Neue FehlerkulturFührungskräfte sollten Fehler zulassen

Fehler sind menschlich – und sollten gemacht werden. Nur auf diese Weise kann ein kreativer Prozess entstehen, in deren Folge sich ein Unternehmen verbessert und neue Wege gehen kann. Zu diesem Ergebnis kam nicht nur die Studie im Wirtschaftsspiegel, sondern diverse Führungskräfte und kreative Köpfe handeln längst nach diesem Motto. In diesem Kontext sieht auch die Mehrheit der Manager (laut Umfrage immerhin 73%) den Umgang mit Risiken und Fehlern als wichtige Baustelle. So auch der Unternehmer Heinz Patzelt von sportwettentest:

Durch Fehler sammelt man Erfahrungen, die als Basis für Wachstum und Weiterentwicklung nützlich und wichtig sind. Niemand ist perfekt.

Heinz Patzelt

Aber funktioniert dieses Prinzip tatsächlich? Lässt es sich auch in deutschen Unternehmen anwenden, wenn doch Fehler den so hoch gelobten deutschen Tugenden gegenüberstehen? Dieser Artikel befasst sich mit den Vorteilen der neuen Fehlerkultur.

Wirtschaftliche Erfolge entstehen heute hauptsächlich durch Innovationen und Kreativität. Doch um dies zu erreichen, müssen auch Fehler erlaubt sein. Bildquelle: geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Wirtschaftliche Erfolge entstehen heute hauptsächlich durch Innovationen und Kreativität. Doch um dies zu erreichen, müssen auch Fehler erlaubt sein. Bildquelle: geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Neuen kreativen Raum schaffen

Ein Unternehmen möchte erfolgreich sein. Ganz egal, ob es ein Start-up oder ein Betrieb mit langjähriger Erfahrung ist. Dennoch funktionieren traditionelle Methoden nicht zeitlich ungebremst. Ein gutes Beispiel ist das Marketing. War die Werbung früher den Tageszeitungen, dem Radio, Plakatwerbung und später dem TV zugeschrieben, gibt es heute dutzende andere Möglichkeiten. Ein Betrieb, der weiterhin ausschließlich die alte Schiene fährt, wird zwangsläufig überholt. Er ist traditionell – und wird übersehen.

Natürlich kann es geschehen, dass neue Wege mit Stolpersteinen aufwarten. Müssen sie auch, denn welcher Weg ist schon eben, wenn er noch nicht begangen wurde? Ein Pfad wird erst dann zu einer Straße, wenn er häufig genutzt wird. Zu Beginn stolpern viele, treten in Löcher oder fallen über Wurzeln. Doch mit der Zeit? Dieses Wissen sollte unbedingt im Management eines Unternehmens genutzt und eingesetzt werden. Immer nur zu behaupten, dass etwas nicht funktioniert und schief gehen wird, ist der klassische Weg zum Stillstand. Selbstverständlich wird nicht jede Idee zu einem Erfolg, doch wer kann schon im Vorfeld wissen, ob der Plan funktioniert? Selbst Steve Jobs konnte zu Beginn bestenfalls vermuten, dass der iPod oder das iPhone ein Kundenmagnet wird. Das Wissen, dass seine Idee funktioniert, beruhte anfangs maßgeblich auf seinen Glauben an den Erfolg. Das Ende der Geschichte ist bekannt.

In Amerika gibt es längst viele Betriebe, die offen Fehler riskieren, um mehr Erfolg zu erreichen. In Deutschland ist das Wort Fehler bereits ein Tabu und führt in den Vorstandsetagen etliche Betriebe zu regem Kopfschütteln. Doch warum?

Offenheit führt direkt zu:

  • Mehr Kreativität
  • Neuen Kundenkreisen
  • Neuen Geschäftsideen
  • Neuer Präsenz
  • Lockerem Klima

Es ist wesentlich sinnvoller, Fehler zu begehen, aus diesen zu lernen und im nächsten Schritt das Projekt mit dem neu erhaltenen Wissen weiterzuverfolgen, als sogleich zu behaupten, dass es zum Scheitern verurteilt sei. Immerhin: Realistisch betrachtet kann eine Hummel auch nicht fliegen – ihr hat es nur niemand gesagt.

Tipps für Führungskräfte

  • Keine Denkverbote – für mehr Kreativität
  • Fehler zulassen, um daraus zu lernen
  • Den Mitarbeiter Angst vor Fehlern nehmen, für mehr Produktivität

Professionelles Risikomanagement – wie sieht es aus?

