Interview mit Harriet Klement, Yescapa

„Als Startup ist es vollkommen normal, regelmäßig auf Hürden zu stoßen“

Harriet Klement ist für Yescapa seit Anfang 2016 als Country Managerin tätig und für die Region Deutschland zuständig. Als Business-Allrounder leitet Sie das deutsche Team. Foto: Yescapa

Im Gespräch mit der Country Managerin Deutschland, Harriet Klement, von Yescapa, ein Internetangebot für Wohnmobil- und Campervermietung, über ihre Kunden, die sichere Abwicklung des Geschäfts und worauf man bei der Suche nach Venture Capital Partner als Startup achten sollte.

Onpulson: Frau Klement, Yescapa ist nun seit 5 Jahren auf dem europäischen Markt aktiv und gehört zu den größten Plattformen für Wohnmobil- und Campervermietung zwischen Privatpersonen. Stellen Sie uns Ihr Geschäftsmodell bitte konkret vor.

Harriet Klement: Gerne. Auf Yescapa können Wohnmobileigentümer ihre Fahrzeuge in dem Zeitraum vermieten, in dem sie es selbst nicht nutzen. Wir liefern den passenden Rahmen, damit beide Seiten rechtlich abgesichert sind. Das bedeutet, dass wir einen juristisch abgesegneten Mustermietvertrag mit integriertem Übergabeprotokoll, eine Vollkaskoversicherung mit europaweitem Pannenschutzbrief, sowie Unterstützung – auch im Streitfall – zur Verfügung stellen. Unser Service ist für Vermieter 100% kostenfrei. Die Mieter suchen sich selbst das gewünschte Versicherungspaket aus und bezahlen dann auf unserer gesicherten Zahlungsseite. Am Tag der Abfahrt gehen Mieter und Vermieter das Übergabeprotokoll durch, der Vermieter gibt letzte Tipps mit auf den Weg und los geht es.

Onpulson: Ihr Unternehmen ist quasi das Airbnb der Camping-Urlauber?

Harriet Klement: So kann man das sehen, ja.

Onpulson:  Was genau bedeutet der Firmenname Yescapa?

Harriet Klement: Yescapa ist aus dem Englischen „yes“ und „escape“ zusammengesetzt. Ein großes „ja“ zum Ausbruch aus dem Alltag also.

Onpulson:  Was sind die Grundvoraussetzungen, um ein Wohnmobil oder Camper auf Ihrer Internetplattform anzubieten?

Harriet Klement: Viele Voraussetzungen gibt es nicht. Grundsätzlich kann jeder Camper oder jedes Wohnmobil, das fahrtüchtig ist und eine gültige TÜV Bescheinigung hat, vermietet werden. Allerdings werden die Fahrzeuge, die voll ausgestattet sind (das heißt mit Campingstühlen, und -tisch, Grill, Geschirr etc.) schneller und öfter vermietet als solche, die lediglich eine Schlafmöglichkeit bieten.

Onpulson:  Welchen Vorteil haben Anbieter, die ihr Wohnmobil oder Camper über Yescapa vermieten?

Harriet Klement: Der größte Vorteil ist, mit seinem ungenutzten Wohnmobil Geld zu verdienen und dies in einem sicheren Rahmen ohne großes Risiko. Das verdiente Geld kann entweder dazu dienen, die Unterhaltskosten zu decken, die Urlaubskasse aufzustocken oder für ein neues Wohnmobil zu sparen. Die meisten Vermieter auf unserer Plattform sind sehr aufgeschlossen und freuen sich, neue Kontakte zu knüpfen. Sich über sein Hobby mit neuen Menschen auszutauschen und Wohnmobilneulingen die Möglichkeit zu geben, in diese Welt einzutauchen, ist ein zusätzlicher Punkt.

Das internationale Team von Yescapa meistert gemeinsam mit ihren Investoren die Herausforderungen und die Expansion innerhalb Europas mit großem Erfolg. Foto: Yescapa

Onpulson:  Welchen Vorteil haben Kunden, die ihr Fahrzeug über Yescapa buchen?

Harriet Klement: Vom zuverlässigen, älteren Camper bis hin zum neuen Luxus-Wohnmobil gibt es eine große Auswahl und für jeden Geldbeutel das passende Angebot. Privatvermieter setzen selten eine Mindestmietdauer fest. So kann man durchaus auch ein Wohnmobil für einen Kurztrip oder ein verlängertes Wochenende mieten. Außerdem sind private Vermieter oft kulanter bei den Uhrzeiten und Wochentagen für Übergabe und Rückgabe und nehmen sich gerne etwas mehr Zeit, um ihr Fahrzeug eingehend zu erklären.

