Personal

Viele Unternehmen unterschätzen Datenmissbrauch

Demnach regeln zwar rund 87 Prozent der Unternehmen den Umgang mit Internet und E-Mail am Arbeitsplatz. Aber mehr als 75 Prozent kontrollieren nicht regelmäßig, ob diese Regeln auch eingehalten werden. Compliance-Programme, die zur Überwachung von gesetzlichen Vorschriften und betrieblichen Richtlinien dienen, gibt es nur in etwa der Hälfte der Unternehmen, 52 Prozent der Unternehmen haben bisher noch keine Compliance-Programme etabliert. 118 Personalmanager/innen aus deutschen Unternehmen haben für diese Studie Fragen zu Datendiebstahl, Computermissbrauch und Fehlverhalten von Mitarbeitern aus technischer und juristischer Sicht beantwortet. „Laut der Studie sind sich Unternehmen der zunehmenden Risiken von Datendiebstahl und Computermissbrauch noch nicht ausreichend bewusst“, so Dr. Antje-Kathrin Uhl, Partnerin bei CMS Hasche Sigle. „Um sich zu schützen, sollten sie die rechtlichen und die technischen Möglichkeiten kennen und bereits im Vorfeld geeignete Maßnahmen einleiten.“

Täter aus eigenen Reihen betreiben Datenmissbrauch

„Die Gefahr, Opfer von Computerkriminalität zu werden, ist für Unternehmen durchaus real“, so Reinhold Kern, Director Computer Forensics bei Kroll Ontrack. „Die Kriminalstatistik 2009 weist fast 75.000 Fälle aus, mit steigender Tendenz. Oft entwenden, sabotieren oder manipulieren Täter aus den eigenen Reihen die Daten. Unsere Studie zeigt, dass Unternehmen sich gegen Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter noch stärker absichern müssen.“ Laut der Befragung haben zwar 87 Prozent der Unternehmen Regelungen zum Umgang mit Internet und E-Mail aufgestellt, 88 Prozent blockieren bestimmte Websites, beispielsweise Erotikseiten. Bemerkenswerterweise kontrolliert die große Mehrheit der Unternehmen (77 Prozent) aber nicht, ob die aufgestellten Regeln auch wirklich eingehalten werden.

Ohne Kontrollen bleiben Richtlinien allerdings ein stumpfes Instrument. Viele Unternehmen dulden private Internetnutzung. Wenn Mitarbeiter aber übermäßig viel privat surfen oder vertrauliche Informationen nach außen tragen, geben nur regelmäßig kontrollierte (Betriebs-)Vereinbarungen eine Handhabe, um dagegen vorzugehen. Erheblichen Nachholbedarf zeigt die Studie auch im Bereich Compliance auf: Etwa die Hälfte der befragten Unternehmen (48 Prozent) hat kein Compliance-Programm für Vertrieb und Wettbewerb oder HR. Dem entsprechend gibt es auch nur in 46 Prozent der Unternehmen einen Compliance-Beauftragten, der ein solches Programm überwacht. Damit setzen sich die Unternehmen erheblichen Risiken aus: Denn Compliance-Programme sollen gewährleisten, dass sich ein Unternehmen gesetzeskonform verhält, also zum Beispiel Vorschriften zu Arbeitsschutz und Datenschutz einhält. Bei einem Verstoß drohen dem Unternehmen hohe Geldstrafen, teilweise haften auch die Verantwortlichen persönlich. Mit einem Compliance-Programm können sich Unternehmen hiergegen absichern. Für den Fall, dass Mitarbeiter sich tatsächlich illegal verhalten, sind die befragten Unternehmen ebenfalls schlecht vorbereitet: Eine „Whistleblowing-Hotline“, also eine Instanz, über die Mitarbeiter Fehlverhalten melden können (auch anonym), gibt es nur in 37 Prozent der Unternehmen. Einen Notfallplan oder eine Eskalationsrichtlinie bei Verdacht auf illegale Handlungen hat weniger als die Hälfte der Unternehmen eingerichtet, nämlich nur 44 Prozent.


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