Unternehmensführung

Die Solarindustrie kommt in die Jahre –radikale Innovationen sind erforderlich

Sahen in 2008 die Unternehmen das größte Risiko in der Abhängigkeit von staatlichen Fördermaßnahmen, hat sich das Bild doch maßgeblich geändert. Zwar wird aktuell viel über die kommende, außerordentliche Kürzung der Einspeisevergütung in Deutschland und deren Auswirkung diskutiert, die Probleme vieler Unternehmen sind jedoch hausgemacht, wie das Beispiel der bestehenden Überkapazitäten zeigt.

Viele Solaranlagen müssen erneuert werden

Neben den bereits geschilderten Problemen könnte die Branche zudem bald von technischer Seite vor neuen Herausforderungen stehen. Die erste Generation an Solaranlagen ist nunmehr seit 10 bis 15 Jahren in Betrieb. Erste Anzeichen mehren sich, dass einige Anlagen in der Zwischenzeit technische Mängel aufweisen.

Dr. Alexander Brem, Geschäftsführer VEND consulting GmbH

Gastkommentar von Dr. Alexander Brem, Geschäftsführer VEND consulting GmbH

So hat ein großer Player der Branche unter enormer Kostenanstrengung europaweit einen Teil ihrer Solarmodule aufgrund von Qualitätsproblemen austauschen müssen. Dieses Beispiel zeigt, welche Probleme der Branche noch bevorstehen könnten.

Wenn man diese Entwicklungen in einem Gesamtkontext einordnet, so sind diese nicht so überraschend wie man vielleicht annehmen möchte. Denn nach Jahren des Booms folgt immer eine Phase der Konsolidierung, welche einerseits den Markt bereinigt, und andererseits aktiv neue Innovationen fordert. Dies ist kein branchenspezifisches Phänomen, sondern hängt stark mit der typischen Größe der meisten Marktteilnehmer ab. Diese sind in der Regel mittelständisch geprägt, und sind mit einem Produkt vorwiegend regional oder sehr sektorspezifisch groß geworden.

In der Solarindustrie fehlt es oft an Innovationen

Für diese Unternehmen ist es aufgrund derer Größe und Ressourcensituation erfahrungsgemäß besonders schwer, von einem ersten erfolgreichen Produkt oder Dienstleistung auf weitere Innovationen zu kommen. Das geht solange gut, wie der Markt wächst und man selbst auf dieser Welle mitgetragen wird. Sobald eine Stagnation oder ein Nachfragerückgang zu verzeichnen ist, kann aufgrund der begrenzten finanziellen, personalen und zeitlichen Ressourcen meist nicht mehr rechtzeitig reagiert werden. Am Beispiel der Solarindustrie ist diese Entwicklung aufgrund der Einspeisevergütung besonders gut zu beobachten: durch die regelmäßige Reduktion wird der Preisdruck kontinuierlich immer größer, bis dieser schließlich nicht mehr die Kosten deckt.

Was sollte also getan werden? Insbesondere mittelständische Unternehmen müssen es schnell schaffen, mit neuen Produkten und Dienstleistungen bestehende und neue Kunden zu überzeugen. Alternativ bleibt nur die Option einer Internationalisierung des Geschäfts in Länder, welche noch Nachholbedarf in den einzelnen Segmenten haben.


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