PersonalIn diesen Branchen wollen Studenten am liebsten arbeiten

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Ein hohes Gehalt ist für Studenten oft nur ein Faktor unter vielen bei der Jobauswahl. Foto: Depositphoto.com

Die unattraktivsten Branchen für die Studenten sind mit jeweils nur drei Prozent Zustimmung die Transport und Logistik– sowie die Versicherungsbranche – auch 2014 schon landeten sie auf den letzten beiden Plätzen. Am meisten an Attraktivität eingebüßt hat das Gesundheitswesen (einschließlich der Pharmabranche). Nur noch 10 Prozent der Studenten zieht es in diesen Bereich nach 16 Prozent im Jahr 2014.

Insbesondere für Frauen ist der öffentliche Dienst hochattraktiv. Mit 42 Prozent ist er bei weiblichen Studenten der mit Abstand beliebteste Arbeitgeber, gefolgt von Kultureinrichtungen mit 33 Prozent. Männer hingegen zieht es in erster Linie in die Autoindustrie: 30 Prozent bezeichnen sie als besonders attraktiv – eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 2014 (20 Prozent). Der öffentliche Dienst landet mit 23 Prozent auf dem zweiten Platz in der Beliebtheit bei den männlichen Studenten.

Jobsicherheit spielt für Studenten große Rolle

Offenbar erwarten Frauen vom öffentlichen Dienst vor allem Sicherheit und bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – beide Punkte stehen für Frauen an der Spitze der wichtigsten Faktoren bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers. 64 Prozent nennen Jobsicherheit als wichtigsten Faktor, 49 Prozent Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch den Männern ist die Jobsicherheit am wichtigsten (62 Prozent), gefolgt von Aufstiegschancen (55 Prozent).

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden rund 3.500 Studenten in 27 deutschen Universitätsstädten befragt.

Sicherheit ist für die Studenten von heute besonders wichtig – und die erwarten sie vor allem bei ‚Vater Staat‘. Obwohl es der Wirtschaft in Deutschland derzeit sehr gut geht und der Arbeitsmarkt große Chancen bietet, bevorzugen die deutschen Studenten den öffentlichen Dienst als sicheren Hafen, insbesondere wenn noch die Verbeamtung winkt

Ana-Cristina Grohnert

Mitglied der Geschäftsführung bei Ernst & Young

Gerade die hohe Attraktivität des öffentlichen Dienstes für Frauen zeige, dass sie dort die besseren Chancen sehen, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren. Das sei schade, haben doch viele Betriebe der freien Wirtschaft, aber auch der Gesetzgeber, in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das Arbeits- und das Privatleben besser in Einklang zu bringen, so Grohnert. Dazu zählten etwa Elternzeit für Väter und Mütter, Homeoffice mit flexiblen Arbeitszeiten oder bessere Kinderbetreuung.

Für Sicherheit und Work-Life-Balance verzichten Studenten auf hohes Gehalt

Für die Sicherheit eines Arbeitsplatzes und eine gute Work-Life-Balance sind die Studenten offenbar auch bereit, auf viel Gehalt zu verzichten. Als Einstiegsgehalt erwarten die Studenten, die den öffentlichen Dienst besonders attraktiv finden, durchschnittlich „nur“ 36.600 Euro brutto im Jahr. Das sind fast 10.000 Euro weniger als die Erwartungen derjenigen, die in der Autoindustrie arbeiten möchten (45.300 Euro). Im Durchschnitt und über alle Branchen hinweg liegt das erwartete Einstiegsgehalt bei 40.000 Euro.

„Die Betriebe müssen daraus lernen: Wollen sie attraktiv für die gut ausgebildeten Uniabgänger der Zukunft sein, müssen sie ihnen über Karrieremöglichkeiten und ein gutes Einstiegsgehalt hinaus mehr bieten. Ein hohes Gehalt ist für die Studenten nur ein Faktor unter vielen“, sagt Grohnert. „Die Unternehmen müssen sich mit attraktiven Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewissermaßen selbst bei den Studenten bewerben. Die Unternehmen, die bereits entsprechende Angebote haben, sollten diese offensiv in den Vordergrund stellen. Diejenigen, die noch wenig in dem Bereich tun, sollten schleunigst nachbessern, wollen sie im Wettbewerb um Fachkräfte nicht ins Hintertreffen geraten. Auch der Gesetzgeber muss noch nachbessern, denn nach wie vor sind in einigen Regionen Betreuungsplätze für Kinder Mangelware.“

Öffentlicher Dienst in Ost und West beliebt

Ein vergleichender Blick nach Ost und West zeigt, dass der öffentliche Dienst überall in Deutschland gleichermaßen attraktiv ist: Für 32 Prozent der Studenten in den westlichen Bundesländern und für 31 Prozent in den östlichen Bundesländern ist er der attraktivste Arbeitgeber. In vielen anderen Branchen ergeben sich hingegen deutliche Unterschiede: So ist für 25 Prozent der Studenten im Westen die Autoindustrie besonders attraktiv, im Osten nur für zehn Prozent. Dafür sind dort die Kultureinrichtungen bei 28 Prozent der Studenten als Arbeitgeber besonders beliebt. Im Westen landen sie mit 21 Prozent der Nennungen immerhin noch auf dem dritten Platz.

Geisteswissenschaftler wollen zum Staat – Ingenieure in die Autoindustrie

Deutliche Unterschiede bei den Präferenzen gibt es bei den verschiedenen Studiengängen. Vor allem Geisteswissenschaftler (66 Prozent) und Juristen (45 Prozent) zieht es in den öffentlichen Dienst. Für Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure ist er hingegen kaum ein Thema. Stattdessen bevorzugen die Wirtschaftswissenschaftler Banken (36 Prozent) und die Beratungs- und Prüfungsbranche (29 Prozent), während bei Ingenieuren die Autoindustrie (58 Prozent) und die IT- und Softwarebranche (35 Prozent) am beliebtesten sind.

Für die Studenten mit exzellenten Studienleistungen ist der öffentliche Dienst allerdings deutlich weniger attraktiv. Nur 22 Prozent der Top-Performer zieht es dorthin. 30 Prozent wollen lieber in die Autoindustrie, 27 Prozent bevorzugen die Wissenschaft.


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