Unternehmensführung

Unternehmensvision

Definition und Grundlagen

Eine Unternehmensvision ist das Zukunftsbild eines Unternehmens und wird auch als Unternehmensleitbild bezeichnet. Sie bildet ein grundlegendes Instrument der strategischen Führung und Umsetzung. Es geht darum, eine Vorstellung darüber zu entwickeln, wie das Unternehmen in Zukunft aussehen soll. Eine Unternehmensvison ist dabei nichts Nebulöses oder Illusionäres, sondern eine Sammlung von Aussagen, die eine schwierige Balance zwischen scheinbaren Widersprüchen anstreben sollte.

Qualitative wie quantitative Elemente sollten in ihr enthalten sein. Sie muss herausfordernd genug sein, um große Energien freizusetzen, darf aber nicht Ziele postulieren, die von zu vielen Betroffenen als unrealistisch und unerreichbar angesehen werden. Die Visionsentwicklung geht zwar von der Unternehmensspitze aus, sollte jedoch die Mitarbeiter einbeziehen, um Akzeptanz und subjektiven Realismus zu gewährleisten.

Die Unternehmensvision darf niemals losgelöst vom Unternehmen gesehen werden. Eine Vision muss zur Geschichte, zur Kultur, zur Identität des jeweiligen Unternehmens passen. Diese Forderungen verdeutlichen, dass die Entwicklung einer Vision keinem Standardmuster folgen kann, sondern die Eigentümlichkeiten des jeweiligen Unternehmens sorgfältig beachten muss.

Dimensionen einer Unternehmensvision

Eine Unternehmensvision hat zahlreiche Dimensionen, die im folgenden veranschaulicht werden sollen. Nutzen Sie diese Aufzählung als Orientierung für die Entwicklung Ihrer Vision im Unternehmen:

1. Ziel und Richtungscharakter

2. Über den Tag hinaus

  • qualitativ: nicht nur graduelle, sondern gravierende Änderungen
  • zeitlich: genügend weit voraus, typischerweise 5 – 10 Jahre, oft auch länger

3. Zwischen Utopie und Realität

  • Motivation durch ausreichende Herausforderung
  • Glaube, dass gerade noch machbar

4. Kommunikation

  • Voraussetzung für Umsetzung

5. Vorleben durch die Führung

  • Nur dann glaubt die Mannschaft an die Vision

6. Personifikation

  • Idealerweise personifiziert die Führung die Vision

Umsetzung der Unternehmensvision

Wie kommt man zu einer Unternehmensvision? Wie geht man bei Entwicklung und Umsetzung vor? Wer ist dabei einzubeziehen? Auf diese Fragen gibt es keine Standardantworten. Dennoch haben sich gewisse Vorgehensweisen als sinnvoll herausgestellt.

Bei der Visionsentwicklung sollte man einem systematischen, aber nicht starren Prozess folgen. Der notwendige Zeitraum kann dabei zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten liegen. Die Visionsentwicklung beginnt an der Spitze, also top-down. Die Kerninhalte der Vision werden von der Unternehmensspitze vorgegeben und sind nicht Gegenstand einer Abstimmung durch die Mitarbeiter. Jedoch sollte sich die Führung nicht auf die Verkündung einer oben formulierten Vision beschränken. Vielmehr ist es ratsam, im Anschluss an die Top-down-Prozessphase eine Bottom-up-Phase anzuschließen.

Konkret bedeutet dies, dass die zunächst grob formulierten Kerninhalte auf den nachgelagerten Ebenen diskutiert werden. In der Regel geschieht dies in Form von Arbeitsgruppen oder Workshops. Ziel ist dabei, die Akzeptanz zu prüfen, Inhalte kritisch zu hinterfragen und ergänzende Punkte aufzunehmen. Die Wichtigkeit dieses Prozesses wächst mit der Unternehmensgröße.

Oftmals werden die Inhalte der Unternehmensvision, die von der Unternehmensführung vorgegeben werden, von den Leitungen der Geschäftsbereiche oder Untereinheiten nicht uneingeschränkt geteilt und mitgetragen werden. Diskrepanzen können dabei in beide Richtungen gehen. Manchmal halten die nachgeordneten Ebenen die von oben vorgegebenen Ziele für nicht erreichbar. Wir haben aber auch mehrfach in Großkonzernen erlebt, dass die Geschäftsbereiche ehrgeizigere Ziele formulierten als der Konzernvorstand. Wichtig kann auch die Prüfung durch einfache Mitarbeiter sein. Nicht selten werden die an der Spitze angedachten Aussagen als Schönfärberei entlarvt, die fernab der betrieblichen Realität liegt.

Eine große Gefahr besteht darin, dass Visionen zu allgemein und damit unverbindlich formuliert werden. Auch dieser Gefahr lässt sich durch die Einbeziehung der Mitarbeiter in den Visionsprozess vorbeugen.

Quelle: Hermann Simon, Andreas von der Gathen – Das große Handbuch der Strategieinstrumente, ISBN: 3593369931


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