Städte mit Zukunft

Start-ups: Die Zukunft liegt in den Schwarmstädten

Schwarmstädte als Vorreiter des neuen Urbanisierungstrends

Berlin

Insbesondere die jungen Leute zieht es wieder weg vom Land und in die größeren Städte wie Berlin. Sie werden auch als Schwarmstädte bezeichnet. Foto: Flickr Berlin Jörg Schubert CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Was genau ist eine Schwarmstadt? Im Kern geht es dabei um das Herdenverhalten, das immer mehr junge Menschen in bestimmte Städte zieht. Berlin ist so eine begehrte Schwarmstadt, die seit einiger Zeit unter anderem mit dem Slogan „Kommen Sie mit Ihren Kindern nach Berlin. Die sind später sowieso hier“ für sich wirbt.

Das spiegelt den Trend zur Urbanisierung wieder: Besonders die 20- bis 35-Jährigen zieht es wieder weg vom Land und in die größeren Städte. Das ist insofern bemerkenswert, als dass in dieser Altersgruppe vor kurzer Zeit noch das Landleben besonders hoch im Kurs stand. Die Orte, an denen sich diese Bevölkerungsschicht jetzt wieder verstärkt, also quasi im Schwarm sammelt, nennt man Schwarmstädte.

Verantwortlich für die aktuelle Entwicklung ist vor allem der demografische Wandel, der mit dem „Pillenknick“ der 1970er-Jahre seinen Anfang nahm. Die jüngeren Generationen sind heutzutage im Vergleich zur Restbevölkerung eher mitgliedsschwach. Deshalb verlegen sie ihren Lebensmittelpunkt an Orte, an denen viele Altersgenossen zu finden sind: Gleich und gleich gesellt sich nun mal gern. Das legen zumindest die Ergebnisse einer Studie nahe, die im Auftrag des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen durchgeführt wurde.

Der Schwarm als Trendsetter

Wie wird eine Stadt zur Schwarmstadt? Einer der wichtigsten Faktoren ist tatsächlich eine hohe Zahl an gleichaltrigen, jungen Bewohnern. Gute Clubs, Kneipen, Bioläden und Ähnliches sind zwar ein Plus, ziehen aber eher dem Schwarm hinterher als umgekehrt. Sind sie erst einmal da, verbessern sie den Lebensstandard der Zielgruppe, machen die Stadt nochmals attraktiver und verstärken so den Trend. Zusätzliche Anziehungskraft entfalten Städte, die mit interessanten zukunftsorientierten Konzepten zur Stadtentwicklung in den Bereichen Ökologie und Vernetzung punkten können – Bereiche, die für junge Menschen aktuell besonders relevant sind – ähnlich wie Internationalität.

Die Verfügbarkeit von (Weiter-)Bildungsmöglichkeiten und gute Arbeitsmarktperspektiven sind weitere Faktoren. Zwar ist es heutzutage nicht mehr ungewöhnlich, zum Beispiel in Berlin zu leben und täglich nach Wolfsburg zur Arbeit zu pendeln, doch viele Arbeitnehmer ziehen nach wie vor einen Arbeitsplatz in der Nähe des Wohnorts vor – schließlich bedeutet das mehr Freizeit und somit mehr Lebensqualität.

Auch deshalb sind Schwarmstädte als Standort für Start-ups interessant: der Pool an jungen, qualifizierten und motivierten Mitarbeitern ist ungleich größer als andernorts. Zudem bestehen dort bessere Möglichkeiten, sich mit anderen jungen Unternehmen gewinnbringend zu vernetzen. Auch hier taugt die Bundeshauptstadt als Vorzeigeobjekt: Die dortige Start-up-Szene blüht und bietet somit Arbeitsplätze und Raum für geschäftliche Kooperationen.

Klein(er) aber fein

Der Standort muss aber gar nicht Berlin, München oder Hamburg heißen, um als Schwarmstadt für Start-ups attraktiv zu sein. Auch einige mittelgroße Städte erfreuen sich unter den 20- bis 35-Jährigen großer Beliebtheit und bieten eine Start-up-Szene. In Münster, Freiburg oder Regensburg geht es im Vergleich zu den großen Schwarmstädten wesentlich überschaubarer und daher familiärer zu.

Zudem sind dort ebenfalls Fachhochschulen und Universitäten zu finden – und viele Studierende möchten nach dem Abschluss ihrem Lebensmittelpunkt treu bleiben und suchen in der Umgebung eine Anstellung oder versuchen sich als Gründer. So ersparen sie es sich, sich in einer neuen Stadt zurechtfinden und sich einen neuen Freundes- und Bekanntenkreis aufbauen zu müssen. Schwarmstädte gibt es also auch im Kleinformat – die Größe ist in diesem Fall nahezu zweitrangig, denn auch die genannten Städte eignen sich gut als Standort für Start-ups.


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