E-Business

Chancen und Risiken des M-Commerce auf dem Weg zum Massenmarkt

Um Lernkurven im Zukunftsmarkt Mobile Commerce noch ausschöpfen zu können, müssen Dienstleister und Kunden M-Commerce-Projekte kräftig anschieben. Denn die beiden größten Hürden für M-Commerce auf dem Weg zum Massenmarkt werden bald genommen: In den kommenden Monaten werden Datenflatrates und weitere Handys à la iPhone auf den Markt kommen, die dem Markt einen gehörigen Schub verpassen.

Chancen gibt es viele. Zwar gibt jeder dritte Nutzer des mobilen Internets an, bereits über das Handy einzukaufen, wie eine repräsentative Studie der Internetagentur DMC ermittelt hat. Allerdings besetzen bislang noch eine überschaubare Anzahl der üblichen Big Player den Markt. Das Vorzeigeprojekt hierzulande hat die Deutsche Lufthansa seit Ende 2007 in Betrieb: Etwa 85.000 Kunden pro Monat informieren sich mobil, buchen Tickets, checken ein und bezahlen über ihr Handy. Handelsgrößen wie Amazon, Otto und Ebay gehören ebenfalls zu den Vorreitern.

Das Bezahlsystem im M-Commerce ist für den Erfolg entscheident

Auch für kleinere Händler gilt: Überall, wo es um Schnelligkeit geht und wo der Nutzer keinen alternativen Onlinezugang hat, können M-Commerce-Angebote punkten. Mit Ebay für unterwegs z.B. können Nutzer ihren Schnäppchen auch an der Bushaltestelle oder am Baggersee nachjagen. Analog dazu werden künftig auch Live-Shopping-Angebote mobil funktionieren – unter der Bedingung, dass online bereits die Kunden- und vor allem die Kontodaten hinterlegt sind. Denn nach wie vor existiert für die Bezahlung via Handy keine einfache und standardisierte Lösung auf dem Markt.

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Handys mit für den mobilen Handel entsprechender Usability und günstige Datentarife sind nur noch eine Frage der Zeit. Dagegen stehen die Anbieter beim Payment immer noch mit leeren Händen da. Und das wird sich auch in den kommenden zwölf Monaten nicht ändern. Denn die Kreditkartenfirmen sind zwar rührig, aber selbst Anbieter, die schon mobile Bezahloptionen anbieten, müssen sich das Vertrauen der Kunden erst erarbeiten. Denn diese vermeiden – wenn möglich – die Bezahlung per Handy, wie eine Denkwerk-Studie ermittelt hat. So kaufen Nutzer erstmal nur dann mobil ein, wenn sie beim Anbieter online schon ihre (Konto-)Daten hinterlegt haben. Vorerst muss es auch ohne standardisierte Payment-Lösung vorangehen. Denn der Mobilmarkt wird sich analog zum Onlinemarkt entwickeln, nur deutlich schneller.

In einem ersten Schritt werden transaktionsbezogene Dienste genutzt, bei denen der Entscheidungsprozess kurz ist und das Billing auf online hinterlegten Daten beruht, also z.B. beim Kauf von Flug- und Bahntickets oder Büchern. Auch Spezialversender haben dabei Marktpotenzial. Anbieter mit einem kleinen und zielgruppenspezifischen Sortiment können via Widgets ins Mobile Shopping einsteigen“. Vorausgesetzt, das Angebot ist an Transaktionssysteme angebunden, um das Payment-Problem zu lösen.

Erst in einem zweiten Schritt werden kompliziertere Anwendungen aufs mobile Endgerät kommen, für die der Nutzer dann auch mobil bezahlt. Ab 2010 starten geocodierte Datendienste durch, die das Handy als mobilen Filialfinder einsetzen. Dann wird folgendes Szenario gängiges Straßenbild: ‚Ich bin in München in der Hohenzollernstraße und lasse mir den Standort der nächsten Filiale der Optikkette ABC anzeigen.‘ Solche Dienste stehen schon jetzt für 40 Prozent der Mobile-Web-Nutzer laut DMC-Studie ganz oben auf der Wunschliste.

Die gesamte Abwicklung komplexer Prozesse über das mobile Endgerät, wie z.B. die Planung, Buchung und Bezahlung einer Dienstreise von Antritt bis Rückkehr, ist erst der dritte Schritt auf dem Weg zum Mobile Commerce. Fließen alle Daten mobil und muss nicht mehr auf online hinterlegte Daten zurückgegriffen werden, wird’s erst richtig spannend. Dann können an Navigationsdienste auch die passenden Services angekoppelt werden. Mein Handy zeigt mir dann nicht nur den Standort der nächsten Optiker-Filiale, sondern schickt mir auch einen Einkaufsgutschein dazu.

Für diese Location Based Services rechnen Experten damit, dass frühestens 2011 der Massenmarkt erreicht wird. Doch es ist für Marktteilnehmer höchste Zeit, M-Commerce-Projekte anzuschieben – aus zwei Gründen: Nicht nur Zeit ist Mangelware, sondern auch die Fachleute. Entwickler mit Projekt-Knowhow im M-Commerce sind jetzt schon ausgelastet. Wer pünktlich bereit sein will, sollte jetzt Anwendungen auf den Weg bringen.

Autor: Joachim Graf, Herausgeber des Wissens- und Trendportals iBusiness.de

(Dow Jones)


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