Negative Prognose

Unsicherheit durch Brexit führt zu mehr Firmeninsolvenzen

Die Zahl an gemeldeten Unternehmensinsolvenzen steigt in Großbritannien wieder an. Foto: ©Fredex/Depositphotos.com

Während die Atradius-Risikoexperten im kommenden Jahr für fast alle untersuchten Länder eine rückläufige Entwicklung der Insolvenzen prognostizieren, rechnen sie für in Großbritannien als Folge des Brexit mit einer Steigerung von 4 Prozent, nach bereits 2 Prozent in diesem Jahr.

Erstmals seit 2011 steigt die Zahl an gemeldeten Unternehmensinsolvenzen in Großbritannien wieder an. Im ersten Halbjahr 2017 meldeten 7.567 britische Firmen Konkurs an, 1,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Grund dafür ist die Unsicherheit durch den Brexit und seine Folgen. „Exporteure sollten daher die Bonität ihrer britischen Abnehmer eng im Blick haben“, rät Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius. Insbesondere in konsumnahen Branchen wie dem Einzelhandel  und importabhängigen Branchen (Rohstoffe) wie der Baubranche rechnet er mit weiteren Insolvenzen.

Prognose bleibt negativ

Ein Jahr nach dem Brexit-Referendum bekommen die Briten die Folgen erst richtig zu spüren: Während das schwache Pfund kurzfristig den Exportanteil insbesondere im produzierenden Gewerbe positiv beeinflusste, zeigt sich nun die Kehrseite der um 14 Prozent abgewerteten Währung seit dem Entschluss der Briten zum Ausstieg aus der EU. Die Importe haben sich verteuert. Die Kosten für den privaten Konsum steigen. Die Inflation erreichte mit plus 2,7 Prozent im Frühjahr 2017 einen so hohen Stand wie seit vier Jahren nicht mehr. Die Konsumentenkredite verteuern sich voraussichtlich erstmals seit sechs Jahren. Damit sinkt die Konsumlaune der privaten Haushalte. Die Verträge, die die Firmen zur Absicherung des Wechselkurses geschlossen haben, dürften auch bald auslaufen. Der ungewisse Ausgang der Verhandlungen mit der EU könnte die Unsicherheit auf der Insel verschärfen. Die Auswirkungen des Brexit auf die EU sind momentan noch moderat. Irland, die Niederlande und Belgien pflegen die engsten Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien und sind damit am anfälligsten für negative Auswirkungen des Brexit.

Griechenland und Portugal bleiben Sorgenkinder

Das langjährige Sorgenkind Griechenland blickt 2017 nach fast zehn Jahren jährlich steigender Insolvenzquoten mit minus 6 Prozent auf die erste rückläufige Quote seit der Krise.

Durch das höchste BIP-Wachstum seit zehn Jahren gehen auch die Insolvenzen in Portugal – voraussichtlich um 10 Prozent – in diesem Jahr zurück. Aber wie auch in Griechenland ist die Konkursgefahr dort immer noch dreimal so hoch wie noch vor zehn Jahren.

Trotz positiver Entwicklung liegen die Unternehmensinsolvenzen in der EU insgesamt noch immer 50 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2007. „Das ist kein beruhigendes Ergebnis, wenn wir im Tagesgeschäft sehen, welche negativen Konsequenzen sich bereits aus einer einzigen Insolvenz eines Kunden ergeben können“, so Thomas Langen.


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