Unternehmensführung

Familienunternehmen haben Nachholbedarf im strategischen Einkauf und Beschaffungsorganisation

Dies ergab eine Studie der Unternehmensberatung Inverto zusammen mit der Intes Akademie für Familienunternehmen bei Geschäftsführern und Vorständen von knapp 300 Unternehmen aus Industrie, Konsumgüterbereich und Handel. Inverto-Vorstand Frank Wierlemann resümiert: „Familienunternehmen schöpfen die Potenziale des Einkaufs noch längst nicht aus. Damit verzichten Unternehmer auf Handlungsspielräume in der Eigenfinanzierung und zugleich auf ein Stück Unabhängigkeit.“

Über 90 Prozent der Studienteilnehmer bestätigten die Bedeutung des Einkaufs für ihre unternehmerische Strategie. Zugleich hat aber rund ein Viertel der Befragten keine eigene Organisationseinheit für den Einkauf – dies gilt besonders für kleinere bis mittelgroße Familienunternehmen.

Vor allem das Beschaffen der indirekten Bedarfe geht bei 79 Prozent ausschließlich über den Tisch der Fachabteilungen statt über den Einkauf. Zudem hat nur die Hälfte der befragten Familienunternehmen ein effizientes und aussagefähiges Einkaufs-Controlling, das sich auf Kennzahlen stützt; gesteuert wird oft nur mittels weniger Zahlen und eher durch persönliche Führung.

Dennoch sind 64 Prozent der Befragten mit dem Erfolg ihrer bisherigen Einkaufsaktivitäten überwiegend zufrieden. Jedoch fast alle, die meinen, dass ihr Einkauf noch erfolgreicher arbeiten könnte, machen die unzureichende Einkaufsorganisation dafür verantwortlich.

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Klassische Rolle des Einkaufs dominiert

Wesentliche Ursache für die noch nicht ausgereifte Professionalisierung ist die Wahrnehmung des Einkaufs durch die befragten Top-Entscheider: 79 Prozent sehen die Aufgabe ihrer Einkäufer vor allem im Abwickeln von Bestellungen und im Sichern der Versorgung. Nur wenige Studienteilnehmer nehmen den Einkauf als Treiber für Wertschöpfung wahr. Entsprechend werden oft eher klassische, kurzfristige Hebel zur Einkaufsoptimierung genutzt; die meisten beziehen sich auf die Optimierung der Zusammenarbeit mit Bestandslieferanten.

Die Herausforderungen nehmen zu

Die befragten Familienunternehmen erwarten für die nächsten Jahre, dass sich der Druck auf ihr Unternehmen und somit auch auf den Einkauf verstärkt.

Zu den Herausforderungen zählt für die Studienteilnehmer:

  • eine kurzfristige Erhöhung der Rohstoffpreise (71 Prozent),
  • eine Zunahme der Lieferanten-Oligopole (42 Prozent),
  • Versorgungsengpässe und Einnahmeausfälle durch die Insolvenz von Lieferanten und Kunden (28 Prozent),
  • mehr Flexibilität im Einkauf und breites Wissen über Beschaffungsmärkte durch individuellere Kundenwünsche (26 Prozent),
  • Fachkräftemangel im Einkauf (19 Prozent).

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