PersonalWas tun bei einem Arbeitsunfall?

 Mann sitzt mit Halskrause und Arm in einer Schlinge an seinem Arbeitsplatz

Unfälle am Arbeitsplatz. Bildquelle: RTimages – 88500481 / Shutterstock.com

Auch wenn alle gesetzlich vorgeschriebenen und betrieblichen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, kann es immer mal wieder zu Arbeits- bzw. Betriebsunfällen kommen. In einem solchen Fall haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewisse Pflichten, aber auch Ansprüche, die erfüllt werden müssen, um den Versicherungsschutz und eine ausreichenden Verletzten- und Krankenversorgung zu garantieren.

Krankenzusatzversicherung ermöglicht dem Patienten mehr Freiheiten
Zur Regelversorgung können sich auch Arbeitnehmer noch zusätzlich versichern. Das gilt sowohl für Privatversicherte als auch Versicherte bei einer gesetzlichen Krankenkasse. Das ist durchaus praktisch. Ohne Krankenzusatzversicherung hat man auch nur einen Anspruch auf das nächstgelegene geeignete Vertragskrankenhaus der Krankenkasse. Geht der Patient in ein anderes Krankenhaus, muss er die Mehrkosten zahlen.

Infografik: Wer benötigt eine Krankenzusatzversicherung? Und Umfrage ab ein solcher Zusatz sinnvoll ist.

Infografik: Wer mit dem Gedanken spielt, eine Krankenzusatzversicherung abzuschließen, sollte sich zuvor einige Fragen stellen. Ein solcher Zusatz bietet sicherlich viele Vorteile, aber ist auch mit Mehrkosten verbunden. Infografikquelle: Eigene Darstellung.

Was gilt als Arbeitsunfall?

Was unter den Begriff „Arbeitsunfall“ oder „Betriebsunfall“ fällt, kann im Sozialgesetzbuch nachgelesen werden. Nach § 8 SGB VII liegt ein Betriebsunfall vor, wenn sich ein Arbeitnehmer während einer Tätigkeit verletzt, die in direkter Korrelation mit der Arbeit steht. Hierbei handelt es sich um:

  1. Tod
  2. psychische Gesundheitsschäden
  3. körperliche Gesundheitsschäden
  4. Beschädigung oder Verlust eines Hilfsmittels (z.B. einer Brille)

Versicherungsschutz bei Wegeunfällen

Auch der Weg zum Arbeitsplatz ist in den Versicherungsschutz mit eingebunden. Das gilt auch für bestimmten notwendige Umwege: zum Beispiel, wenn Eltern ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit bei Kita oder der Schule absetzen müssen. Selbiges gilt auch bei Hilfeleistung bei einem Unfall, der Tätigkeit bei einem Ehrenamt und sogar wenn ein direkter Angehöriger in seinem Wohnhaus gepflegt werden muss. Kinder sind ebenfalls beim Besuch der Kita oder Schule unfallversichert. Sollte es sich dagegen um einen unnötigen Umweg handeln, z.B. zum Geldautomaten, fällt der Unfallversicherungsschutz weg.

Wo muss man sich nach dem Arbeitsunfall melden?

Alle Arbeitsunfälle müssen am besten unverzüglich mit einem entsprechenden Formblatt der Berufsgenossenschaft gemeldet werden. Danach untersuchen die gesetzlichen Unfallversicherungsträger, ob es sich tatsächlich um einen Arbeitsunfall handelt.

Verfahrensweise bei einem Arbeitsunfall

Das Verfahren, damit der verletzte Arbeitnehmer seine Ansprüche geltend machen und der Versicherungsträger feststellen kann, ob tatsächlich ein Arbeitsunfall vorliegt, siegt wie folgt aus:

Durchgangsarzt: Der Durchgangsarzt ist ein Spezialist für Unfallverletzungen. Er bestimmt, welche Behandlung die Verletzung erfordert und spricht dementsprechend eine Empfehlung für einen Facharzt aus, der diese durchführen soll. Der Versicherte ist aber nicht gezwungen, dem Ratschlag Folge zu leisten, sondern besitzt das Recht auf freie Arztwahl. Das bedeutet, dass er weiterhin Anspruch auf die Versicherung hat, auch wenn er sich für einen anderen Arzt entscheidet.

Hinweis: Wenn die Verletzung des Versicherten eine spezifische Klinik- oder Praxisausstattung bzw. eine spezielle Behandlung erfordert, ist das Recht auf freie Arztwahl natürlich etwas eingeschränkt.

Meldung des Unfalls: Sollte der Arbeitnehmer aufgrund des Unfalls länger als drei Tage der Arbeit fernbleiben, muss der Arbeitgeber den Unfall der zuständigen Unfallkasse oder Berufsgenossenschaft mitteilen.

