Personal

Eine Million Zeitarbeitnehmer in Deutschland 2010

Die Literaturwissenschaftlerin und PR-Fachfrau Britta Steffen wird künftig als Mitarbeiterin des Personaldienstleisters Manpower für einen Medien-Verband in der Hauptstadt tätig sein.  „Der unbefristete Arbeitsvertrag, den wir symbolisch als den millionsten Arbeitsvertrag 2010 unterzeichnet haben, macht deutlich, dass die Zeitarbeit boomt. Die dringend benötigte internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen am Standort Deutschland wird zu einem Großteil durch die Flexibilität geschaffen, die das Modell Zeitarbeit bietet“, so Kerstin Hattar, Mitglied der Manpower Geschäftsleitung.

Wachsende Branche will Mindestlohn

Die Schallmauer von einer Million Arbeitsverträgen wurde schneller durchbrochen als ursprünglich erwartet. Nach einem Einbruch während der Wirtschaftskrise wächst die Branche seit dem 2. Quartal 2009 wieder kontinuierlich. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft gab es in diesem Oktober bereits 923.000 Zeitarbeitnehmer in Deutschland. Das entspricht einem Anstieg von rund 40 Prozent seit Januar 2010 bzw. einem durchschnittlichen monatlichen Plus von mehr als vier Prozent. Die Branche erwartet für 2011 weiterhin ein zweistelliges Wachstum.

Einen nachhaltig fördernden Einfluss auf das Ansehen der Zeitarbeit haben unter anderem das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) und der 2004 in Kraft getretene Tarifvertrag der Zeitarbeitsverbände BZA/IGZ mit den DGB-Gewerkschaften. Gemeinsam fordern die Tarifpartner, Arbeitnehmerüberlassung in das Entsendegesetz zu übernehmen und damit einen Mindestlohn einzuführen. „Wir müssen das Image weiterentwickeln, deutlich machen, was unsere Branche leistet, und die Arbeitnehmerüberlassung vor Missbrauch schützen. Der Tarifvertrag mit den DGB-Gewerkschaften ist ein effektives Instrument, dieses Ziel zu erreichen“, ergänzt Hattar.

Nach Meinung von Experten hat der Arbeitsmarkt in Deutschland durch Personaldienstleister an Flexibilität gewonnen. Zum einen, weil Reformen den Arbeitgebern bei Personalanpassungen mehr Möglichkeiten einräumen. Zum anderen, weil Personalentscheider aufgrund guter Erfahrungen die Lösungen wie Arbeitnehmerüberlassung und Projektarbeit nutzen. Ein weiteres Plus der Zeitarbeit zeigte sich während der Krise: Die puffernde und schützende Wirkung für die Stamm-Mitarbeiter in den Kundenunternehmen.

Gute Chancen für Spezialisten

„2010 haben bei Manpower ca. 35.000 Menschen einen neuen Job erhalten. Je nach Qualifikation werden zwischen 20 und 30 Prozent später vom Kundenunternehmen übernommen“, so Kerstin Hattar weiter. Aktuell sucht Manpower bundesweit über 1.600 Bewerber – für nahezu alle Branchen und Qualifikationsniveaus. Der Vertrag mit Britta Steffen symbolisiert auch einen Wandel der Arbeitnehmerüberlassung. Im Vergleich zu früheren Jahren „nimmt der Anteil der Spezialisten, Akademiker und Fachkräfte deutlich zu“, erläutert Thomas Koch, Niederlassungsleiter von Manpower am Kurfürstendamm in Berlin.

Auf Zeitarbeit entfallen in Deutschland weniger als zwei Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse. Dieser Wert liegt unter dem europäischen Durchschnitt von über 2,5 Prozent. In Großbritannien arbeiten rund fünf Prozent der Beschäftigten in der Arbeitnehmerüberlassung, in Belgien, Frankreich und den Niederlanden liegt der Anteil deutlich über zwei Prozent.


1Kommentare

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  1. 1 David Wolf | 31. Dezember 2010

    Bravo! Oder wie soll man die Überschrift sonst interpretieren? Ein Grund zum Feiern? Für die Überlassungsunternehmen schon, doch für viele Arbeitnehmer gerade nicht. Wohlklingende Übernahmequoten von bis zu 30 Prozent scheinen jedenfalls nicht realistisch: http://www.zeit.de/2010/42/Festangestellte-Leiharbeiter?page=1
    Und dann sollten auch die zahlreichen zwischenmenschlichen Probleme im Unternehmen, im Team, im Büro, die Zeit- bzw. Leiharbeit mit sich bringen, nicht außer Acht gelassen werden: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Arbeitnehmer von der Stammbelegschaft oft so behandelt werden, wie sie entlohnt werden: Als Mitarbeiter zweiter Klasse. Da wird misstrauisch beäugt, subtil ausgegrenzt.

    Zeitarbeit zur Spitzenüberbrückung ja. Zeitarbeit zur Schaffung einer unterbezahlten Quasi-Stammbelegschaft nein!