Unternehmensgründung

Nischen-Start-Ups: Hidden Champions in Berlin

Spezialisierte Onlineshops

Ein Nischenmarkt ist ein spezifisches Marktsegment innerhalb eines breiteren Marktsegmentes. Zu einem Nischenmarkt gehören spezialisierte Anbieter mit wenig oder gar keine Konkurrenz. Foto: Depositphoto.com

Gerade im Onlinehandel lohnt sich der Fokus auf die Nische, wie das Unternehmen Chal-Tec beweist. Das erklärt sich unter anderem durch das Long Tail-Prinzip: Ein großer Teil des Umsatzes kann mit Nischenprodukten gewonnen werden, denn selbst wenn es hierfür nur wenige Käufer gibt, machen sie in der Summe einen beachtlichen und treuen Kundenstamm aus. Chal-Tec-Gründer Peter Chaljawski hat vor der Gründung seines Unternehmen mit dem Verkauf von DJ-Equipment für Einsteiger begonnen. Mittlerweile betreibt Chal-Tec 13 spezialisierte Onlineshops, darunter „Auna“, wo Audiogeräte erworben werden können, und „Klarstein“ für Küchengeräte. Die Umsätze werden außer in Deutschland auf dem französischen, italienischen, britischen und spanischen Markt erwirtschaftet. Insgesamt betrugen die Tagesumsätze teilweise bereits über eine Million Euro, zudem zählt das Unternehmen laut eigenen Angaben knapp 1,2 Millionen Neukunden.

Online-Plattform für Wohnmobile

Ganz anders ist der Ansatz von Campanda: Das Unternehmen verkauft nicht, es vermittelt – und zwar Wohnmobile. Die Buchungsplattform konnte sich in der Serie-A-Finanzierung frisches Kapital in Höhe von fünf Millionen Euro von Investoren sichern und ist mittlerweile zum Marktführer bei der Online-Vermittlung von Wohnmobilen aufgestiegen. In der Seeding-Runde 2014 hatte es zwei Millionen gegeben. Neben Campanda sind auch Wettbewerber wie PaulCamper in den Markt eingetreten. Laut WIRED besitzt das Unternehmen mehr als 25.000 Fahrzeuge in 35 Ländern. Setzte Campanda zunächst nur auf die Vermittlung von Wohnmobilen professioneller Anbieter, ist das Start-Up nun auch im P2P-Segment tätig, sodass auch Privatpersonen ihre Fahrzeuge vermieten können. Wie bei Chal-Tec spielt auch bei Campanda die Internationalität eine große Rolle. Denn das Mieten und Vermieten ist mittlerweile in acht Ländern mit Webseiten auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch möglich.

Lokale Reiseführer

Um Urlaubsreisen geht es auch bei dem jungen Start-Up GetYourGuide, das Gutscheine für Attraktionen auf der ganzen Welt verkauft. Das Freizeitportal erhielt letztes Jahr satte 50 Millionen US-Dollar in der Serie-C-Finanzierungsrunde, die von der New Yorker Beteiligungsgesellschaft KKR angeführt wurde. Inzwischen beschäftigt die Firma mit Hauptsitz in Berlin über 200 Mitarbeiter. Das Unternehmen habe das Potenzial, „die klare Nummer Eins im schnell wachsenden großen digitalen Markt für Freizeitreisen zu werden“, begründet KKR-Partner Philipp Freise die Investition. Bei GetYourGuide können lokale Touren im Voraus über die Plattform gebucht werden – und zwar nicht nur bei den weltweiten Top-Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm, Machu Picchu oder dem Empire State Building, sondern vor allem bei einer unglaublichen Anzahl von fast 30.000 geprüften Partnern. Da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch ausgefallenere Aktivitäten abgedeckt sind: in Berlin zum Beispiel neben den „Ohne-Anstehen“-Tickets für den Fernsehturm auch eine „Queer durch Schöneberg“-Tour oder ein Pubcrawl für Rucksacktouristen.

 


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