Personal

Wie Manager ihre Führungsfähigkeit in der Krise stärken können

Der Begründer der modernen Organisationsentwicklung und Unternehmenskultur Edgar Schein, Professor (Emeritus) an der Sloan School of Management/MIT, kritisiert, dass Führungskräfte oft Hilfe und Unterstützung ausschlagen und zu sehr auf ihre eigenen Fähigkeiten vertrauen. Auf einer Veranstaltung der Bertelsmann Stiftung in Berlin forderte er die Manager auf, stärker die Fähigkeiten und Erfahrungen ihrer Mitarbeiter nutzen. Angesichts einer wachsenden Komplexität, dem rasanten technischen Fortschritt, der steigenden kulturellen Diversität, den drängenden globalen Problemen und der sozialen Verantwortung bräuchten Unternehmen und Organisationen eine Neuorientierung von Führung.

Neues Verständnis des Helfens

Profesor Edgar Schein hat in den vergangenen Monaten einen Strategieansatz entwickelt, mit dem nach seiner Ansicht zukünftig Unternehmen und Organisation widerstandsfähiger gegen innere und gegen äußere Krisen gemacht werden können. Im Mittelpunkt steht ein neues Verständnis des Helfens. „Selber helfen, aber auch Hilfe zulassen. Manager müssen lernen, in persönlichen Beziehungen, Teams und Organisationen Hilfe professionell anzubieten, effektiv zu leisten aber auch vertrauensvoll anzunehmen. Die Fähigkeit, beides zu leisten, macht die Kernkompetenz von Führungskräften aus. Damit ist sie auch in der Lage, Mitarbeiter effektiv durch Veränderungsprozesse zu begleiten und Ziele erreichen“, so der Wissenschaftler.

Partnerschaftliche Unternehmenskultur

Der Chef von morgen könne die Ziele, die Mitarbeiter erreichen müssen, einerseits sehr klar formulieren, sollte aber selbst auch bereit sein, beim Erreichen der Ziele zu helfen. Er steuere nicht nur Ressourcen, Anleitung, Feedback und Rat bei, sondern biete auch andere Formen der Hilfe an, die die Mitarbeiter brauchen. Allerdings könne sich derjenige, der von einem Mitarbeiter um Hilfe gebeten werde, auch nicht den Problemen des helfenden Prozesses entziehen. „Ein erfolgreiches Unternehmen lebt davon, dass es im Rahmen einer partnerschaftlichen Unternehmenskultur Mitsprache und Beteiligung, Kommunikation und das Miteinander fördert. Delegation von Verantwortung bedeutet aber auch, Unterstützung einzufordern und anzunehmen.“ – beschreibt Martin Spilker, Director Unternehmenskultur der Bertelsmann Stiftung, die Anforderungen an die Führung im globalen Wettbewerb.

Abweichende Praktiken verstehen lernen

Wichtig für erfolgreiche Veränderungen sind für Schein Führungskräfte, die die Normen, Traditionen und abweichenden Praktiken der Gruppe oder Abteilung verstanden haben. Vorgesetzte müssten sich sowohl auf die Kultur der Gruppe einlassen, das heißt, Hilfe annehmen, aber auch der Gruppe insgesamt und einzelnen Mitgliedern helfen können, wenn die Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert sind. Es reiche nicht, einfach als Vorgesetzter und Experte aufzutreten.


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