Personal-RecruitingSo ticken die Nachwuchskräfte von morgen

Bei den Schwerpunkten, die Studenten in puncto Familie und Beruf setzen, sind offenbar immer noch traditionelle Rollenbilder wirksam. So hat die Familie vor allem bei den weiblichen Studenten (77 Prozent) eine sehr hohe Bedeutung. Zwar sagen das auch die meisten Männer, der Anteil ist mit 62 Prozent allerdings deutlich geringer und gleichauf mit dem beruflichen Aufstieg.

Ähnlich ist die Situation bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers: Zwar ist sowohl für männliche (62 Prozent) als auch für weibliche (64 Prozent) Nachwuchskräfte die Jobsicherheit bei der Wahl am wichtigsten. Allerdings folgt bei den Frauen schon auf Platz zwei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (49 Prozent). Unter den Top 5 der Männer taucht dieser Punkt gar nicht auf. Stattdessen setzen sie auf Aufstiegschancen (55 Prozent) und flache Hierarchien/Kollegialität (42 Prozent).

Worauf achten Nachwuchskräfte bei der Auswahl des Studiums

Auch bei der Wahl ihres Studienfaches achten die Studenten vor allem auf Sicherheit: Für 94 Prozent waren gute Berufschancen bei der Studienfachwahl eher wichtig oder sehr wichtig. Aus persönlichem Interesse haben sich 92 Prozent für einen Studiengang entschieden. Gute Verdienstmöglichkeiten und Karriereaussichten spielten für 87 Prozent beziehungsweise 81 Prozent bei der Wahl ihres Studienfaches eine Rolle.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden in deutschen Universitätsstädten rund 3.500 Studenten befragt.

Familie hat bei Frauen offensichtlich noch immer einen deutlich höheren Stellenwert und spielt auch bei der Berufswahl eine wichtige Rolle

Ana-Cristina Grohnert

 Mitglied der Geschäftsführung bei EY

„Familie hat bei Frauen offensichtlich noch immer einen deutlich höheren Stellenwert und spielt auch bei der Berufswahl eine wichtige Rolle“, stellt Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, fest. „Während es Frauen besonders wichtig ist, Familie und Beruf gleichzeitig bewältigen zu können, ist Männern die Familie zwar ebenfalls wichtig – sie konzentrieren sich aber tendenziell stärker auf den Job.

Die klassische Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau scheint also auch unter Studenten noch nachzuwirken. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, um zum einen Frauen, die Karriere machen wollen, bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen, zum anderen aber auch sowohl Männern als auch Frauen die Möglichkeit zu geben, neben dem Beruf genug Zeit mit ihrer Familie zu verbringen.

Denn insbesondere Studentinnen sind weniger bereit, für ihren Beruf im Privatleben Abstriche zu machen. Und Arbeitgeber wären auch nicht gut beraten, sie vor die Wahl zu stellen und sie womöglich als potenzielle Arbeitskräfte von vornherein zu verlieren. Denn es setzt sich immer mehr die Einsicht durch, dass gemischte Teams besser funktionieren und deutlich zum Unternehmenserfolg beitragen.“

Studenten sind mit ihrer Situation zufrieden

86 Prozent der Studenten sind mit ihrer persönlichen Situation zufrieden
Das starke Verlangen nach Sicherheit steht im Kontrast zur derzeitigen Situation der Studenten, die sich kaum besser darstellen könnte:

86 Prozent sind mit ihrer persönlichen Situation zufrieden – ein Drittel sogar sehr zufrieden. Bei der vorherigen Befragung im Jahr 2014 zeigte sich nur ein Fünftel sehr zufrieden. Und eine große Mehrheit von 84 Prozent (2014: 83 Prozent) erwartet, im Anschluss an das Studium zügig einen Job zu finden. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Studenten geht sogar davon aus, dass sich die Aussichten, einen Job zu finden, in den vergangenen Monaten verbessert haben.

Männliche Nachwuchskräfte gehen selbstbewusster ins Berufsleben

Auch bei den Gehaltsvorstellungen der Nachwuchskräfte sind geschlechtsspezifische Unterschiede auszumachen. Während Männer im Durchschnitt ein Einstiegsgehalt von 41.400 Euro im Jahr erwarten, rechnen die Frauen mit einem Einstiegsgehalt von 38.300 Euro.

Vor allem das Medizinstudium scheint einer Jobgarantie gleichzukommen: 99 Prozent gehen davon aus, zügig einen adäquaten Job zu bekommen. Ingenieurwissenschaftler/Informatiker (92 Prozent), Naturwissenschaftler (91 Prozent) und Juristen (90 Prozent) sind ebenfalls sehr optimistisch. Am schlechtesten schätzen Geisteswissenschaftler ihre Chancen ein: Nur 58 Prozent glauben daran, schnell eine gute Stelle zu finden.

Entsprechend fallen auch die Erwartungen an das Einstiegsgehalt unterschiedlich aus: Während Juristen und Mediziner mit 48.300 Euro beziehungsweise 47.700 Euro das höchste Gehalt erwarten, sind die Aussichten der Geisteswissenschaftler mit durchschnittlich 34.300 Euro bescheidener.

Vorbilder: Vater, Mutter und Steve Jobs

Die Rückbesinnung auf die Familie spiegelt sich auch in der Wahl ihrer persönlichen Vorbilder wieder: Ein Viertel der Studenten nennt die Eltern als Vorbilder. Andere Verwandte nehmen für fünf Prozent eine Vorbildfunktion ein. Unter den Top Ten der prominenten Vorbilder dominieren Männer aus der Wirtschaft: 1,7 Prozent der Studenten nennen den inzwischen verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs, 1,6 Prozent Microsoft-Gründer Bill Gates. Angela Merkel landet als einzige Frau und einzige Deutsche mit 1,3 Prozent auf dem vierten Platz.

„Die Lebensentwürfe der Studenten werden immer individueller, die große Karriere ist vielen nicht mehr so wichtig, von der Politik sind viele enttäuscht“, sagt Grohnert. „Da ist es wenig verwunderlich, dass sie sich ihre Vorbilder im eigenen Umfeld suchen. Ihre Mütter und Väter haben schließlich bereits viel geleistet und ihnen ein Studium ermöglicht. Diese Lebensleistung können sie ohne weiteres anerkennen.“

 


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