E-Business

Kommentar: Netzneutralität – Bessere Qualität ohne Diskriminierung zu bezahlbaren Preisen

Es gibt keine einheitliche verbindliche Definition. Widerstreitende Interessen und eine teils ideologisch geführte Debatte führen immer wieder zu einer Vermengung von unterschiedlichen Themen unter diesem Oberbegriff. In der alten Netzwelt umfasst eine Definition von „Netzneutralität“ die gleichberechtigte Übermittlung von Datenpaketen – egal, ob E-Mail, Foto oder Videostream. In der neuen Welt muss aber „Netzneutralität“ gerade die Möglichkeit beinhalten, Dienste, die eine bestimmte Bandbreite benötigen, qualitativ gesichert befördern und priorisieren zu können, damit im Netz die Türen für alle – auch innovative Dienste – offen bleiben. Der Kunde muss letztlich die freie Wahl haben und entscheiden können, welche Angebote er mit der erforderlichen Qualität nutzen möchte. Bestimmte Daten, wie etwa die Übertragung einer Operation, sind zudem einfach zeitsensibler als andere.

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Gastkommentar von Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM)

Das weltweite Netz, seine Inhalte und Datenmengen haben sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Auch die Zahl der Smartphones und der mobile Datenverkehr schnellen nach oben. Das Web hat datenintensive Anwendungen hervorgebracht, deren reibungslose Nutzung eine Weiterentwicklung des Internets mit intelligentem Netzwerkmanagement verlangt. In Deutschland soll in den nächsten zehn bis 15 Jahren das Festnetz der nächsten Generation, das Glasfasernetz, flächendeckend ausgebaut werden. Die Schätzungen gehen von erforderlichen Investitionen in Höhe von 40 bis 50 Milliarden Euro aus, um die Nachfrage der Kunden zu befriedigen und den Standort Deutschland zu stärken.

Beim Aufbau der hochleistungsfähigen Infrastrukturen wird der Zugang zu den neuen Internetangeboten und Diensten immer wichtiger. Gleichzeitig müssen die Funktionsfähigkeit, Sicherheit und Stabilität der Netze, die vom Kunden nachgefragte Qualität sowie Wettbewerbs- und Kostengesichtspunkte ebenso berücksichtigt werden wie Informations- und Freiheitsrechte.

Klar ist: Inhalte dürfen von Netzbetreibern in keiner Weise unterdrückt oder behindert werden. Es darf keine Inhaltekontrolle und kein Abschneiden von Inhalten geben. Die Nutzer sollen in unveränderter Art und Weise Zugang zum Internet in seiner traditionellen Form erhalten. Es geht vielmehr um eine deutliche Erweiterung durch qualitativ hochwertigere Zugangsangebote, die auf Basis der heute im Internet üblichen Best-effort-Spielregeln kaum eine Chance hätten. Um Datenstau – z. B. ruckelnde Bilder – zu vermeiden und den Anforderungen gerecht zu werden, kann eben nicht jedes Bit und Byte gleich behandelt werden, sondern die Wünsche der Kunden oder die technischen Erfordernisse der Dienste müssen von den Carriern berücksichtigt werden.

Auf der anderen Seite wird der Kunde – ob Endverbraucher oder Diensteanbieter – für eine deutlich verbesserte Leistungsfähigkeit der Netze auch seinen Beitrag leisten müssen. Glasfasernetze zum Nulltarif kann es nicht geben. Wer den Kostenaspekt unter dem Stichwort Netzneutralität wegdefinieren möchte, setzt den Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes aufs Spiel.

Die möglichen technischen Priorisierungen und dazu gehörigen Vereinbarungen müssen für Verbraucher, Diensteanbieter und Netzbetreiber transparent sein. Der Kunde und damit der Markt haben es in der Hand, welche Modelle sich durchsetzen werden. Bei der „Netzneutralitäts“-Diskussion werden wir in Deutschland keinen isolierten Weg gehen können. Neben der deutschen Politik beschäftigt sich u. a. derzeit die EU-Kommission mit dem Thema. Die Debatte bietet  – wenn sie sachlich geführt wird – die Chance, das Internet weiterzuentwickeln und für Kunden und Wirtschaft zukunftsfähig zu machen.


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