Onpulson: Wie stellen Sie sicher, dass der Mieter das Fahrzeug in einem tadellosen Zustand wieder zurückgibt?

Harriet Klement: Unser internationales Kundenserviceteam kontrolliert und validiert die Dokumente eines jeden Nutzers und kann so schon vorab die unseriösen Anfragen ausfiltern. Vor der Abfahrt füllen Mieter und Vermieter dann gemeinsam ein Übergabeprotokoll aus, welches nach Rückgabe mit dem aktuellen Zustand des Fahrzeugs abgeglichen wird. Wenn es hier Unterschiede gibt, können Mieter und Vermieter sich auf eine freundliche Klärung einigen, oder uns als Vermittler hinzuziehen. Bei größeren Schäden leiten wir die Fälle natürlich an die Versicherung weiter und kümmern uns um die Abwicklung.

Onpulson: Gegründet wurde Yescapa ursprünglich in Bordeaux, Frankreich, von Benoît Panel und Adrien Pinson. Damals noch unter dem Namen „JeLoueMonCampingCar“ (Ich vermiete mein Wohnmobil). Warum haben Sie sich bei Ihrer weiteren Expansion als nächstes für die Länder Spanien und Deutschland entschieden?

Harriet Klement: Für unser Unternehmen war der erste logische Schritt in Nachbarländer zu expandieren, deren Kulturen und Gewohnheiten wir kennen und verstehen. Da Spanien das beliebteste ausländische Reiseziel der Franzosen und das drittbeliebteste Reiseziel der Europäer ist, lag die Entscheidung sehr nahe, sich zuerst in Spanien auf Neuland zu begeben.

Die Deutschen lieben Camping, das ist wohl der Grund, warum hier im Vergleich zu anderen Ländern Europas die meisten Wohnmobile angemeldet sind. Dies macht es für uns zu einem unumgänglichen Markt in unserer Expansion.

Onpulson: Für 2017 und 2018 planen Sie Ihre Präsenz in weiteren Ländern auszubauen. Wie finanzieren Sie Ihr weiteres Wachstum?

Harriet Klement: Richtig. Im Mai 2017 zum Beispiel haben wir uns auf den englischen Markt begeben, da dieser reif ist und die Einwohner bereit sind, Europa mit dem Wohnmobil zu entdecken. Einer weiteren Expansion in andere Länder Europas stehen wir natürlich sehr offen gegenüber.

Unser aktuelles Wachstum finanzieren wir durch eine Kapitalerhöhung im Wert von 3 Millionen Euro, die wir Ende 2016 vom Investmentfonds unseres französischen Versicherungspartners MAIF erhalten haben.

Onpulson: Können Sie anderen Unternehmensgründern Tipps geben, worauf Sie bei der Suche nach Venture Capital Partnern achten sollten?

Harriet Klement: Generell ist es immer hilfreich, an diversen Wettbewerben teilzunehmen. Auszeichnungen die man hier erhält, helfen seinem jungen Startup mehr Gewicht zu verleihen. Zudem kommt man bei solchen Events gut in Kontakt mit verschiedenen Investoren.

Vor allem junge Startups konzentrieren ihre Suche auf Kapitalerhöhungen. Dabei sollten sie nicht vergessen, dass Wissen und hilfreiche Tipps oft viel mehr Wert sind, als man denkt. Einen starken Partner an seiner Seite zu haben, der einem unterstützend zur Seite steht und neue Denkanstöße geben kann, ist mindestens genauso wichtig.

Onpulson: Schildern Sie uns einen Fall in der Vergangenheit, der für Ihr Unternehmen eine große Herausforderung darstellte und wie Sie diese Herausforderung angegangen sind?

Harriet Klement: Als Startup ist es vollkommen normal, regelmäßig auf Hürden zu stoßen. Für unser Unternehmen zum Beispiel ist das Eröffnen neuer Märkte immer wieder eine neue Herausforderung. Wir haben jedes Mal etwas mehr Wissen im Gepäck und doch stoßen wir auf kulturelle Unterschiede und müssen unser Angebot jedem Markt neu anpassen. Das Zitat von Fréderic Mazella, Gründer von BlaBlaCar und einer unserer Investoren, sagte hierzu einmal: „Die einzige Konstante in einem Startup ist die Veränderung“. Dank Menschen wie ihm und unseren 30 internationalen Mitarbeitern, die jeden Tag alles geben und stetig gemeinsam an einem Strang ziehen, schaffen wir es immer wieder unsere Hürden zu meistern.


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