E-Business

Software as a Service: Die nächste Evolutionsstufe der Softwareindustrie

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie von Bain & Company „Preparing for the On-Demand Game in the Enterprise Software Industry“.

Vier große IT-Trends bestimmen die Zukunft

Die Bain-Studie prognostiziert, dass der Softwaremarkt auch mittelfristig nicht an vergangene Wachstumsraten von jährlich zehn bis 15 Prozent anknüpfen kann. Die Zuwächse bis 2015 werden bei weniger als fünf Prozent im Jahr liegen. Bain begründet das mit vier großen Trends:

  1. SaaS nimmt zu, verringert aber die Margen der Softwareindustrie: Software-as-a-Service ermöglicht die Gewinnung neuer Kundengruppen, die sich komplexe Software bisher nicht geleistet haben. Zudem können bestehende Kunden neue Funktionalitäten testen, ohne große Investitionen tätigen zu müssen.
  2. Zurück zu integrierten IT-Anbietern: Die Differenzierung der Branche in Hardware-, Software- und Serviceanbieter beginnt sich aufzulösen. Unternehmen stoßen zunehmend in angrenzende IT-Segmente vor und bieten – wie Oracle nach der Sun-Akquisition – integrierte IT-Produkte an. Ähnlich wie in den 1960er Jahren, als IBM seine Serversysteme inklusive Software verkaufte, müssen sich Kunden künftig immer weniger selbst um die Integration von Komponenten im eigenen Rechenzentrum kümmern.
  3. Bestehende IT-Landschaften steigern weiterhin die Softwareservicekosten: Kunden, die das klassische Modell eigener Serverarchitekturen und Anwendungen verfolgen, kämpfen mit der zunehmenden Komplexität ihrer Anwendungslandschaft. Serviceorientierte Architekturen konnten sich in der Realität bisher nicht spürbar als Hebel zur IT-Vereinfachung durchsetzen. Deshalb verstärkt die wachsende Komplexität des Geschäfts die Komplexität in der IT weiter. Der Aufwand für die Implementierung und Integration einer neuen Software wird im Verhältnis zu den Lizenzkosten weiter steigen.
  4. Open-Source entwickelt sich zu einer echten Alternative: Bei Betriebssystemen und Datenbanken hat Open-Source-Software bereits einen hohen zweistelligen Marktanteil. Bei geschäftskritischen und komplexen Anwendungen wie ERP dominiert jedoch weiterhin die Closed-Source-Software mit kostenpflichtiger Unterstützung und Wartung durch den Anbieter. Doch auch dieses Modell ist zunehmend in Gefahr durch Open-Source-ERP wie Compiere und OpenBravo, die insbesondere in Kombination mit flexibel nutzbaren On-Demand-Infrastruktur-Angeboten („Cloud“) massive Kostensenkungen ermöglichen und die heutigen Enterprise-Softwareanbieter unter Umsatz- und Margendruck setzen.

Software as a Service: Neue Chancen und Risiken für Softwareanbieter

On-Demand-Software ist unbestritten die nächste Evolutionsstufe der Softwareindustrie. Doch SaaS erfordert von den Anbietern hohe Anfangsinvestitionen, da zunächst eine Onlineplattform aufgebaut und vermarktet werden muss. Bain & Company erwartet aufgrund des hohen Investitionsbedarfs, dass sich der SaaS-Markt vergleichsweise schnell auf wenige Anbieter je Softwaresegment konsolidieren wird. Dabei werden die Unternehmen erfolgreich sein, die ihre bestehenden Hardware-, Software- oder Servicekunden in produktive SaaS-Kunden umwandeln können.

Softwareanbieter haben nach Bain & Company mittelfristig zwei Möglichkeiten, sich im SaaS-Markt zu positionieren:
Entweder sie werden Zulieferer einer SaaS-Plattform, die von Dritten betrieben wird oder sie entwickeln sich selbst zum integrierten SaaS-Anbieter. Wer nicht den Weg eines SaaS-Providers einschlägt, muss eine starke Position als Softwarezulieferer aufbauen, um nicht mittelfristig zum Beispiel durch Open-Source ausgetauscht oder komplett vom Markt verdrängt zu werden. Wer sich als SaaS-Anbieter positioniert, muss Infrastrukturkapazitäten aufbauen oder zukaufen sowie Fähigkeiten zum Management eines SaaS-Ökosystems erwerben, wie etwa die Einbindung von Angeboten Dritter oder nutzungsabhängige Abrechnung. Neben einer aggressiven Akquisitionsstrategie für Neukunden muss es auch eine Migrationsstrategie für Bestandskunden aus dem klassischen Lizenz- und Wartungsgeschäft auf das SaaS-Modell geben, die auf eine möglichst langfristige Bindung an das profitablere, klassische Modell abzielt.


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