Gutachten: Nachdem der Unfall gemeldet wurde, überprüft der zuständige Versicherungsträger, ob es sich tatsächlich um einen Arbeitsunfall handelt. Dazu kann auch der verletzte Arbeitnehmer selbst, sein Arbeitgeber und auch andere Zeugen des Unfalls befragt werden. Darüber hinaus wird die Krankenvorgeschichte des Verletzten untersucht, um festzustellen, ob die Verletzung oder die Krankheit ein direktes Resultat des Unfalls ist oder durch andere Faktoren hervorgerufen wurde.

Hinweis: Der Versicherungsträger muss für das Gutachten externe Fachärzte zu Rate ziehen. Der Versicherte muss zwischen drei Gutachtern wählen können. Er kann sogar selbst einen Arzt als Gutachter anbieten, die der Versicherungsträger aber wiederum ablehnen kann.

Entscheidung: Am Ende des Verfahrens trifft der Versicherungsträger eine Entscheidung über den vorliegenden Fall, die dem Versicherten per Post mitgeteilt wird. Dieser kann Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen. Wird dieser Widerspruch abgelehnt, bleibt dem Versicherten noch die Klage beim Sozialgericht.

Wer zahlt bei einem Arbeitsunfall die Lohnfortzahlung und das Krankengeld?

Sollte der Unfall als Arbeitsunfall anerkannt werden, hat der Versicherte innerhalb bestimmter Zeiträume Anspruch auf unterschiedliche Gelder.

Zeitraum

Zahlung

in den ersten sechs Wochen Lohnfortzahlung: voller Lohn, der sich aus dem Durchschnitt der letzten Wochen vor dem Unfall ergibt (der Anspruch besteht nur, wenn der Arbeitnehmer vier Wochen ununterbrochen beim Arbeitgeber angestellt war)
nach sechs Wochen Verletztengeld: unterscheidet sich grundsätzlich nicht von Krankengeld bei länger andauernden Krankheiten

  • beträgt 80 Prozent des Bruttogehalts
  • Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträge werden weiterhin abgezogen
  • das Geld kommt zwar von der Berufsgenossenschaft, als Vertreter zahlt es aber die Krankenkasse aus
  • Berufsgenossenschaft übernimmt auch Rehabilitationsmaßnahmen und dafür notwendige Hilfsmittel spezielle Schuhe, ein spezielles Auto, Rollstuhl, Krücken oder eine Neugestaltung der Wohnung bzw. des Arbeitsplatzes, falls dies notwendig ist
nach 26 Wochen Sollte über diesen Zeitraum hinaus die Erwerbsfälligkeit des Versicherten um 20 Prozent gemindert sein, fällt das Verletztengeld weg und die Berufsgenossenschaft zahlt eine Verletztenrente

Tabelle: Sobald ein Unfall als Arbeitsunfall anerkannt wird, hat der Arbeitnehmer in den dargestellten Zeiträumen Anspruch auf Lohnfortzahlung, Verletztengeld und bei dauerhafter Schädigung, welche die Erwerbsfähigkeit einschränkt, auf Verletztenrente.

Hinweis: Schadensersatz oder Schmerzensgeld kann man von der Berufsgenossenschaft nicht einfordern. Selbst bei einer Schadensersatzklage gegen den Arbeitgeber oder einen Mitarbeiter, der den Unfall verursacht hat, muss grobe Fahrlässigkeit vorliegen.

Unfallversicherung für Freiberufler

Bis ein paar Ausnahmen sind Freiberufler oder Selbstständige nicht gezwungen, sich gegen Unfälle abzusichern, können dies aber freiwillig bei der zuständigen Berufsgenossenschaft tun. Sollte der Freiberufler sich nicht freiwillig versichern, kann er bei einem Unfall aber auch Gelder von der Krankenkasse bekommen, aber selbst hier kommt es darauf an, wie man sich versichert hat und welche Tarife vereinbart wurden.

Anmeldung Berufsgenossenschaften

Berufsgenossenschaften sind die Träger der Unfallversicherungen. Die meisten Unternehmer müssen sich bei der für den Unternehmer und dessen Branche zuständigen Berufsgenossenschaften anmelden. Folgende stehen zur Verfügung:

  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
  • Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft
  • Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU)
  • Berufsgenossenschaft Nahrung und Gaststätten
  • Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft
  • Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)
  • Hütten- und Walzwerks-Berufsgenossenschaft
  • Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd
  • Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG ETEM)
  • Holz Berufsgenossenschaft
  • Fleischerei Berufsgenossenschaft
  • Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution
  • Verwaltungsberufsgenossenschaft

Unternehmer zahlen ihre Beiträge jährlich, um die gesetzliche Unfallversicherung zu finanzieren. Je nach Wirtschaftszweig gehören Unternehmen verschiedenen Gefahrenklassen an, die wiederum durch die Schwere und Anzahl der Betriebsunfälle in diesem Bereich bestimmt wird. Die Gefahrenklasse und die Löhne der Versicherten Arbeitnehmer bestimmen auch die Höhe der jährlichen Beiträge.


Auch auf Onpulson

Mehr zum Thema

,

0Kommentare

Es wurde bisher noch kein Kommentar verfasst. Starten Sie die Diskussion!