Unternehmensführung

Auslandsexpansion im Mittelstand: Markterschließung in Krisenzeiten

In der momentanen Situation scheuen sich viele Unternehmen vor der Expansion ins Ausland, weil sie falsche Vorstellungen von einer solchen Markterschließung haben. Vor allem die vermeintlich hohen Anfangskosten schrecken die meisten ab. Nur Wenige sind sich darüber im Klaren, dass sie mit der in ihrem Unternehmen bereits bestehenden Infrastruktur zumindest innerhalb Europas sehr leicht eine Präsenz aufbauen können. In der Regel sind Grundstrukturen wie die EDV, das Lager, der Versand und das ERP-System im Unternehmen bereits etabliert.

Günstige Marktbedingungen im Ausland

Zudem können bei einer Auslandsexpansion die im Zielland fehlenden Komponenten im Moment so günstig wie nie eingekauft werden. So hat die Immobilienkrise nach privaten Eigenheimen in vielen Märkten auch die Bürogebäude erfasst. Wie die US-Immobilienfirma Reis berichtete, standen im zweiten Quartal 2009 in den USA 15,9 Prozent aller Büroflächen des Landes leer – dies wirkt sich auch auf die Mietpreise aus. Im zweiten Quartal 2009 sind die Mietpreise um 2,7 Prozent gefallen, nach 2,4 Prozent im Vorquartal. Damit stehen die USA nicht alleine da: Kanada, Spanien, Ungarn oder Großbritannien sind nur einige der Länder, wo Büromietpreise heute so günstig wie schon lange nicht mehr sind.

Regionalförderungsprogramme der EU bei einer Auslandsexpansion

Neue Spielregeln in der internationalen Immobilienwirtschaft sind nur eine der Rahmenbedingungen, die jetzt günstig sind: In Luxemburg wurde die Besteuerung von Lizenzen im Januar 2008 von 29,7 Prozent auf sechs Prozent gesenkt. Deutsche Unternehmen, die jetzt eine Tochterfirma im Königreich eröffnen, sparen damit 13 Prozent im Vergleich zum Heimatmarkt. Ebenso verhält es sich mit der Körperschaftssteuer – hier zahlen Unternehmen, die ihre Firmenkonstrukte über eine Luxemburger Holding gründen, erheblich weniger als in Deutschland. Hinzu kommen vielfältige Regionalförderungsprogramme der EU, die schwache internationale Regionen unterstützen. Über das sogenannte Phasing-Out-Programm werden beispielsweise momentan in der Periode von 2007 bis 2013 Regionen in Österreich, Schottland, Spanien, Belgien, Griechenland und Italien wirtschaftlich gefördert. Je nach Region gehört dazu auch die Unterstützung von Betriebsgründungen, -ansiedelungen und -übernahmen.

Internationale Bankinstitute beraten bei Finanzierungsfragen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) schlägt in seinem aktuellen Ratgeber für kleine und mittlere Unternehmen einen Besuch bei der Hausbank vor – auch wenn „viele mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer stolz darauf sind, ihren Betrieb ohne Hilfe der Banken aufgebaut zu haben”, heißt es in dem Heft. Dass deutsche Banken ihre Kreditvergabe momentan besonders streng prüfen, ist kein Geheimnis. Daher rate ich, neben der Hausbank auch mit fremden Banken im internationalen Zielmarkt zu sprechen – übrigens nicht nur in der heutigen Situation sondern generell.

Durch Lean Management gestärkt aus der Krise hervorgehen

Gerade jetzt sind die Wettbewerber angreifbar und die Ressourcen günstig. Wer die momentan günstigen Bedingungen geschickt nutzt und sich auf sein Kerngeschäft konzentriert, kann sich exzellent auf den Aufschwung vorbereiten und als Gewinner aus der Krise hervorgehen.

Daher rate ich KMUs zum Lean Management. Hierbei werden Strukturen durch Outsourcing vereinfacht, dadurch Kosten gesenkt und die Effizienz gesteigert. Wer starke Partner statt eigene Mitarbeiter hat, der braucht keine Kurzarbeit zu machen.

Prof. Peter Anterist, Professor an der Universität Peking und Geschäftsführer der Treuhandgesellschaft InterGest


1Kommentare

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  1. 1 Juan David | 27. September 2010

    Im Bereich Steuern gibt es andere Anreize für eine Auslandsexpansion.
    Siehe z.b. die ZEC auf den Kanarischen Inseln, die vorteilhafteste Sondersteuerzone der EU.
    Mehr Infos unter de-es@gmx.net