Jodel, Twitch und Co.

Alternative Online-Marketingkanäle, die Sie kennen sollten

mirelabk

Eine erfolgreiche Marketing-Aktion startet damit, dass zur Zielgruppe passende Portal auszuwählen. Foto: ©mirelabk/Depositphotos.com

Doch bevor jetzt wahllos Instagram, Snapchat und Co. in den Marketing-Mix geworfen wird, sollte analysiert werden, wo die Buyer Persona tatsächlich anzutreffen ist. Dieser Beitrag stellt einige unbekanntere Kanäle für das B2C-Marketing mit der Zielgruppe der Digital Natives vor.

Die App Jodel

Die App Jodel lädt dazu ein, kurze Texte zu posten – und das vollständig anonym. Sehen und Kommentieren können die Beiträge ausschließlich User, die sich in einem Umkreis von bis zu 10 km befinden. Die Inhalte sind so kunterbunt gemixt wie die Anwender, manche Beiträge enthalten nützliche Tipps, andere wiederum mehr oder weniger lustige Witze und wieder andere befassen sich mit Dingen, die gerade passiert sind oder aktuell geschehen. Zu Anfang verbreitete sich die Software unter Studenten, und auch heute noch ist es realistisch anzunehmen, dass die meisten User gerade eine Uni oder Fachhochschule besuchen. Konkrete Daten dazu gibt es allerdings nicht, eben weil es sich bei Jodel um eine anonyme App handelt.

Was lässt sich mit einer Plattform anfangen, die eine derart geringe Reichweite besitzt? Eine ganze Menge! Vor allem in Großstädten ansässige lokale Unternehmen können, wenn sie es geschickt anstellen, ausgiebig von Jodel profitieren. Allerdings sollte die Werbung, wie immer im Bereich Social Media, nicht allzu plump daherkommen, sondern in einer hübschen Story verpackt sein. Vor allem aktuell stattfindende Sonderaktionen von Supermärkten, Restaurants und Bars lassen sich auf diese Weise promoten, damit die in der Nähe befindlichen Nutzer schnell mal vorbeikommen und ein bisschen das Geschäft ankurbeln können.

Welche Firmen Jodel bereits auf diese Weise nutzen, ist nicht bekannt, denn niemand hinterlässt in diesem Netzwerk seinen Namen. Insgesamt handelt es sich um eine einfache und praktische Gelegenheit, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ohne sich dabei als werbendes Unternehmen outen zu müssen. Wer wie ein ganz normaler User klingt, der nur freundlich auf eine günstige Gelegenheit aufmerksam machen möchte, dürfte hier die besten Karten für sich verbuchen.

Die Plattform Twitch.tv

Die Plattform Twitch.tv greift den allgemeinen Trend zum Live-Streaming auf, gleich zu Anfang nahmen jede Menge Gamer dieses verlockende Angebot an. Denn wer sich tage- und wochenlang ausführlich mit einem Spiel beschäftigt, der hat im Normalfall durchaus etwas vorzuweisen, das er anderen zeigen kann. Die Zuschauer setzen sich sowohl aus Newbies zusammen, die gerade versuchen, ins Spiel hineinzukommen, als auch aus erfahrenen Spielern, die die »Konkurrenz« im Auge behalten und sich frische Anregungen holen möchten. Inzwischen wird auf dieser Plattform eSport-Gaming aller Art ganz großgeschrieben: Einschlägige Unternehmen sollten die Chance ergreifen, diese Tatsache geschickt für sich zu nutzen, zumal sich Twitch bezüglich der User-Gunst deutlich im Aufwind befindet. Amazon investierte nicht ohne Grund vor drei Jahren etwa eine Milliarde Dollar, um sich die Anrechte auf dieses interessante Projekt zu sichern!

Zu den Live-Streams im Gaming-Bereich gesellen sich inzwischen auch themenbezogene Talkshows und Live-Berichte von Spielemessen. International agierende Unternehmen nutzen diese Optionen bereits mit großem Erfolg: PokerStars, als größter digitaler Raum weltweit, präsentiert regelmäßig seine Live-Events; am Tisch sitzen unter anderem auch die Stars und Sternchen der Kartenspielerszene. Mit dem Spielegiganten Blizzard handelt Twitch sogar einen hochdotierten Lizenzvertrag aus, der dem Videoportal das Recht sichert, 20 große eSport-Events von 2017 bis 2018 exklusiv zu übertragen: Dieser Deal wird sicherlich beiden Firmen mehr als reichlich zugutekommen! Der eSport-Gigant ESL stößt ins selbe Horn, er wählte Twitch als exklusiven Streaming-Partner mit mehrjährigen Verträgen. Wenn die Großen diesen Kanal derartig erfolgreich nutzen, dann gelingt es den Kleinen sicherlich auch.

