Frauenanteil

Ein Fünftel der Führungsebenen im deutschen Mittelstand sind mit Frauen besetzt

Im Gegensatz zu Mittelständlern sind in börsennotierten Unternehmen nur wenige Frauen in der Führungsebene. Foto: ©HASLOO/Depositphotos.com

Im Schneckentempo öffnen sich außerdem bisher rein männliche Führungsebenen für Frauen: Der Anteil der rein männlich besetzten Geschäftsführungen ist von 38 Prozent vor zwei Jahren auf heute 35 Prozent gesunken.

Beim Frauenanteil im Top-Management sind kleinere Mittelständler weiter als große Unternehmen: In der Umsatzklasse bis 30 Millionen Euro beschäftigen die Unternehmen im Durchschnitt 20 Prozent Frauen in der Führungsebene, bei großen Mittelständlern mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz ist der Anteil mit 14 Prozent deutlich geringer.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die 3.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt wurden. „Die Führungsebenen des deutschen Mittelstandes sind nach wie vor weitgehend männlich besetzt“, stellt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY, fest. „Immerhin: Der Anteil der Frauen hat leicht zugenommen. Doch noch immer sind die Unternehmen weit von einer paritätisch besetzten Geschäftsführung entfernt. Ausgerechnet die kleineren Mittelständler setzen am stärksten auf Frauen. Eine Erklärung dafür dürfte sein, dass diese Unternehmen im Bemühen um Fachkräfte kreativer und flexibler sein müssen als größere.“

Weniger Frauen bei börsennotierten Unternehmen im Vorstand

Deutlich schwerer als die Mittelständler tun sich allerdings die börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Den höchsten Frauenanteil auf Vorstandsebene weisen die DAX-Unternehmen mit 11 Prozent auf, wie eine EY-Analyse der Struktur der Vorstände der 160 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX notierten Unternehmen im Januar ergab. Noch geringer ist der Anteil im SDAX, wo er bei 6 Prozent liegt, im MDAX (4 Prozent) und im TecDAX (4 Prozent).

Auch wenn noch viel Luft nach oben ist: Im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen sieht der Frauenanteil in den Führungsebenen des deutschen Mittelstandes gut aus. Die Mittelständler sollten sich damit aber nicht zufriedengeben. Dass nur gut jedes fünfte Mitglied der Geschäftsführung eine Frau ist, wird der heutigen Arbeitswelt nicht gerecht. Ziel sollte es sein, deutlich mehr Frauen in die erste Reihe zu befördern. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel können die Firmen daran nur ein hohes Eigeninteresse haben.

Hubert Barth

Vorsitzender der Geschäftsführung von Ernst & Young

„Auch wenn noch viel Luft nach oben ist: Im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen sieht der Frauenanteil in den Führungsebenen des deutschen Mittelstandes gut aus“, sagt Barth. „Die Mittelständler sollten sich damit aber nicht zufriedengeben. Dass nur gut jedes fünfte Mitglied der Geschäftsführung eine Frau ist, wird der heutigen Arbeitswelt nicht gerecht. Ziel sollte es sein, deutlich mehr Frauen in die erste Reihe zu befördern. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel können die Firmen daran nur ein hohes Eigeninteresse haben.“

Drei Bundesländer im Osten auf den ersten Plätzen

Überdurchschnittlich oft bestimmen Frauen in den Vorständen und Geschäftsführungen von Unternehmen in ostdeutschen Bundesländern mit. Während 20 Prozent der Führungspositionen dort von Frauen besetzt sind, sind es im Westen nur 17 Prozent. Im Bundeslandvergleich liegen Brandenburg (25 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (22 Prozent) und Sachsen (21 Prozent) vorn. Das relativ gute Abschneiden der ostdeutschen Länder lasse sich vor allem auf zwei Gründe zurückführen, sagt Barth: „Zum einen ist der überdurchschnittlich hohe Frauenanteil historisch zu erklären. Zum anderen müssen die Unternehmen im Osten heutzutage im Wettbewerb um gute Fachkräfte kreativer sein und deshalb auch mehr für die Frauenförderung tun.“

Aktive Frauenförderung betreiben in Deutschland laut eigener Aussage vor allem Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern, in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie im Saarland. 29 Prozent der Unternehmen in Brandenburg betreiben demnach aktive Frauenförderung – dieser Anteil liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 17 Prozent. Hohe Werte finden sich auch in Bremen (25 Prozent), Thüringen (24 Prozent) und Hamburg (23 Prozent). Das Schlusslicht bildet Schleswig-Holstein mit neun Prozent. Aber auch klassische Industriestandorte wie Baden-Württemberg (14 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (16 Prozent) kümmern sich unterdurchschnittlich um eine aktive Förderung von Frauen.

43 Prozent glauben an positiven Einfluss von hohem Frauenanteil auf das Unternehmen

Dass ein höherer Anteil von Frauen in Führungspositionen den Erfolg des Unternehmens positiv beeinflusst, glauben 43 Prozent der Mittelständler – und damit deutlich mehr, als tatsächlich die Karriere von Frauen aktiv fördern. „Viele Befragte gehen davon aus, dass gemischte Teams besser funktionieren und Unternehmen erfolgreicher führen. Doch der Prozess, mehr Frauen an die Spitze zu bringen, gelingt nicht von heute auf morgen. Tatsache ist aber auch: Viele Firmen handeln nicht konsequent genug. Sie täten gut daran, an einer offenen Unternehmenskultur zu arbeiten und weibliche Nachwuchskräfte nachhaltig zu fördern“, sagt Barth. An geeigneten Frauen können solche Bemühungen jedenfalls nicht scheitern: Sieben von zehn Unternehmen (72 Prozent) haben nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten, genügend qualifizierte Frauen zu finden.


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