Wirtschaft & Politik

Deutsche Verbraucher rücken von der Atomkraft ab

Die Atomenergie hat durch die Reaktorkatastrophe in Japan weiter an öffentlichem Ansehen verloren. Im Januar erachtete noch mehr als jeder zehnte Energieentscheider in deutschen Privathaushalten diese Form der Energiegewinnung aus Gründen der Versorgungssicherheit und CO2-Minimierung für zukunftsfähig. Diese ohnehin schon geringe Zustimmung in der Bevölkerung ist nach dem Reaktorunglück in Japan nun nahezu vollständig zurückgegangen. Aktuell halten nur noch vier Prozent Investitionen in diese Form der Energiegewinnung aus Klimaschutzgründen für erforderlich. Auch die Sicherstellung der Stromversorgung ist nur für eine kleine Minderheit von fünf Prozent ein Argument, die Atomenergie auch künftig zu nutzen. Interessant sind dabei die regionalen Unterscheide in der Beurteilung der Kernenergie. Während im alten Bundesgebiet nur noch knapp vier Prozent der Bürger die Kernkraft als zukunftsfähige Technologie ansehen, um die Energieversorgung sicherzustellen, ist in den neuen Bundesländern noch immerhin jeder Zehnte hiervon überzeugt.

Erneuerbare Energien beliebter als Atomkraft

Parallel zur Abkehr von der Kernkraft in Deutschland steigt die bereits hohe Zustimmung für ein verstärktes Engagement im Bereich der erneuerbaren Energien weiter an. Die Bevölkerung sieht vor allem aus ökologischen Gründen eindeutig regenerative Energiequellen auf dem Vormarsch. Sonnen- und Windenergie sind dabei die großen Favoriten im zukünftigen Energiemix für Deutschland. Dabei nimmt die Solarenergie (Photovoltaik und Solarthermie) mit aktuell 86 Prozent den Spitzenplatz ein (Januar: 83 Prozent). Dahinter folgt auf dem zweiten Platz die Windenergie mit 80 Prozent Zustimmung (Januar 72 Prozent). Die für die Stromerzeugung im Moment zweitwichtigste regenerative Energiequelle in Deutschland, die Wasserkraft, erlebt aktuell eine Renaissance in der Gunst der Bevölkerung. Etwa zwei Drittel der Befragten halten weitere Investitionen in Wasserkraftwerke für zukunftsfähig. Vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima lag dieser Wert noch bei etwa 50 Prozent.

Kohle kein Energieträger der Zukunft

Die Meinung der Befragten zu den Energiequellen Biomasse beziehungsweise Biogas hat sich dagegen wenig verändert. Sowohl vor als auch nach dem Atomunfall in Japan befürwortet etwa ein Drittel der Deutschen den Ausbau dieses Energieträgers. Die zukünftige massive Nutzung von Agrarflächen und -produkten für die Energieerzeugung findet damit aktuell keine Mehrheit. Auch der bereits öffentlich diskutierte Ausbau der Kohleverstromung als Alternative zur Kernenergie wird derzeit von den Bürgern nicht unterstützt. Nur 11 Prozent der Befragten halten verstärkte Investitionen in Kohle für geboten. Fossile Energieträger sind daher aus Sicht der Verbraucher kein geeigneter Ersatz für die Kernkraft.


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