LiquiditätssicherungForderungsverkauf zur Verbesserung der Liquidität von Unternehmen

Der Grund: Zahlungsausfälle bedeuten nicht nur einen Mehraufwand in der Buchhaltung, sondern können auch die Zahlungsfähigkeit eines Betriebs negativ beeinflussen. Eine Option, diesem betriebswirtschaftlichen Teufelskreis zu entfliehen, kann der Forderungsverkauf sein.

Großunternehmen setzten neue Prioritäten

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Trotz voller Auftragsbücher müssen Unternehmen oft Insolvenz anmelden. Deshalb sollte die Liquiditätssicherung eine wichtige Rolle spielen. Foto: pixabay.com © geralt (CC0 Public Domain)

Das Thema Gewinnmaximierung ist und bleibt das große Ziel vieler Betriebe. Allerdings reiht sich daneben mittlerweile eine zweite Komponente ein: die eigene Liquidität. Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, einen Vermögenswert schnell und zu seinem Marktwert in Barmittel zu verwandeln. In Zeiten regelmäßiger Firmeninsolvenzen, die trotz voller Auftragsbücher zahlungsunfähig werden, ist die Notwendigkeit eines Umdenkens auch bei Großunternehmen deutlich geworden.

„So steht beispielsweise für ein Großunternehmen wie den Softwarekonzern SAP fest, dass Liquidität ‚höchste Priorität‘ genieße und man sich ganz auf die Reduzierung der eigenen Schuldenlast sowie ein ‚sicheres Polster‘ von 1,5 Milliarden Euro konzentrieren wolle. Und nachdem man immer wieder beobachten konnte, wie Firmen trotz voller Auftragsbücher Insolvenz anmelden mussten, weil ihnen die flüssigen Mittel ausgegangen waren, ist das Thema ‚Liquidität verbessern‘ nun auch in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen angekommen“, heißt es dazu bei SVEA.com.

Wie der Wunsch nach einem für das Unternehmen beruhigend gleichmäßigen Cash Flow und die damit zusammenhängende Forderung nach mehr Liquidität im Betrieb in der Praxis umgesetzt werden kann, wird heute mit dem Fachbegriff der „Forderungszahlung“ überschrieben. Dahinter verbirgt sich in der Praxis auch eine Outsourcing-Methode, die die Liquidität sichern soll.

Das Prinzip „Factoring“ als ein Weg der Liquiditätssteigerung

Das Prinzip „Factoring“ kann bei der Liquiditätssteigerung helfen. Hierbei handelt es sich um den Verkauf von Forderungen, um direkt Zahlungseingänge auch bei erst späterer Forderungsfälligkeit zu realisieren. Beim Factoring gibt es in der Praxis drei Akteure:

  1. Das Unternehmen, das ein Produkt oder eine Leistung an seinen Kunden verkauft und dafür eine Rechnung stellt. Im Prozess des Factorings wird dieses Unternehmen allerdings zum Factoring-Kunden des „Factors“ (siehe Punkt 3), denn er verkauft genau dorthin die Forderung, die er einst mit der Rechnung an den Käufer gerichtet hat.
  2. Der Käufer, der beim Unternehmen (siehe Punkt 1) ein Produkt oder eine Dienstleistung erwirbt, erhält von eben diesem Betrieb Ware. Fällt dieser Kunde aus dem Prozess der Rechnungsbegleichung aus, springt der Factor ein (siehe Punkt 3), um das Geld einzuholen und dem Unternehmen den Wert der Ware zu erstatten.
  3. Der Factor ist das Unternehmen, das sich auf das Forderungsmanagement konzentriert hat. Dabei handelt es sich häufig um eine Bank, die nach dem Forderungsverkauf seitens des Unternehmens (siehe Punkt 1) das Debitorenmanagement mit dem Abnehmer übernimmt.

Die folgende Infografik macht die drei Hauptakteure und ihre Beziehungen deutlich:

Grafik

 

Factoring in der Unternehmenspraxis

Was so einfach klingt, ist für ein Unternehmen zunächst einmal ein großer zusätzlicher Aufwand. Denn zunächst muss erst einmal ein geeigneter Factor gefunden werden. Experten raten: Beim Thema Factoring sollte man sich unbedingt genauestens informieren, denn in der Regel geht es um sehr hohe Beträge. Einen hilfreichen Ratgeber, um sich über das Thema zu informieren und die wichtigsten Anbieter in Deutschland zu vergleichen, stellt uns Kreditrechner.com zur Verfügung.

Mit Blick auf die Vorteile dieser Entwicklung in Unternehmen zeigt sich vor allem eins: Das Prinzip des Factorings sticht seinen Konkurrenten – den Kontokorrentkredit – in der Praxis bei Weitem aus. Auch der Kontokorrentkredit bietet die Option, kurzfristige Engpässe in der Liquidität zu überbrücken. Doch das Factoring-Prinzip setzt noch einen weiteren großen Vorteil obendrauf: Factoring kann (als Fullservice-Angebot) auch als Outsourcing-Methode betrachtet werden,

  • bei der die komplette Debitorenbuchhaltung ausgelagert wird,
  • bei der die offenen Rechnungen weit vor der Rechnungsdeadline beim Kunden als Zahlungseingang verbucht werden und
  • bei der zudem noch das Zahlungsausfallrisiko übernommen wird.
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Das Outsourcing der Buchhaltungstätigkeiten bringt einen langfristigen Vorteil mit sich, weil Rechnungen schneller beglichen werden. Auch können so Arbeitskräfte im Betrieb effektiver eingesetzt werden. Foto: pixabay.com © jackmac34 (CC0 Public Domain)

In der Praxis wird mit dem Versand der Rechnung an den Kunden dieselbe Rechnung an den Factor geschickt. Dieser begleicht die Rechnung. An dieser Stelle endet bereits das Involvement des Unternehmens, denn nun muss der Factor direkt mit dem Unternehmenskunden kommunizieren und das Geld dafür einsammeln, für das er selbst in Vorleistung gegangen ist.

Betriebe, die auf das Factoring-Modell bauen, können auf diese Weise also ihre eigene Liquidität verbessern. Sie erhalten schneller das Geld für verkaufte Waren und Dienstleistungen und können so auch ihrerseits schneller die an sie gestellten Rechnungen begleichen. Die Eigenkapitalquote verbessert sich und es können Skontovorteile genutzt werden. Dem Kunden können günstigere Zahlungsziele gesetzt werden, ohne dass der verkaufende Betrieb selbst darunter leiden müsste. Die andere Seite der Medaille heißt: Das Unternehmen bezahlt den Factor für seine Leistung. In Anbetracht der Tatsache, dass auch beim Unternehmen kosten für Buchhaltungskräfte eingespart werden können, fällt dieser Nachteil jedoch kaum ins Gewicht.


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