entlasten. Im Sitzen Arbeitende sollten dafür sorgen, dass mit leicht gesenktem Kopf auf den Bildschirm schauen, dass sie Arme und Beine ausstrecken können und die Unterarme bis zur Hand eine gerade Linie bilden.

6. Für Bewegung sorgen

Da die Rückenmuskulatur bei Büroangestellten unter Bewegungsmangel leidet und sich längerfristig abbaut, sollten die Beschäftigten sich nicht nur in der Freizeit körperlich betätigen. Auch in den Arbeitspausen empfehlen sich zum Beispiel verschiedene Dehnübungen, mitunter auch Yoga, oder Spaziergänge an, um Skelett und Muskulatur zu bewegen sowie den Stoffwechsel anzuregen. Arbeitgeber können neben Betriebssportangeboten Sitzbälle anbieten bzw. akzeptieren, die sich zum Arbeiten und zugleich zu speziellen Bewegungsübungen eignen. Ansonsten wirkt jeder kleine Gang zum Drucker oder kurz ans Fenster einer möglichen Verspannung oder kurz- bzw. Langzeitschmerzen entgegen. Jeder noch so verstellbare Tisch oder auch Stuhl kann die Notwendigkeit sich zu bewegen, ersetzen. Die milliardenschweren Verluste, welche die Wirtschaft laut diesem Beitrag jährlich durch rückenbedingte Ausfälle verzeichnet, könnten dadurch reduziert werden.

7. Wasser, Obst, Gemüse

Neben der Bewegung stellt die bewusste, relativ fettarme Ernährung eine wichtige Basis für die Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag dar. Viele Firmen haben dies erkannt, bieten gleichermaßen Energie lieferndes und bekömmliches Obst und Gemüse oder Getränke an und bewerben dies oft auch in Stellenausschreibungen.

8. Belichtung und Farbgebung

Auch die Belichtung und Farbgebung des Arbeitsraums wirkt sich mehr oder weniger positiv bzw. negativ auf das Gemüt der Beschäftigten aus. Dunkle Räume belasten die Augen und wirken sich meist negativ auf die Stimmungslage aus. Zimmerpflanzen oder ein Fensterplatz wirken belebend und wirken der Sterilität von Wänden und Lampen entgegen. Welche Wirkung Farben im Detail haben, erklärt diese Seite.
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9. Klimatisierung

Um das optimale Raumklima zu schaffen, müssen Arbeitgeber und -nehmer die Temperatur, die Sonneneinstrahlung, die Luftzirkulation und -feuchtigkeit prüfen. Sauerstoffmangel kann schnell zu Konzentrationsproblemen und Kopfschmerzen führen, Luftzug hingegen zu Nacken- oder Rückenproblemen. Optimal wirkt sich Stoßlüften aus. Klimaanlagen sind sinnvoll, wenn die Mitarbeiter sie am Platz einstellen können und eine regelmäßige Wartung erfolgt.

10. Persönlichkeitsentfaltung

Zur menschengerechten Arbeit zählt nicht nur, dass sie sich für den entsprechenden Beschäftigten kurz- oder langfristig ausführen lässt. Sie sollte zudem zumutbar sein und die individuellen Fähigkeiten unterstützen, sodass sie nicht nur als Pflicht, sondern vielmehr als Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und -entfaltung empfunden wird

Sehen Beschäftigte diese Anforderungen an einen ergonomischen Arbeitsplatz weitgehend als gegeben an, steht einem in doppelter Hinsicht gesunden Betriebsklima wenig im Wege. Dann können sich auch Betriebsausflüge oder -feiern, ein weiteres Mittel der Teambildung, zu attraktiven Unternehmungen entwickeln und die Identifikation jedes Einzelnen mit dem Unternehmen stärken.


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