E-Business

Domainhandel: Internetdomains als Kapitalanlage

Für Online-Experten sind die genannten Verkaufspreise nichts Außergewöhnliches, da sie den tatsächlichen Wert der Internetdomains widerspiegeln. Die Kenner stellen sich eher die Frage, warum auch in Zeiten der Wirtschaftskrise immer noch solch hohe Beträge für Domains ausgegeben werden.

Domains und ihre Wertigkeit sind sehr gut vergleichbar mit Immobilien, denn sie gelten als Grundstücke des Internets. Die Immobilienbranche wurde bekanntlich hart von der Wirtschaftskrise getroffen. Inwieweit trifft dies auf den Domainmarkt zu? Sind hohe Domainpreise, wie zu Beginn erwähnt, immer noch an der Tagesordnung? Oder handelt es sich um Ausnahmen?

Domain-Sekundärmarkt: Der Wert von Domains sinkt in der Krise

In den letzten Jahren hat sich der Domain-Sekundärmarkt, also der Kauf und Verkauf von Domains, sehr positiv entwickelt. Im Jahr 2007 wurden über 27.000 Domains über unsere Plattform gehandelt, 2008 waren es knapp 37.000. Für 2009 gehen wir von einem Wachstum von über 10 Prozent aus. In den letzten drei Quartalen hat sich jedoch eine deutliche Tendenz zu Niedrigpreis-Domains gezeigt.

Es werden also mehr Domains verkauft als im Jahr zuvor, doch der Umsatz ist parallel dazu nicht angestiegen. Auch die Durchschnittspreise für Domains sind gesunken: Eine .de-Domain kostete im Jahr 2008 durchschnittlich 1.200 Euro, in diesem Jahr sind es etwa 800 Euro. Diese Zahlen signalisieren, dass die Krise den Domainhandel nicht voll erwischt, aber zumindest gestreift hat.

Was vor zwei Jahren noch gang und gäbe war, hat sich durch die Wirtschaftskrise geändert: Für qualitativ hochwertige Domains wie kredit.de oder server.com werden zwar immer noch marktgerechte Beträge gezahlt – die Anzahl der Top-Verkäufe ist jedoch zurückgegangen.

Es gibt trotz Wirtschaftskrise nach wie vor viele qualitativ hochwertige Domainnamen, die auch für einen angemessenen Betrag verkauft werden. Die Investition in eine beschreibende und damit hochwertige Domain wie marketing.de oder zins.de lohnt sich nach wie vor. Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht dies: Die Domain kredit.de war während ihrer Verkaufsphase bei Sedo geparkt und hatte etwa 5.000 zielgerichtete Besucher pro Monat, die nach Kredit-Services suchten.

Der durchschnittliche Klickpreis (Pay-per-Click) für das Suchwort „Kredit“ bei Google, Yahoo oder MSN liegt aktuell in den oberen Rängen bei circa 4,50 Euro. Ohne die Domain müsste man pro Monat 22.500 Euro an Werbeausgaben investieren. Diese Ausgaben kann man sich sparen, indem man die Domain kauft. Bei einem Kaufpreis von 892.500 Euro hätte sich die Domain schon nach etwa drei Jahren refinanziert. Und danach besitzt man die Domain kredit.de noch und sie generiert weiter Besucher, während beim üblichen Pay-per-Click-Modell das Geld als Werbeausgabe unwiederbringlich ‚verloren’ ist.

Domain-Primärmarkt: Nachfrage nach Domains weiterhin vorhanden

Die Registrierungen von Domains nehmen weltweit konstant zu. Erst kürzlich hat die DENIC, die Vergabestelle für das deutsche Länderkürzel.de, die Anzahl von 13 Millionen registrierten Domains gefeiert. Parallel nimmt auch die Anzahl der Internetuser zu. Folglich besteht die Nachfrage nach Domains weiterhin. Die Domain lohnsteuer.de zum Beispiel gibt es nur einmal, doch die Interessengruppe für diese Domain ist riesig: Jeder Steuerberater in Deutschland sowie jedes Unternehmen, das mit dem Thema in Berührung ist, wie beispielsweise Vertreiber von Lohnsteuer-Software, würde gern diese Domain besitzen.

Aus dieser Notwendigkeit entsteht der Domain-Handel. Unternehmen können mittlerweile nicht auf eine hochwertige und passende Domain verzichten. Darüber hinaus investieren sie nicht nur in eine Domain, sondern gleich in mehrere, um ihre komplette Produktpalette abzudecken. Auf diese Weise generieren einige Unternehmen ihre größten Gewinne über das Internet.

Für Unternehmen, Domain-Käufer und Investoren stellt die aktuelle Marktlage einen großen Vorteil dar: Wie im Aktien- oder Immobilienmarkt können auch Domains günstiger eingekauft werden. Zusätzlich bieten Domains als Wertanlage einen entscheidenden Vorteil. Aufgrund ihrer Einmaligkeit ist ein Rückgang der Nachfrage nicht in Sicht. Verglichen mit klassischen Anlagen sind Domains die risikoärmere Variante.

Autor: Tim Schumacher, Geschäftsführer der Sedo GmbH


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