Unternehmensführung

Die Deutschen und die Selbstständigkeit

Menschen, die freiberuflich – zum Beispiel in der Beratung – tätig sind oder eine befristete Tätigkeit ausüben, werden als Freiberufler, freie Mitarbeiter oder unabhängige Auftragnehmer bezeichnet. Davon zu unterscheiden sind Unternehmer, die ihr eigenes Geschäft besitzen und daraus ihr Haupteinkommen erzielen. Diese beiden Gruppen, Freiberufler und Unternehmer, stehen im Mittelpunkt der neusten Umfrage des global tätigen Personaldienstleisters Kelly Services. Befragt wurden 134.000 Personen in 29 Ländern, davon knapp 2.000 in Deutschland.

Jeder siebte Deutsche ist freiberuflich tätig

14 Prozent aller Umfrage-Teilnehmer in Deutschland gaben an, momentan freiberuflich tätig zu sein. Damit liegt Deutschland nur zwei Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnitt. Die mit Abstand meisten Freiberufler arbeiten hierzulande im Bildungsbereich (32%), gefolgt von den Branchen Transport/Distribution (18%) und Dienstleistung (17%). Ein Fünftel der Freiberufler stammen aus der Generation der Babyboomer (48 bis 65 Jahre). Deutlich weniger finden sich bei den Vertretern der Generation X (30 bis 47 Jahre) und der Generation Y (18 bis 29 Jahre), die mit 13 bzw. 12 Prozent Freiberuflern in etwa gleichauf liegen. Interessant ist, dass deutlich mehr Männer (17%) als Frauen (10%) freiberuflich tätig sind.

Wechsel in die Freiberuflichkeit: für die Deutschen ziemlich verlockend

Das traditionelle Beschäftigungsverhältnis aufgeben und freiberuflich tätig sein: 41 Prozent der deutschen Befragten, die momentan fest angestellt sind, finden diese Idee verlockend. Vor allem die Befragten aus den Sektoren Zentral-/Kommunalverwaltung (56 Prozent) und Bildung (52 Prozent) finden die Vorstellung ansprechend. Grundsätzlich scheint die Freiberuflichkeit für die Babyboomer und Generation X (jeweils 44 Prozent) am attraktivsten zu sein. Die Generation Y liegt mit 34 Prozent deutlich dahinter.

Deutsche fühlen sich gut qualifiziert für eine selbständige Tätigkeit

45 Prozent aller Befragten in Deutschland sind überzeugt, über die nötigen Qualifikationen zu verfügen, um einer selbständigen Tätigkeit nachzugehen. Vergleicht man die Resultate nach Geschlechtern, zeigen sich bei dieser Frage die Männer deutlich selbstbewusster als die Frauen: Über die Hälfte der Männer (53 Prozent) sind der Meinung, ihre Qualifikation sei ausreichend. Von den Frauen glauben dies 37 Prozent. Auch im Generationenvergleich sind die Unterschiede signifikant: 54 Prozent der Babyboomer und 50 Prozent der Generation X, aber nur 35 Prozent der Generation Y schätzen ihre Qualifikation als genügend ein.

Sorge über Einkommen an erster Stelle

Der Schritt in die Freiberuflichkeit will gut überlegt sein. Die Ungewissheit, ein regelmässiges Einkommen zu erzielen, ist dabei der Hauptgrund, der Beschäftigte davon abhält. In Deutschland macht dieser Faktor fast der Hälfte (45 Prozent) der Befragten Sorgen. Knapp ein Viertel (23 Prozent) fürchtet das Risiko eines Misserfolgs. Auch Faktoren wie die fehlende Unterstützung (10 Prozent) oder die fehlende Qualifikationen (7 Prozent) stehen auf der Liste weit oben. Die Bedenken zum Einkommen hegen allen voran die Befragten in der Verwaltung (67 Prozent), gefolgt von den Sektoren Finanzdienstleistungen (55 Prozent) und Transport (54 Prozent).

Unternehmensgründung: Deutsche sind Schlusslicht im europäischen Vergleich

Wenn es konkret um die Gründung eines Unternehmens geht, zeigen sich die Deutschen eher zurückhaltend: Nur jeder elfte Befragte (9 Prozent) gibt an, bereits Pläne für ein eigenes Business zu haben. Der europäische Durchschnitt liegt mit 20 Prozent mehr als doppelt so hoch. Die deutschen Männer sind mit 12 Prozent Zustimmung bei dieser Frage deutlich mutiger als die Frauen (7 Prozent). Unterschiede zeigen sich auch im Branchenvergleich: Am meisten motiviert, ihr eigenes Unternehmen zu gründen, sind die Befragten aus der IT (15 Prozent). Am wenigsten unternehmenslustig scheinen bei dieser Frage mit nur je 5 Prozent Zustimmung die Befragten aus Fertigung und Transport zu sein.

Die meisten Deutschen, die ein eigenes Unternehmen gründen wollen, planen mittel- bis längerfristig. 41 Prozent der Befragten planen innerhalb der nächsten zwei Jahre in die Selbständigkeit zu wechseln. Mehr als die Hälfte hingegen (55 Prozent) will sich drei bis fünf Jahre oder sogar länger Zeit lassen. Im Generationenvergleich zeigt sich: Je älter die Befragten, desto konkreter scheinen die Pläne für ein eigenes Unternehmen zu sein. 80 Prozent der Babyboomer wollen ihr Unternehmen innerhalb von zwei Jahren gründen, während bei der jüngeren Generation Y fast ebenso viele (78 Prozent) drei oder mehr Jahre damit warten möchten.

„Der Trend, freiberuflich oder selbständig tätig zu sein, ist ein weltweites Phänomen und zeichnet sich auch in Deutschland ab“, sagt Ralf Heiden, Geschäftsführer Kelly Services Deutschland. „Fast jeder zweite Deutsche findet die Idee verlockend, das traditionelle Beschäftigungsverhältnis aufzugeben und künftig freiberuflich tätig zu sein.“ Dass nur 9 Prozent tatsächlich die Gründung eines eigenen Unternehmens planen, scheint im europäischen Vergleich auf den ersten Blick zwar überraschend wenig. „Ein Grund für die Zurückhaltung ist sicher auch die Finanzkrise, die das Risikobewusstsein der Deutschen geschärft hat. Trotzdem bleibt das Unternehmertum attraktiv: Flexibilität und Unabhängigkeit sind Faktoren, die eine selbständige Tätigkeit sehr interessant machen. Und das nicht nur für die ältere Generation: Gerade für Jüngere ist es eine Chance, eigene Ideen zu verwirklichen und den Karriereweg aktiv selbst zu gestalten.“


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