ZeugnisspracheDas Arbeitszeugnis und seine versteckten Formulierungen

business woman show a businessman to sign a agreement

Damit Arbeitszeugnisse einen Beitrag in der Personalauswahl leisten können, müssen sie objektiv interpretierbar sein. Dies untersuchte eine Studie des Lehrstuhls für Wirtschafts‐ und Sozialpsychologie der Universität Erlangen‐Nürnberggenauer und zeigt gute bis sehr gute Übereinstimmungen der Notenzuweisungen durch verschiedene Beurteiler. Arbeitszeugnisse lassen sich also sehr wohl objektiv interpretieren. Foto: Depositphoto.com

Hannes K. hat gekündigt. Er war in seiner alten Firma immer mehr unter Stress gestanden, hat zunehmend Verantwortung übertragen bekommen und wurde schlecht entlohnt. Die Atmosphäre zu seinen Kollegen verschlechterte sich, weil er unter Dauerstress stand und sein Chef war nur noch am Delegieren. Hannes K. war körperlich und mental am Ende. Er kündigte.

Dennoch: Er hatte Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – sogar bis drei Jahre danach. Als er bei der Personalabteilung nach einem Arbeitszeugnis fragt, kam die Antwort, er solle es vorformulieren. Jetzt erst setzte er sich mit den Formulierungen auseinander. Denn er hatte natürlich ein Ziel: Ein positives Zeugnis zu schreiben. Was steckt nun hinter den Formulierungen?

Ein „sehr gut“ ist hinter folgenden Formulierungen zu finden:

  1. Er erledigte seine Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit.
  2. Er erledigte seine Aufgaben stets selbstständig mit äusserster Sorgfalt und Genauigkeit.
  3. Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war sie stets zuvorkommend, freundlich und korrekt.
  4. Er war im höchsten Maße zuverlässig.
  5. Er verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse.

Ein „gut“ kann man in diesen Formulierungen vorfinden:

  1. Er erfüllte seine Aufgaben stets zur vollen Zufriedenheit.
  2. Er arbeitete stets zuverlässig und äußerst gewissenhaft.
  3. Er erledigte die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit
  4. Er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.
  5. Sein Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war stets einwandfrei.

Ein „befriedigend“ sind in diesen Formulierungen enthalten:

  1. Er erledigte seine Aufgaben zur vollen Zufriedenheit.
  2. Er erledigte die zugeteilte Arbeiten systematisch und zufriedenstellend.
  3. Er zeigte Engagement und Initiative.
  4. Er arbeitete gewissenhaft und zuverlässig.
  5. Er war bei der Arbeit sorgfältig und genau.

Ein „ausreichend“ kann man in diesen Formulierungen finden:

  1. Er erfüllte seine übertragenen Aufgaben zur Zufriedenheit.
  2. Er hat alle Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
  3. Er hat alle übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.
  4. Er hat unseren Erwartungen entsprochen.
  5. Seine Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.

Ein „mangelhaft“ entspricht folgenden Formulierungen:

  1. Er erledigte seine Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.
  2. Er hat alle Aufgaben allgemein mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
  3. Er war immer mit Interesse bei der Sache.
  4. Er hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.
  5. Er hat unserem Unternehmen großes Interesse entgegengebracht.

Neben diesen Formulierung, die die Leistung bewerten, gibt es noch weitere Formulierungen, die einen Geheimcode enthalten. Wir haben Sie für Sie entschlüsselt:

  1. Möchte man ausdrücken, dass jemand frech ist und weiß nicht, was sich gehört, schreibt man Folgendes: „Sie zeigte eine erfrischende Art im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten“.
  2. Ist jemand arrogant und überheblich, kann man folgende Formulierung verwenden: „Er verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen“.
  3. Ist jemand zwar tüchtig, aber nicht erfolgreich, ist Folgendes denkbar: „Alle Arbeiten erledigte er mit großem Fleiß und Interesse“.
  4. Wenn jemand gerne Alkohol trinkt: „Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“
  5. Wenn jemandem gekündigt wird: „Er verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen“.
  6. Folgende Formulierung sollte gewählt werden, wenn man es nicht bedauert, dass ein Beschäftigter weg geht: „Er verlässt uns auf eigenen Wunsch“.
  7. Beim Abschluss-Satz des Arbeitszeugnis können Personaler die Arbeit nochmal schlecht bewerten durch folgenden Satz: „Wir wünschen Ihm für die Zukunft alles Gute, auch Erfolg.“

 


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