Firmeninsolvenzen in Deutschland sinken auf den niedrigsten Stand seit 1999
Liquidität

Firmeninsolvenzen in Deutschland sinken auf den niedrigsten Stand seit 1999

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Die Firmeninsolvenzen in Deutschland gehen weiter zurück. Im 1. Halbjahr 2016 verringerte sich die Zahl der Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,9 Prozent auf 11.035 Fälle. Auf Jahressicht werden bis zu 22.000 Unternehmensinsolvenzen erwartet. Dieser Wert wäre der niedrigste Stand bei den Firmenpleiten seit 1999.

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2016 werden die Insolvenzen das siebte Mal in Folge zurückgehen. Vergleicht man das Krisenjahr 2009 mit dem Jahr 2016, beträgt der Rückgang knapp 35 Prozent. Foto: Depositphoto.com

Ausschlaggebend für den erneuten Rückgang ist die weiterhin positive konjunkturelle Lage in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Hinzu kommen die günstigen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen sowie eine gute Infrastruktur und die Qualifikation der Arbeitskräfte. Die positive Entwicklung der letzten Jahre hat auch dafür gesorgt, dass viele Firmen ihr Eigenkapital erhöhen konnten und dadurch resistenter gegen kleinere Unternehmenskrisen geworden sind.

Trotz dieser positiven Lage für die Unternehmen erwartet Bürgel im kommenden Jahr kein weiteres Absinken der Insolvenzen.

2017 gehen wir von stagnierenden Firmeninsolvenzzahlen aus. Im 1. Halbjahr lagen die durch Insolvenzen verursachten Schäden bei circa 16,5 Milliarden Euro und damit rund doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Steigende Schäden bei gleichzeitig sinkenden Zahlen sind ein Indikator für das Auftreten von Insolvenzen großer Unternehmen

Klaus-Jürgen Baum

Bürgel Geschäftsführer

Dies vergrößert die Gefahr von Anschlussinsolvenzen und Dominoeffekten, wenn zum Beispiel Lieferanten oder Kunden der betroffenen Unternehmen mit in den Insolvenzstrudel gerissen werden. Die durchschnittliche Summe der Schäden belief sich von Januar bis Juni auf knapp 1,5 Millionen Euro pro Firmeninsolvenz.

Tiefstand bei Firmeninsolvenzen

Für stagnierende Zahlen im Jahr 2017 spricht aber auch die Entwicklung bei den Firmeninsolvenzen der letzten Jahre. 2016 werden die Insolvenzen das siebte Mal in Folge zurückgehen. Vergleicht man das Krisenjahr 2009 mit dem Jahr 2016, beträgt der Rückgang knapp 35 Prozent. Bei nur noch 22.000 Firmeninsolvenzen im Jahr 2016 ist ein Tiefstand erreicht, der kaum noch unterboten werden kann.

Regional ist die Zahl der Insolvenzen unterschiedlich ausgeprägt. Bezogen auf die Insolvenzdichte (Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen) steht Bremen im 1. Halbjahr mit 54 Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen an der Spitze. Damit liegt der Stadtstaat deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 34 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen. Deutlich mehr Insolvenzen als im Schnitt gab es auch in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen (52), Hamburg (51) und Saarland (50). Deutlich entspannter ist die Situation in Baden-Württemberg, wo nur 18 von 10.000 Unternehmen eine Insolvenz anmelden mussten.

Sachsen – die meisten Firmeninsolvenzen

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schneidet Sachsen mit einem Anstieg von 23,2 Prozent bundesweit am schlechtesten ab. Auch das Saarland (plus 19 Prozent) sowie die Länder Brandenburg (plus 3,9 Prozent), Niedersachsen (plus 2,2 Prozent), Sachsen-Anhalt (plus 1,8 Prozent) und Hamburg (plus 1,1 Prozent) melden mehr Firmeninsolvenzen als noch vor einem Jahr. Deutlich entspannt hat sich die Situation in Rheinland-Pfalz (minus 17 Prozent).
Weiter erhöht hat sich der Anteil der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) am Insolvenzgeschehen. Im 1. Halbjahr waren knapp 10 Prozent (1.100) der Unternehmen als UG gemeldet. Der größte Anteil am Insolvenzgeschehen in Deutschland entfällt im 1. Halbjahr 2016 auf Gewerbebetriebe und Einzelunternehmen (41,3 Prozent).

Die Analyse der Branchen zeigt, dass Unternehmen aus dem Bereich „Handel“ mit knapp 18 Prozent (1.985 Fälle) den größten Anteil am Insolvenzgeschehen in Deutschland haben. Es folgen die Branchen Baugewerbe (Anteil am Insolvenzgeschehen: 17 Prozent; 1.878 Fälle), freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (11,1 Prozent; 1.230 Fälle) und Gastgewerbe (10,9 Prozent; 1.200 Fälle).

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