Finanzen

Die Regulierung von Banken darf Deutschland nicht benachteiligen

Basel III und die Konsequenzen für Banken

Unter dem Arbeitstitel „Basel III“ beabsichtigt der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht die Einführung schärferer Anforderungen an das Liquiditätsmanagement, eine neue Definition des bankaufsichtlichen Eigenkapitals, die Einführung einer so genannten Leverage Ratio, besondere Anforderungen für systemrelevante Banken, schärfere Anforderungen an Handelsgeschäfte sowie Maßnahmen zur Begrenzung möglicher prozyklischer Wirkungen des bankaufsichtlichen Regelwerks.

Gastkommentar von Karl-Heinz Boos, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands

Gastkommentar von Karl-Heinz Boos, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands

Dieser Prozess erfordert Augenmaß und Weitsicht sowie eine enge Verzahnung der Realwirtschaft mit der Finanzwirtschaft. Dabei muss vor allem auf die kumulative Wirkung der geplanten Einzelmaßnahmen geachtet werden. Nichts wäre in der gegenwärtigen konjunkturellen Lage schlimmer, als wenn die bislang mit hohem Aufwand verhinderte Kreditklemme nun quasi durch die Hintertür „herbeireguliert“ würde.

Neudefinition des Eigenkapitalbegriffs

Dies wird am Beispiel der geplanten Neudefinition des Eigenkapitalbegriffs deutlich: Das Eigenkapital einer Bank begrenzt unmittelbar deren Kreditvergabemöglichkeit. Grundsätzlich erlaubt das bankaufsichtliche Regelwerk eine Kreditvergabe in Höhe des maximal 12,5-fachen des haftenden Eigenkapitals. Allein die vom Baseler Ausschuss vorgeschlagene neue Kernkapitaldefinition wird die Eigenkapitalbasis der deutschen Institute um einen mindestens zweistelligen Milliardenbetrag abschmelzen lassen. Die zusätzlich erwogene Verdoppelung der risikobezogenen Mindestkapitalkoeffizienten auf bis zu 8 % Kern- bzw. 16 % Gesamtkapital wird den Kreditvergabespielraum der Institute weiter reduzieren. Leidtragende dieser Kreditvergabebeschränkung wären unmittelbar die Kreditnehmer, also Unternehmen und Mittelstand. Daher muss es trotz der Größe des Vorhabens und des ungeheuren Zeitdrucks gelingen, die Bankenregulierung im Spagat zwischen notwendiger Revision und Überregulierung wirksam und angemessen zu verbessern.

„Basel III“ könnte auch dazu führen, dass die Wettbewerbsanteile im Bankenmarkt im Gefolge der Finanzkrise weltweit neu verteilt werden. Die USA haben bei ihrer bisherigen Praxis von Basel II gezeigt, dass Banken durch die gezielte Nichtanwendung dieses international vereinbarten Regelwerks Marktvorteile erzielen können. Derartige Ungleichgewichte dürfen nun bei Basel III nicht nochmals entstehen. Umso mehr müssen und werden wir gemeinsam mit den anderen EU-Staaten darauf achten, dass für alle Marktteilnehmer die gleichen Regelungen und damit einheitliche Wettbewerbsbedingungen gelten.


0Kommentare

Es wurde bisher noch kein Kommentar verfasst. Starten Sie die Diskussion!