InterviewWas haben Schach und Management gemeinsam?

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Marcus König begleitet als facettenreicher Berater und Coach Unternehmen in Veränderungsprozessen. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in verschiedenen Managementpositionen an unterschiedlichen Standorten, in verschiedenen Ländern mit wechselnden Aufgaben und Verantwortungen hat vor allem seinen Umgang mit Menschen geprägt.

Im Gespräch mit Marcus König von mensch.business kamen darüber hinaus allerdings fünf ziemlich greifbare und erschreckend einfache Erkenntnisse zu Tage.

Herr König, was fasziniert Sie am Schach und was kann der Manager aus diesem Spiel noch mitnehmen?

Marcus König: Richten wir den Blick beim Schachspiel auf zwei außergewöhnliche Figuren – Dame und Springer – und damit verbunden außergewöhnliche Fähigkeiten, die im Management gut anwendbar sind. Die Dame versteht es in alle Richtungen zu denken und laufen, kann kurze wie lange Distanzen bewältigen und ist sowohl in der Verteidigung des Königs als auch in der Strategie des Angriffs die entscheidende Figur. Der Springer hingegen denkt und agiert „um die Ecke“. Nicht der gradlinige Weg, sondern der vorbereitete und richtungsändernde Weg ist hier das Überraschungsmoment. Beide Arten sich auf dem Spielfeld zu bewegen sind im Management notwendig: Sowohl sich in alle Richtungen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und über alle Distanzen zu bewegen als auch das um die Ecke denken.

Sie konzentrieren sich in Ihren Beratungen auf die handelnden Personen in Unternehmen, die Menschen. Sind es nur die Dame und der Springer, die das Schachspielen für Managementaufgaben so interessant machen?

Marcus König: Das sind sicherlich zwei hervorhebenswerte Figuren, die in ihren Fähigkeiten sehr viel Managementpotenzial haben. Ich würde beide einstellen, wenn ich eine neue Stelle zu besetzen hätte. Bedeutsam in Bezug auf Managementfähigkeiten gerade im Umgang mit den beteiligten Menschen ist im Schach darüber hinaus aber auch noch die Regel nur einen Zug machen zu können. Danach ist dann der Gegenspieler dran. Ich muss mir also sehr genau überlegen was ich tue. Ich wähle aus einer Vielzahl an Optionen letztlich den einen Zug aus und warte dann auf die Reaktion. Das verlangt viel Demut und Geduld. Wie oft erleben wir aber im geschäftlichen Umfeld eher eine Flut an Aktionen – an Zügen, ohne die Wirkung abzuwarten oder zu erfassen.

Es geht Ihnen dabei aber nicht um Langsamkeit, sondern um Achtsamkeit, oder?

Marcus König: Absolut! Es gilt die Regel „berührt – geführt“. Wenn ich im Schach einen Zug gemacht habe, dann habe ich diesen gemacht und kann ihn erstmal nicht rückgängig machen. Der nächste Zug obliegt meinem Gegenspieler. Ich lebe also mit der Konsequenz und kann dann auf diese wiederum reagieren. Übersetzt in den Geschäftsalltag führt das zu gradlinigen Entscheidungen und Aktionen. Das bedeutet auch sich vom „Hadern“ zu befreien. War das jetzt richtig? Hätte ich nicht lieber…? Nein! Der Zug ist gemacht, nun ist der Andere dran und ich kann dann wieder darauf reagieren.

Das klingt ja nach einer eher einfachen Auslegung des Schachs. Zug – Gegenzug! Und dann beginnt es von vorne. Aber ist nicht Schach eher für die strategische Vorausschau bekannt?

Marcus König: Sehr richtig. Gelegenheitsspieler oder nicht so geübte Spieler führen oft das Spiel in der einfachen Weise von Zug und Gegenzug aus. Profis überblicken weit mehr Züge im Voraus und wägen Optionen gegeneinander ab. Das ist die strategische Komponente, die auf Top-Niveau die Faszination ausmacht. Diese Komponente ist im Management genauso notwendig, um in der oberen Liga mitzuspielen. Die Kombination macht es dabei aus. Die Kombination aus dem Vorausdenken und der Gewissheit den gemachten Zug nicht ungeschehen machen zu können. Das bedingt aber auch die Fähigkeit sich der Situation dann zu stellen. Was nützt mir die Eingebung eine Millisekunde nachdem ich den letzen Zug gemacht habe? Nichts! Ich richte mich nun aber auf die neue Gegebenheit ein und denke wieder voraus.

Das sind ja erstaunlich viele Fähigkeiten, die sowohl im Schach als auch im Management ähnlich sind oder ähnlich gefordert werden. Wie entscheidend ist dabei die Qualität des Spielers / des Managers?

Marcus König: Genau das macht den Unterschied aus! Schauen Sie, die Ausgangsbedingungen sind komplett identisch. Das Feld ist abgegrenzt, die Regeln klar, die Anzahl der Figuren, sowie die Grundaufstellung sind gleich. Der Unterschied beginnt frühestens nach dem ersten Zug. Übertragen auf die Fragestellungen des Geschäftslebens ist das oftmals auch so. Wie oft glauben wir unsere Produkte, unsere Angebote, unsere Strategien sind besser. Gehen wir doch wie beim Schach erstmal davon aus, dass vor dem ersten Zug alles gleich ist und machen dann den ersten Zug.

Gibt es denn auch einen Unterschied? Und haben Sie einen abschließenden Tipp für unsere Leser?

Marcus König: Den gibt es tatsächlich! Im Unterschied zum Schach ist es in der Geschäftswelt notwendig sich mit der Ausgangslage etwas tiefer und deutlich intensiver zu beschäftigen. Wo steht das jeweilige Unternehmen heute? Was sind die Stärken des Produktes, der Einheit etc. Nur wer weiß, wo er sich befindet, findet den richtigen Weg das Ziel zu erreichen. Womit wir beim zweiten, entscheidenden Thema sind. Ich muss mir als Unternehmen ein Ziel stecken. Anders als beim Schach ist das nun mal nicht automatisch vorgegeben. Das Ziel sollte spezifisch, messbar, akzeptiert und realistisch sein, SMART eben. Ein dritter Punkt ist sich auf den Weg vorzubereiten. Ähnlich wie beim Schach sind die Dauer und der Verlauf zu Beginn nicht klar. Je nach Qualität des gegnerischen Spielers kann sich die Partie sehr unterschiedlich gestalten. Im Berufsleben ist das auch so: Es empfiehlt sich immer über Alternativen nachzudenken. Auch die Möglichkeit des Wechsels zwischen Aktion und Reaktion sollten in Betracht gezogen werden.

Vielen Dank Herr König für diesen interessanten Ausflug in die Welt des Schachs bzw. dessen Verbindung zum Management.


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