SteuerrechtSteuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen im Überblick

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Unter einer Abschreibung versteht man die allmähliche Reduzierung des Wertes eines Aktivpostens durch die systematische Absetzung der Kosten über einen längeren Zeitraum. Es kann zwischen vier verschiedenen Arten von Abschreibungen unterschieden werden:

Der durch die Absetzungen bezifferte Werteverzehr verringert das zu versteuernde Einkommen und senkt somit die Steuerlast des betreffenden Unternehmens. Steuerrechtlich ist grundsätzlich nur die lineare Abschreibungsmethode zulässig; lediglich für die Veranlagungszeiträume 2009 und 2010 wurde die geometrisch-degressive Abschreibungsmethode befristet wieder zugelassen, um das Wirtschaftswachstum zu stärken.

Das Einkommensteuergesetz kennt vier unterschiedliche Anwendungsfälle steuerrechtlicher Abschreibung:

  1. Absetzung für Abnutzung (AfA), die planmäßige Abschreibung über die Nutzungsdauer
  2. die Sammel- bzw. Poolabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter im Wert zwischen 150,00 Euro und 1.000,00 Euro netto
  3. Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA): die außerplanmäßige Abschreibung auf Anlagevermögen
  4. Teilwertabschreibung: die außerplanmäßige Abschreibung auf Umlaufvermögen.

Bei der Absetzung für Abnutzung, der planmäßigen Abschreibung über die Nutzungsdauer, wird angenommen, dass der Wertverlust des Wirtschaftsgutes von Periode zu Periode gleich bleibt: Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten werden durch die Anzahl der Perioden der gewöhnlichen Nutzungsdauer geteilt, um den jährlichen Abschreibungsbetrag zu erhalten.Jedes Jahr wird also der gleiche Betrag abgeschrieben. Am Ende der Nutzungsdauer ist das Wirtschaftsgut vollständig abgeschrieben. Die Nutzungsdauer eines bestimmten Wirtschaftsgutes ist in den amtlichen AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums festgelegt.

Sie beträgt beispielsweise für Büromöbel 13 Jahre, d.h. Büromöbel können jährlich mit 1/13 ihrer Anschaffungskosten abgeschrieben werden. Detialliertere Informationen zum Thema Abschreibung von Büromöbel können Sie hier nachlesen.

Ausnahmen von der Regel der planmäßigen Abschreibung über die Nutzungsdauer existieren für Wirtschaftsgüter innerhalb bestimmter Wertgrenzen, sogenannte „geringwertige Wirtschaftsgüter“. Wirtschaftsgüter bis zu einem Wert von 150,00 Euro netto dürfen entweder sofort als Betriebsausgaben abgesetzt werden oder aber regulär über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Die Regelabschreibung nach der Nutzungsdauer für geringwertige Wirtschaftsgüter unter 150,00 Euro Nettowert ist allerdings aufwendig und daher ungebräuchlich. Üblich ist die sofortige Absetzung dieser Wirtschaftsgüter in voller Höhe als Betriebsausgabe. Die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten werden in diesem Fall auf den entsprechenden Konten gebucht und die Wirtschaftsgüter müssen nicht im Anlageverzeichnis erfasst werden.

Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten zwischen 150,01 und 410,00 Euro netto dürfen entweder sofort als Betriebsausgabe abgeschrieben oder gewöhnlich über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Alternativ kann mittels Bildung eines Sammelpostens über fünf Jahre, die sogenannte „Poolabschreibung“, linear abgeschrieben werden. Ein solcher Sammelposten ist im Jahr der Bildung und den vier darauffolgenden Jahren mit jeweils einem Fünftel gewinnmindernd aufzulösen. Für jedes Wirtschaftsjahr ist jeweils ein eigener Sammelposten zu bilden.

Bei einem Wert zwischen 150,01 und 1.000,00 Euro besteht die Wahl zwischen der Poolabschreibung oder der gewöhnlichen linearen Abschreibung über die Nutzungsdauer. Für Wirtschaftsgüter im Wert von über 1.000,00 Euro netto kommt nur die reguläre lineare Abschreibung über die Nutzungsdauer in Betracht.

Wirtschaftsgüter im Wert von über 150,00 Euro netto müssen in jedem Fall, unabhängig von der gewählten Abschreibungsmethode, zu Dokumentationszwecken in einem gesonderten Verzeichnis erfasst werden, das das Finanzamt prüfen kann. Diese Wertgrenzen sind der Netto-Anschaffungspreis; eventuelle Anschaffungsnebenkosten wie z.B. Transport oder Versicherung werden zum Anschaffungspreis hinzugerechnet.

Durch diese planmäßige Abschreibung wird die gewöhnliche Abnutzung eines Wirtschaftsgutes abgebildet. Es kann jedoch auch eine außergewöhnliche Abnutzung eintreten, beispielsweise durch eine branchenabhängige stärkere Belastung oder durch einen Wasser- oder Feuerschaden. In solchen Fällen kann für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens die Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA) genutzt werden, d.h. der jährliche Abschreibungsbetrag ist höher als bei der planmäßigen Absetzung für Abnutzung und die Abschreibungsdauer verkürzt sich entsprechend. Eine solche außergewöhnliche Abnutzung muss dem Finanzamt allerdings glaubhaft dargelegt werden.

Für Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens kommt die Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung nicht in Frage. Hier sieht das Steuerrecht die sogenannte „Teilwertabschreibung“ vor: Bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung auf Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens gewährt das Einkommensteuergesetz ein Wahlrecht zur Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert des Wirtschaftsgutes.


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