Die reichlich verwöhnten User sind allerdings nur mit wirklich sehenswerten Inhalten zu ködern, die eine gewisse Qualität sowie Authentizität besitzen und vielleicht sogar noch einen spannenden Überraschungsmoment bereithalten: Für geübte Content-Produzenten mit Kreativität und Esprit dürfte dies jedoch kein Hindernis darstellen. Und dann heißt es wie immer: dranbleiben, ein eigenes Image kreieren, verschiedene Formate nutzen und immer wieder die persönlichen Alleinstellungsmerkmale zu nutzen wissen.

Das Portal Musical.ly

Das Portal Musical.ly gehört zu den jüngsten Errungenschaften des World Wide Webs, es entstand erst vor etwa drei Jahren und wächst seitdem stetig an. Allein in Deutschland hat die App inzwischen weit mehr als 8 Millionen Nutzer zu verzeichnen, weltweit waren es im letzten Jahr schon 140 Millionen. Die Fans dieser Plattform nennen sich »Muser«, sie liefern kreative Full-Playback-Shows aller Art, indem sie zu Musik oder Filmzitaten die Lippen bewegen und dabei oftmals vollen Körpereinsatz bringen. Die Videos sind anschließend noch bearbeitbar, bevor die stolzen Darsteller sie veröffentlichen. Das Teilen auf anderen Social Media Plattformen ist dabei ausdrücklich erwünscht. In regelrechten Muser-Turnieren treten die Nutzer unter einem speziellen Hashtag gegeneinander an, um herauszufinden, wer der beste unter ihnen ist.

Mittlerweile haben sich bereits einige starke Influencer mit Millionen von Fans etabliert, deren Reichweite sich für Werbeaktionen nutzen lässt. Das Unternehmen Otto gehörte zu den ersten großen Strategen, die auf Musical.ly ein gemeinsames Projekt mit einem erfolgreichen Muser durchführten: Der Influencer Jonah Pschl forderte für Ottos Online-Shop »About You« sämtliche Fans zu einem Musical-Wettbewerb auf, als Belohnung lockte ein 200-Euro-Gutschein. Coca Cola ergriff ebenfalls bereits die Gelegenheit und mobilisierte mit seinem #ShareACoke Turnier etwa 140.000 Muser zum aktiven Mitmachen. Da die App direkt mit dem Social-Media-Riesen Instagram verknüpft ist, ergibt sich wie von selbst eine enorme Reichweitenvergrößerung, die genutzt werden will.

Fachleute erwarten, dass die Plattform auch in den nächsten Jahren kräftig wächst und ihr Potenzial weiter vergrößert. Der größte Vorteil liegt wahrscheinlich darin, dass die Muser selbst hoch kreativ sein können, sodass mancher zugkräftige Beitrag entsteht, den sich ein erfahrenes Marketing-Team nicht besser hätte ausdenken können. Die aktiven Mitmacher erreichen so wie von selbst zahlreiche passive Zuschauer, die sich inspirieren und hoffentlich auch für die angepriesenen Produkte begeistern lassen.

Jeder Marketingkanal hat seine eigenen Vorteile

Die genannten Marketingkanäle bieten allesamt ihre ganz eigenen Reize, sowohl für die Nutzer als auch für die dort Werbenden. Eine gelungene Marketing-Aktion startet wie immer damit, dass zur Zielgruppe passende Portal auszuwählen und sich eine passive Eingewöhnungszeit zu gönnen. In dieser ersten Phase gilt es festzustellen, wie genau die Beiträge gewöhnlicher User aussehen, welche Inhalte besonders großen Anklang finden und welche Tonalität vorherrscht. An diesen Parametern orientiert sich dann das erste Marketing-Projekt, nahtlos eingebettet in den bereits vorhandenen Content, doch im besten Fall mit dem gewissen Etwas, das möglichst viel positive Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Und nicht vergessen: Gelungene Werbung sollte den User zuallererst als Mensch, und nicht als Konsument ansprechen; nur dann fühlt er sich wirklich ernstgenommen und zeigt positive Reaktionen. Die Emotionen spielen dabei eine wichtige Rolle, in manchen Fällen will aber auch der Verstand hinreichend bedient werden: Gefühlvolle und witzige Momente sind am ehesten auf Musical.ly zu erwarten, während anspruchsvolle Tutorials zur Wissensvermittlung ihren Platz bei Twitch.tv finden. Der geringste Aufwand ist bei Jodel zu erwarten, hier reichen oftmals nur ein paar gezielte Worte, um spontan das Geschäft anzukurbeln.


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