FinanzenWas ist ein Gemeinschaftskonto und für wen ist es empfehlenswert?

Kontoführungsgebühren sparen mit dem Gemeinschaftskonto im privaten und im geschäftlichen Bereich

Zahlungsverkehrsfragen

Auch beim Gemeinschaftskonto hat jeder der Kontoinhaber seine eigene Bankkarte. Foto: pixabay.com

Eine Definition zum Begriff Gemeinschaftskonto ist online in unserem Wirtschaftslexikon zu finden. Im privaten Bereich ist es oft so, dass ein Paar jeder für sich ein Konto unterhält. Dabei fallen für jedes Konto separat Kontoführungsgebühren an. Eröffnet das Paar ein Gemeinschaftskonto, kann es die Kontoführungsgebühr für ein Konto einsparen.

Im geschäftlichen Bereich sieht das ähnlich aus. Besteht die Geschäftsführung aus mehreren Personen, beispielsweise in einer Gemeinschaftspraxis oder einer Rechtsanwaltskanzlei mit mehreren Partnern, ist es unter Umständen ratsam, für das Unternehmen ein gemeinschaftliches Konto für die gemeinsamen Aufwendungen zu eröffnen. Damit sparen sich die einzelnen Partner die jeweiligen Kontoführungsgebühren. Bei welcher Bank welche Kosten in welcher Höhe anfallen, zeigt sich im Gemeinschaftskonto Vergleich. Hier sind übersichtlich die Kosten und Konditionen verschiedener Banken gegenübergestellt.

Generell müssen sich die Inhaber eines Gemeinschaftskontos vertrauen und sich über die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen im Klaren sein. Denn es gibt einige Konsequenzen, die jeder bedenken sollte, der ein Gemeinschaftskonto in Betracht zieht. Die folgenden Ausführungen erläutern die wichtigsten Eckpunkte.

Anwesenheitspflicht bei Eröffnung und Schließung eines Gemeinschaftskontos

Um ein Gemeinschaftskonto zu eröffnen, müssen alle künftigen Kontoinhaber anwesend sein. Das gilt auch bei der Schließung des Kontos. Die Rechte und Pflichten gelten für alle Kontoinhaber gleichermaßen. Jeder haftet vollumfänglich für das Konto, jeder darf das Konto überziehen und uneingeschränkt Transaktionen abwickeln. Bei den folgenden Personengruppen ist ein Gemeinschaftskonto weit verbreitet:

  • Ehepaare oder Lebensgemeinschaften
  • Geschwister
  • BGB-Gesellschaft
  • Wohngemeinschaften für Miete und gemeinschaftliche Kosten
  • Kanzleien oder freiberufliche Unternehmen, die mehrere Partner haben
  • Erben- und Eigentümergemeinschaften

Unterschied Und-Konto und Oder-Konto

Die Bezeichnungen Und-Konto und Oder-Konto weisen auf einen gravierenden Unterschied zwischen den beiden Kontenarten hin. Beim Oder-Konto gibt es mindestens zwei Kontoinhaber, von denen jeder für sich alleine verfügungsberechtigt ist. Jeder kann

  • für sich alleine Zahlungen vornehmen,
  • Vollmachten erteilen und
  • über das Konto verfügen.

Außerdem darf jeder für sich Willenserklärungen abgeben, die das Konto betreffen, und zwar ohne die Zustimmung des anderen Kontoinhabers. Dieses Konto setzt ein großes Vertrauen zwischen den Kontoinhabern voraus. Es ist häufig bei Ehepaaren oder Lebensgemeinschaften anzutreffen. Der Artikel „Ein Paar, ein Konto?“ beantwortet einige gängige Fragen zum Gemeinschaftskonto.

Im Gegensatz zum Oder-Konto müssen beim Und-Konto die Kontoinhaber bei jeder Transaktion zustimmen. Für Vereine oder treuhänderische Konten mag das sinnvoll sein, im privaten und unternehmerischen Alltag jedoch ist ein Und-Konto völlig ungeeignet. Denn für jede Transaktion müssen alle Kontoinhaber anwesend sein und zum Beispiel gemeinsam eine Überweisung veranlassen. Kontokarten zum Geld abheben gibt es nicht, bargeldlos bezahlen fällt damit ebenfalls flach.

Das Oder-Konto macht das Geschäftsleben flexibel

Wer als Geschäftspartner ein Gemeinschaftskonto einrichtet, sollte aus genannten Gründen ein Oder-Konto wählen. Im Geschäftsleben müssen Rechnungen bezahlt oder Bargeldbeträge für die Kasse abgehoben werden. Mit einem Oder-Konto ist all das möglich. Ein Und-Konto hingegen lässt die genannten Geschäfte nur zu, wenn die Kontoinhaber gemeinsam zum Bankschalter gehen und sie dort gemeinsam veranlassen. Im Geschäftsalltag praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Und was passiert im Todesfall?

Im Fall eines Oder-Kontos können die hinterbliebenen Kontoinhaber in vollem Umfang über das Konto verfügen. Dazu ist kein Testament erforderlich. Etwaige Erben nehmen den Platz des Verstorbenen ein. Sie haben die Möglichkeit, einzelne Verfügungen des oder der hinterbliebenen Kontoinhaber zu widerrufen. Im Fall eines solchen Widerrufs bedarf es bei künftigen Verfügungen immer der Zustimmung. Widerrufen gleich mehrere Erben eine Einzelverfügungsberechtigung, so sind für sie nur noch gemeinschaftliche Verfügungen möglich, so wie bei einem Und-Konto. In weiterführenden Rechtstipps steht, was beim Gemeinschaftskonto im Erbfall zu beachten ist.

Fazit

Im privaten und geschäftlichen Bereich ist die Eröffnung eines Gemeinschaftskontos mit Oder-Funktion regelmäßig von Vorteil. Die Kontoinhaber können Kontoführungsgebühren einsparen und sämtliche Transaktionen übersichtlich über ein gemeinsames Konto steuern. Wer ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem (Geschäfts-) Partner pflegt, ist mit dem Gemeinschaftskonto als Oder-Konto privat und geschäftlich gut aufgestellt. Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Gemeinschaftskonto als Oder-Konto zu eröffnen, sollte sich umfassend vorher informieren. Denn es gibt eine Reihe von rechtlichen Konsequenzen, die damit einhergehen, wie diese rechtlich fundierte Mandanteninformation einer Rechtsanwaltskanzlei darlegt. Und nur, wer die Konsequenzen überblickt und aufgeklärt ist, kann die Tragweite seiner Entscheidung einschätzen und guten Gewissens ein Gemeinschaftskonto eröffnen.


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