Wirtschaft & Politik

Ehemalige Siemens-Topmanager erneut im Fadenkreuz der Schmiergeldfahnder

Siemens hat den Korruptionsskandal offenbar noch nicht ganz ausgestanden. Einem Zeitungsbericht zufolge drohen ehemaligen Topmanagern des Dax-Konzerns weitere Gerichtsverfahren in den USA und Deutschland. Die amerikanischen Ermittler hätten dabei einen Kreis von 40 Managern um den Ex-Vorstand Heinrich von Pierer im Visier, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) in ihrer Ausgabe vom Donnerstag berichtet.

Mit großem Aufwand recherchierten die Fahnder vom US-Justizministerium und der Börsenaufsichtsbehörde SEC in der Schmiergeldaffäre des Elektronikkonzerns. Im Mittelpunkt stehe dabei unter anderem ein Riesenauftrag über fälschungssichere Ausweise, den die damalige argentinische Regierung an Siemens vergeben habe. Bestechungsgelder in Millionenhöhe sollen geflossen sein, ohne dass je ein Auftrag zustande gekommen sei. Die Beschuldigten streiten die Vorwürfe jedoch ab, schreibt die Süddeutsche Zeitung weiter.

Auch Münchener Staatsanwaltschaft wird aktiv

Zurzeit rüstet sich nun auch die Münchener Staatsanwaltschaft für eine Anklage gegen Uriel Sharef, der damals im Zentralvorstand von Siemens für die Südamerika-Geschäfte zuständig war. Auch dem ehemaligen Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger könnte noch in diesem Jahr eine Anklage zugestellt werden, wie die Zeitung weiter schreibt. Doch zuvor muss sich am 20. Januar Thomas Ganswindt, ehemaliges Mitglied des Siemens-Zentralvorstands, vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, von Schmiergeldzahlungen gewusst zu haben und nichts dagegen unternommen zu haben.

Von Pierer bestreitet unterdessen weiterhin, von Schmiergeldern im Hause Siemens gewusst zu haben. Kommenden Montag wird er seine Autobiographie „Gipfel-Stürme“ der Öffentlichkeit vorstellen und sich darin auch zur Korruptionsaffäre äußern. Im vergangenen Jahr hatte er einen Bußgeldbescheid der Münchner Justiz akzeptiert und nach SZ-Informationen eine Viertelmillion Euro gezahlt; die Summe war bisher nicht bekannt gewesen. Zwar hatten sich das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht vor gut zwei Jahren mit Siemens gegen Zahlung von 800 Millionen Dollar auf einen Vergleich geeinigt. Doch das betraf nur das Unternehmen. Eine Vertragsklausel legte fest, dass die US-Behörden weiter gegen einzelne Personen ermitteln dürfen.

(BörseGo)


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