ArbeitsmarktDie langfristigen Auswirkungen des demografischen Wandels

Auf einen Blick

  • Im Jahr 2030 könnten in Deutschland über vier Millionen Arbeitskräfte fehlen
  • Nachfrage nach Akademikern und gehobenen Fachkräften nimmt weiter zu
  • Digitalisierung, Renteneintrittsalter, Frauen-Erwerbsquote und Zuwanderung können demografischen Effekt abfedern
  • Österreich und die Schweiz weniger stark betroffen

Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit dem WifOR-Institut in Darmstadt.

Der berechnete nominelle Engpass an Arbeitskräften könnte durch die Effekte der digitalen Transformation halbiert werden. Ein höheres Renteneintrittsalter, eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und mehr Zuwanderung könnten die Auswirkungen des demografischen Wandels zusätzlich abfedern. Gelingt all dies nicht, werden deutsche Unternehmen im Jahr 2030 jede zehnte Arbeitsstelle nicht mehr besetzen können.

Es ist höchste Zeit, dass Unternehmen ihre Personalarbeit als strategische Aufgabe begreifen. Selbst wenn der Engpass an Arbeitskräften durch die Digitalisierung deutlich sinken sollte, werden die Arbeitgeber über alle Branchen hinweg um dieselben Qualifikationen werben: Akademiker, Spezialisten der Informations- und Kommunikationstechnologie und Absolventen der MINT-Studienfächer

Petra Raspels

Vorstand Human Capital bei PwC Deutschland

Beste Chancen für gehobene Fachkräfte und Akademiker

Im Vergleich mit 2008 wird sich bis 2030 die Nachfrage an akademischen und vergleichbar ausgebildeten Fachkräften in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) nahezu verdoppeln (+97%). Ebenfalls beste Berufsaussichten werden Führungskräften im kaufmännischen Bereich (+86%) prognostiziert sowie Betriebswirten (+70%), Naturwissenschaftlern, Mathematikern, Ingenieuren (+69%) und Führungskräften in der Produktion und bei speziellen Dienstleistungen (+66%).

Einen deutlichen Nachfragerückgang werden Berufe mit einem eher niedrigen Qualifikationsprofil erfahren, darunter Hilfsarbeiter, Fahrzeugführer und Bediener mobiler Anlagen. Der Grund: Viele der Tätigkeiten werden durch eine fortschreitende Automatisierung einfacher Tätigkeiten zunehmend von Maschinen übernommen.

Engpass-Szenarien am Arbeitsmarkt nacht Branchen

Konkrete Engpass-Szenarien für 2030 zeigt die Studie in einer Aufteilung nach Branchen. So wird die Automobilindustrie im Jahr 2030 einen Bedarf an 35.000 Mathematikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern haben, gefolgt von 25.000 Metallarbeitern und 21.000 ingenieurtechnischen Fachkräften.

Im Bereich Gesundheitswesen und Pharma werden 2030 rund 290.000 Assistenzkräfte im Gesundheitswesen und 37.000 Arbeitskräfte im Bereich Betreuung benötigt.

Auf 190.000 Mitarbeiter aus lehrenden Berufen wird sich Bedarf des Öffentlichen Sektors belaufen, in dem darüber hinaus 150.000 kaufmännische Fachkräfte und 80.000 juristische, sozialpflegerische und kulturelle Fachkräfte benötigt werden.

120.000 Akademiker aus der IKT werden in der Branche „Technologie, Medien und Telekommunikation“ gesucht, 110.000 ingenieurtechnische Fachkräfte führen in der Branche „Industrielle Produktion“ die Liste der am meisten gesuchten Mitarbeitern im Jahr 2030 an.
Das Angebotspotenzial verringert sich für nahezu alle Branchen

Das Angebot potenzieller Mitarbeiter wird sich bis 2030 in nahezu allen untersuchten Branchen verringern. Im Jahr 2015 konnte der öffentliche Sektor noch auf rund 7,2 Millionen Arbeitskräfte zugreifen, die industrielle Produktion auf rund 6,6 Millionen, der Handel auf rund 5,48 Millionen und die Gesundheits- und Pharma-Branche auf 4,86 Millionen Arbeitskräfte. Das geringste Angebot an Arbeitskräften stand der Energiebranche mit 340.000 Arbeitskräften zur Verfügung. Diese Gewichtung wird sich bis zum Jahr 2030 kaum verändern, allerdings wird sich das Gesamt-Angebot deutlich verringern. Nur in der Branche Technologie/Medien/Telekommunikation ist mit einer Zunahme des Angebotspotenzials an Arbeitskräften von 1,19 Millionen im Jahr 2015 auf 1,29 Millionen (+8,8%) im Jahr 2030 zu rechnen.

Österreich und die Schweiz weniger stark betroffen

Beim Blick auf die demografische Entwicklung in Österreich und in der Schweiz wird deutlich, dass Deutschland im Vergleich vor den größten Herausforderungen steht. In beiden Nachbarländern wird es in den nächsten Jahren zu einem Anstieg des Arbeitskräfte-Angebots kommen. Allerdings vollzieht sich dieser nur in der Schweiz über den gesamten Beobachtungszeitraum bis zum Jahr 2030 hinweg. In Österreich ist etwa ab dem Jahr 2024 ein moderater Angebotsrückgang zu erwarten. Auch beim Durchschnittsalter der Beschäftigten weist Deutschland die höchsten Werte auf: So wird das Durchschnittsalter der deutschen Erwerbstätigen von 42,2 Jahren im Jahr 2015 auf 44,5 Jahre im Jahr 2030 steigen. In Österreich steigt das Alter der Erwerbstätigen von durchschnittlich 40 auf 43,7 Jahre, in der Schweiz von 40,7 auf 42,4 Jahre.


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