Es ist nicht das Kriterium, keine Fehler zu machen, sondern aus den Fehlern zu lernen und mit ihnen umzugehen. Natürlich müssen Unternehmen mutig sein, um die Fehler gleich zu Beginn in das Risikomanagement einzubeziehen. Das erscheint jedoch möglich. Wichtig ist, dass nicht nur der Führungsetage Fehlentscheidungen zugesprochen werden dürfen, auch die Mitarbeiter sollen ihre eigenen Fehler machen. Wird hinterher gemeinsam nach einem besseren Weg gesucht, kommt ein völlig neuer Denk- und Unternehmensprozess in Gang, der zu mehr Erfolg führen kann.

Innerhalb des Risikomanagement sollte jedoch nicht nur Spielraum für Fehler verbleiben, sondern auch Platz für ein lösungsorientiertes Vorgehen.

Die Lösung lässt sich aus folgenden Punkten eruieren: 

  • Was führte zu dem Fehler?
  • Warum kam es zu dem Fehler?
  • Was offenbart der Fehler?
  • Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen?
  • Wie lässt sich die Strategie verbessern?

Lernt ein Management aus den begangenen Misstritten und analysiert die Niederlage, finden sich immer neue Ideen, die auf lange Sicht zum Erfolg führen. Und selbst, wenn ein Projekt nach mehreren Versuchen tatsächlich scheitert, darf es nicht als verloren oder unnütz betrachtet werden. Wichtig ist nur die Denkweise. Denn zeigt sich ein Unternehmen bereit, aus einer absoluten Niederlage zu lernen und sich selbst Fehler einzugestehen, war das Projekt ein Erfolg. Kein finanzieller, doch ein lehrreicher, der offenbart, was beim nächsten Versuch besser laufen muss.

Fehler zulassen – welche Auswirkungen hat das auf die Wirtschaft?

Ein Fehler stellt in einem kreativen Prozess nur die Information dar, dass man den Lösungsweg modifizieren muss. Bildquelle: geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Vor einigen Jahren war es in Deutschland undenkbar, dass Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten, dass es Lounge-Bereiche in einer Abteilung gab, dass Mitarbeiter nicht am Büroschreibtisch, sondern draußen auf dem Firmengelände auf der Wiese arbeiten. Die Freiheiten würden die Produktivität nur mindern und zum Untergang des Unternehmertums führen. Und heute? Mittlerweile werben erfolgreiche und bekannte Unternehmen mit Fitnessräumen direkt im Bürogebäude, Cafés, Kickertischen und Gartenanlagen – zum Arbeiten. Und es funktioniert. In der Tat steigert sich durch die Vorgehensweise die Produktivität, da sich die Mitarbeiter in lockerem Umfeld über Probleme und Projekte austauschen und gemeinsam auf eine Lösung hinarbeiten. Ohne Druck, ohne Stress, ohne feste Konventionen. Da kommt die Lösung auch zwischen Kuchen und Tischkicker.

Eine offene Fehlerkultur könnte dasselbe bewirken. Lassen Unternehmen – beginnend vom Management bis hin zum Azubi – Fehler zu und öffnen sich gegenüber einer neuen Denkweise, wird sich die Wirtschaft verändern. Sie wird intuitiver, offener und letztendlich produktiver.

Allerdings ist gerade in Deutschland ein Umdenken notwendig:

  • Fehler sind menschlich
  • Fehler dienen dem Lernprozess
  • Jeder Fehler ist ein Gewinn
  • Wer Fehler macht, erwirkt etwas
  • Nur wer Fehler wagt, kann etwas erreichen

Fazit: Niemand scheitert durch Fehler, sondern durch die Sichtweise

Es ist die Zeit, in der ein Umdenken stattfinden muss und Misstritte nicht mehr mit Versagen und Nichtkönnen gleichgesetzt werden dürfen. Unternehmen und insbesondere das Management sollten sich umstellen und mehr Toleranz gegenüber neuen Wegen und Möglichkeiten zeigen. Der hieraus entstehende Prozess ebnet den Weg zu neuen kreativen Ideen und Lösungen und stellt nicht selten ein Unternehmen in ein völlig anderes Bild. Das lässt sich wiederum im Marketing nutzen, gerade, wenn die sozialen Netzwerke bedient werden. Stellt sich hier ein Betrieb als unperfekt, menschlich und fehlerbehaftet dar, gewinnt es automatisch an Beliebtheit. Es ist nicht der Fehler, der zum Scheitern führt, es ist der Umgang mit dem Fehler. Oder die Angst, Fehler zu begehen, die jedes Projekt bereits zu Beginn zum Scheitern verurteilt.

Wie George Lucas bereits Meister Yoda in den Mund legte: Tu es oder tu es nicht. Es gibt keinen Versuch.


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