Personal

Das Johari-Fenster

Viele sind auch unangenehm überrascht, wenn sie die eigene Stimme auf einem Anrufbeantworter hören oder sich auf einem Video hören und sehen. Die eigene Stimme klingt merkwürdig, das persönliche Auftreten wird als fremd und unwirklich erlebt.

Wer jedoch mit anderen kommunizieren und seine Meinung zum Ausdruck bringen will, benötigt eine realistische Selbsteinschätzung. Gerade für Führungskräfte ist es wichtig zu wissen, wie ihre Sprache und ihr Auftreten insgesamt in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Als Orientierungshilfe kann hier das so genannte JOHARI Fenster dienen, seit Jahrzehnten ein anerkanntes Modell in der sozialpsychologischen Forschung. Das grafische Fenster, welches das Verhältnis von Selbst- und Fremdwahrnehmung veranschaulicht, wurde von den amerikanischen Sozialwissenschaftlern Joe Luft (=JO) und Harry Ingham (= HARI) bereits in den fünfziger Jahren entwickelt

Das Johari-Fenster teilt unsere Verhaltensweisen in folgende 4 Bereiche ein:

Quadrant A ist der Bereich des Verhaltens, der uns selbst bewusst und vertraut ist. Wir kennen diese Verhaltensweisen und wissen, wie diese von Außenstehenden wahrgenommen werden. So wundern wir uns beispielsweise nicht, wenn wir als Hesse oder Bayer entlarvt werden, weil uns bewusst ist, dass uns die Dialektfärbung verrät. Auch wenn uns jemand als temperamentvolle und extrovertierte Persönlichkeit bezeichnet, so ist uns diese Einschätzung vertraut, denn sie ist uns schließlich selbst bekannt.

Quadrant B bezeichnet den Bereich des Verbergens. Wir alle haben gelernt, bestimmte Verhaltensweisen zu verstecken. So gestehen wir uns beispielsweise selbst ungern ein, dass wir Angst vor der Dunkelheit oder bestimmten Menschen haben. Es sind die stillen Winkel der Seele, in die man anderen keinen Einblick gewähren möchte. In diesem Bereich schlummern also Verhaltensmuster und Eigenschaften, die nur uns selbst vertraut und sonst niemandem bekannt sind.

Quadrant C ist der Bereich des so genannten blinden Flecks. Dies bedeutet, andere Personen nehmen Dinge wahr, die wir selbst nicht sehen und die uns nicht bewusst sind. Man bemerkt beispielsweise nicht, dass man nervös mit den Fingern spielt, wenn man auf einen Kunden wartet; die Sekretärin dagegen registriert dies wohl.

Quadrant D wird tiefenpsychologisch dem Bereich des Unbewussten zugeordnet. Dazu zählen Verhaltensweisen und Aktivitäten, die uns selbst und anderen unbekannt sind. Daher sind hierzu auch keine weiteren Aussagen möglich. Sicher gilt jedoch: Eine Bearbeitung dieses Bereichs sollte man nur mit entsprechender therapeutischer Unterstützung beginnen.

Menschen gelangen immer dann zu einer realistischeren Selbsteinschätzung, wenn eine Veränderung der drei Quadranten A, B und C stattfindet. Im offenen, gegenseitigen Austausch und durch ein ehrliches Feedback können die eigenen, blinden Flecken nach und nach kleiner werden und verblassen.

Quelle: Ruth Pink – Souveräne Gesprächsführung und Moderation, ISBN: 3593368269


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