Interkulturelles ManagementDer Business-Knigge für Frankreich

1. Wer Zeit verliert, gewinnt

Das A und O in der Zusammenarbeit mit Franzosen ist der Aufbau einer guten
Beziehungsebene. Das braucht Zeit und muss ständig gepflegt werden.
Französische Geschäftspartner möchten Sie als Person kennenlernen. „Zeit
verlieren, bedeutet Zeit gewinnen“ ist deshalb jederzeit das Motto. Kommt ein
Geschäftspartner zu spät, heißt das keinesfalls, dass er den Termin nicht
wichtig findet – Franzosen haben ein anderes Zeitverständnis als Deutsche.

2. Französischen Smalltalk verstehen

Was für Deutsche oft verwirrend ist, hat für den Franzosen System. Nicht
wundern, wenn der französische Partner in kurzer Zeit viele unterschiedliche
Themen anspricht. Smalltalk ist in Frankreich nicht dasselbe wie in Deutschland.
Viele bunte Themen schaffen Gemeinsamkeiten und eine Basis, auf die man bei
nächster Gelegenheit zurückkommen kann. Deshalb ist es auch sinnvoll, öfter
mit Geschäftspartnern zu telefonieren, um diese Gemeinsamkeiten auszubauen.

3. Handschlag oder Küsschen

Beim persönlichen Kontakt hat der Handschlag in Frankreich eine noch größere
Bedeutung als in Deutschland. Nach einem erfolgreichen Beziehungsaufbau gehen
Franzosen irgendwann vielleicht zum Wangenkuss über, der im geschäftlichen
Alltag allerdings nicht zwischen Männern ausgetauscht wird. Wie oft rechts und
links geküsst wird, ist regional unterschiedlich und selbst den Franzosen
untereinander nicht immer klar. Hier lohnt sich aufmerksames Beobachten oder eine
einfache Nachfrage, die bestimmt gerne beantwortet wird.

4. Austausch auf dem kurzen Dienstweg

Deutsche brauchen Zahlen, Daten, Fakten. Für Franzosen reicht dagegen
sprichwörtlich „der Austausch an der Kaffeemaschine“, um immer über alles
informiert zu sein. Dadurch ist die französische Seite immer über alles
informiert und gibt nur noch die Informationen weiter, die sich nicht aus dem
Kontext erschließen lassen. Vorsicht aber beim Geschäftsessen, denn dort sind
Business-Themen tabu.

5. Der Chef ist Chef – vom Umgang mit Hierarchien

Den weitestgehend flachen Hierarchien in Deutschland stehen steile Hierarchien in
Frankreich gegenüber. Guter Vergleich: das Brandenburger Tor und der Eiffelturm.
Die Autorität des Chefs stellt niemand in Frage, seine Entscheidungen werden
nicht angezweifelt, höchstens unauffällig den realen Gegebenheiten
„angepasst“. Die finale Entscheidung trifft er. Wenn Franzosen bei Meetings
vage bleiben, fehlt oft noch das letzte Ok des Vorgesetzten.

6. Durch die Blume

Deutsche sind bekannt dafür, direkt zu kommunizieren – man weiß, woran man
ist. Für Franzosen hat die indirekte Kommunikation einen viel höheren
Stellenwert. Direkte Absagen sind unüblich. Achten Sie daher beim „Ja“ eines
französischen Geschäftspartners auf Zwischentöne, Mimik und Gestik. Kritik an
einer Sache – ordentlich und höflich verpackt – gilt in Deutschland als
konstruktiv. Franzosen empfinden diese immer auch als Kritik an der eigenen
Person. Deshalb reden sie gerne „um den heißen Brei herum“ – denn keiner
soll sein Gesicht verlieren. Also zwischen den Zeilen lesen und Kritik
frühzeitig wahrnehmen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist!

7. Sprache als Schlüssel

Natürlich sprechen viele Franzosen Englisch oder Deutsch, zeigen dies aber nicht
unbedingt. Gerade in Frankreich sind einige französische Vokabeln – gerne auch
mehr – die Eintrittskarte für gute gemeinsame Geschäfte und helfen dem
Beziehungsaufbau. In der Anrede halten es Franzosen zu Beginn einer
Geschäftsbeziehung ähnlich förmlich wie die Deutschen.

8. Linearität versus Flexibilität

Planvolles Vorgehen ist das Markenzeichen der Deutschen – sie empfinden Stress,
wenn etwas nicht wie vorgesehen verläuft. Franzosen gehen davon aus, dass
jederzeit nicht vorhersehbare Umstände eine Rolle spielen können. Sie sind
entsprechend flexibel und passen vorgegebene Pläne neuen Situationen spontan an
– und das nicht unbedingt nach Rücksprache mit dem deutschen Partner. Diese
Arbeitsweise bringt deutsche Partner oft zur Verzweiflung. Franzosen fühlen sich
im Gegenzug von den Deutschen bevormundet, die immer auf die Einhaltung
vereinbarter Pläne pochen.

Das Lernen der französischen Sprachen sowie das Interesse an Land, Kultur und
Leuten sind sicherlich ein Trumpf für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Franzosen sind Genießer. Warum nicht dem französischen Savoir-vivre nachgehen
und beim Essen mit einem guten Glas Wein die kulturellen Grenzen gemeinsam
überwinden? Und wenn die Beziehungsebene stimmt, kann man auch schwierige
Situationen besser meistern. Santé!


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