Personal

Deutsche haben kein Problem mit Teilzeit-Chefinnen

Denn das fachliche und persönliche Wissen, eine Führungsposition zu übernehmen, trauen die Bundesbürger den Frauen allemal zu. Für zwei von drei Deutschen macht es keinen Unterschied, ob sie von einer Frau oder einem Mann geführt werden. Noch ist allerdings nicht einmal jede vierte Führungsposition im mittleren Management mit einer Frau besetzt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage der Personalberatung Rochus Mummert.

„Unternehmen, die für qualifizierte Frauen als Arbeitgeber attraktiv sein möchten, sollten sich beeilen, Führungskultur und Führungsprozesse auf Teilzeitmodelle auszurichten“, sagt Bernhard Walter, Senior-Berater bei der Unternehmens- und Personalberatung Rochus Mummert. „Dabei geht es nicht um die Erfüllung wie und von wem auch immer berechneter Frauenquoten, sondern um das ureigene Interesse der Firmen, im Kampf um die besten Köpfe auch auf alle Köpfe zugreifen zu können. Die Definition von Arbeitgeberattraktivität hört in diesem Zusammenhang eben nicht beim Betriebskindergarten auf, sondern umfasst genauso das Aufzeigen klarer Karriereperspektiven.“

Noch liegen Wunsch und Wirklichkeit allerdings weit auseinander. Nach einer aktuellen Analyse von Rochus Mummert ist derzeit nur knapp ein Viertel der Jobs auf der zweiten und dritten Führungsebene in deutschen Unternehmen mit Frauen besetzt. „Während sich also die öffentliche Diskussion um eine –egal wie sinnhafte – Frauenquote für Vorstandsgremien und Aufsichtsräte dreht, fehlt oftmals schlichtweg der notwendige Unterbau im mittleren Management“, sagt Walter. „Die Tatsache, dass nur noch jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer Männer für die besseren Chefs hält, sollte da doch Motivation genug sein, dieses Missverhältnis endlich anzugehen.“

Neben der demografischen Entwicklung setzt die schwindende Mitarbeiterloyalität die Unternehmen zusätzlich unter Druck. Jeder dritte Arbeitnehmer plant, 2011 seinen Arbeitgeber zu wechseln. „Bis heute wird der Führungskräftemangel in der Regel als rein quantitatives Problem diskutiert. Die nachlassende Bindungswirkung von Institutionen, wie sie etwa schon in der Politik (mehr Wechselwähler) oder bei Sport- und sonstigen Vereinen (weniger Ehrenamtliche) zu beobachten ist, wird Unternehmen aber dazu zwingen, künftig stärker an ihrer Attraktivität als Arbeitgeber zu arbeiten“, sagt Rochus-Mummert-Experte Walter. „Dass das Teilzeit-Plädoyer der Deutschen übrigens nicht nur für weibliche, sondern auch für männliche Führungskräfte gilt, ist dafür ein guter Beleg.“


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