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Erste Hilfe im Betrieb: Pflichten der Unternehmer im Überblick

Im Ernstfall ist jede Minute von Bedeutung. Foto: Pixabay.com

Dass im Ernstfall jede Minute zählt, ist zwar allgemein bekannt, doch in vielen Betrieben lassen die präventiven Maßnahmen zu wünschen übrig. Nicht selten weist bereits die Erste-Hilfe-Ausstattung massive Lücken auf. Dabei besteht eine der Pflichten im Rahmen der betrieblichen Unfallverhütung darin, ausreichend Erste-Hilfe-Materialien zur Verfügung zu stellen und diese regelmäßig aufzufrischen. Das Equipment erleichtert nicht nur die Wundversorgung, sondern stellt darüber hinaus Hilfsmittel zum Schutz von Verunglückten vor Nässe, Wind und Unterkühlung bereit. Welche Mengen und Art an Materialien erforderlich und wo diese aufzubewahren sind, ist im Rahmen der sogenannten Gefährdungsbeurteilung von folgenden Faktoren abhängig:

  • Betriebsgröße
  • Betriebsstruktur
  • Ausdehnung des Unternehmens
  • Organisation betriebliches Rettungswesen
  • Betriebliche Gefahren

Um Details zu den exakten Vorschriften im individuellen Fall zu erhalten, können sich Unternehmen an die Unfallversicherungsträger wenden. Der Fachbereich Erste Hilfe der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) klärt dahingehend über die Anzahl der vorgeschriebenen Verbandskästen auf:

Quelle: dguv.de

Erste Hilfe-Koffer und weiteres Zubehör lässt sich bequem im Internet beim Fachhändler für Arbeitsschutz und Arbeitskleidung Engelbert Strauss bestellen. Neben Verbandmaterialien sind im Onlineshop Augen-Spülungen, praktische Pflasterspender für den schnellen Zugang, Löschdecken und vieles mehr erhältlich. Welcher Inhalt die Verbandskästen aufweisen müssen, wird in mehreren Normen geregelt. Darunter die DIN 13157, 13164 und 13169. Die Normblätter sind beim Beuth Verlag online gegen Gebühr erhältlich. Beim Kauf von Verbandskästen ist auf die Einhaltung sämtlicher Normen zu achten.

Betriebliche Ersthelfer

Der Betrieb sollte ausgewähltes Personal als Ersthelfer schriftlich bestellen. Foto: Pixabay.com

In jedem größeren Unternehmen sind ein oder mehrere Ersthelfer erforderlich, um Sanitätspersonal für den Ernstfall bereitzustellen. Der Betrieb sollte ausgewähltes Personal als Ersthelfer schriftlich bestellen, auch wenn keine Formvorschrift besteht. Zudem ist ein Vermerk in der Personalakte oder eine schriftliche Ergänzung des Arbeitsvertrags ratsam.

Laut § 26, DGUV Vorschrift 1 ist ab zwei bis 20 anwesenden Versicherten ein betrieblicher Ersthelfer erforderlich. Bei über 20 anwesenden Versicherten in Handels- und Verwaltungsbetrieben müssen fünf Prozent der anwesenden Versicherten Ersthelfer sein. Bei allen anderen Betrieben zehn Prozent.

Ersthelfer haben die primäre Aufgabe verletzte oder erkrankte Kollegen angemessen zu versorgen. Zudem sind sie dafür verantwortlich, bis zum Eintreffen von Rettungskräften alle erforderlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen zu leisten. Um als Ersthelfer tätig werden zu dürfen, ist eine Ausbildung notwendig. Diese kann entweder extern oder von geprüften und anerkannten Stellen vor Ort im Betrieb erfolgen. Die Grundausbildung umfasst seit April 2015 neun Unterrichtsstunden. Spätestens alle zwei Jahre ist eine Fortbildung Pflicht, welche neun Unterrichtseinheiten umfasst und als „Erste-Hilfe-Training“ bezeichnet wird. Das Deutsche Rote Kreuz bietet Aus- und Fortbildungskurse für betriebliche Ersthelfer regional an. Die lokalen Ansprechpartner sind im Telefonbuch oder online zu finden.

Die Gebühren zur Teilnahme trägt der Unfallversicherungsträger. Damit dies reibungslos funktioniert, sollten sich Arbeitgeber bei den verantwortlichen Stellen über alle notwendigen Dokumente zur Abrechnung informieren. In der Regel rechnen die Ausbildungsstellen aber direkt mit den Unfallversicherungsträgern ab. Zusatzkosten wie Fahrkosten zur Ausbildung oder Entgeltfortzahlung sind vom Arbeitgeber zu zahlen.

Erste-Hilfe-Räume und mehr

In manchen Betrieben ist ein Erste-Hilfe-Raum einzurichten. Foto: Pixabay.com

Beschäftigt ein Betrieb mehr als 1.000 Versicherte, sind auf einer Baustelle mehr als 50 Versicherte tätig oder erfordern „Art, Schwere und Zahl der Unfälle einen gesonderten Raum für die Erste Hilfe“ bei Unternehmen mit über 100 Versicherten, ist ergänzend ein Erste-Hilfe-Raum einzurichten. Alternativ sind vergleichbare Einrichtungen denkbar. Dies schreibt § 25 Abs. 4 DGUV Vorschrift 1 vor. Wie die Ausstattung solcher Räumlichkeiten zu gestalten ist, hängt vom Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ab. Notrufmelder, transportable Notrufeinrichtungen oder eine zentral platzierte Meldestelle können in größeren Unternehmen oder Betrieben mit außergewöhnlichem Gefährdungspotenzial ebenfalls Vorschrift sein.


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