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Gute Präsentationen überzeugen

Wichtig ist der Aufbau für eine gute Präsentation. Die Mehrheit startet mit zunächst unwichtigen Inhalten, verrät schon auf der Titelfolie den Höhepunkt und verliert sich in unendlichen Details. Beginnen Sie ganz anders, denn in den ersten Sätzen entscheidet sich jeder Zuhörer automatisch, ob ihn das Folgende neugierig interessiert oder er auf „Langeweile-Modus“ schaltet. „Auf keinen Fall,“ so Moesslang, „dürfen Sie zu Beginn schon verraten, was Ihr Highlight ist!“ Doch was das Highlight ist, legen viele nicht einmal fest. Und selbst wenn es kein wirkliches Highlight geben sollte, suchen Sie etwas, das Sie als Ihr Highlight präsentieren können. Doch heben Sie es auf bis zum Höhepunkt, auf den sich alles zuspitzt.

Selbst wenn Ihre Zuhörer längst im Vorfeld erfahren haben sollten, worum es geht, machen Sie es spannend und erwähnen das Highlight nur indirekt. Die Aussage: „Ich werde Ihnen gleich unser vollkommen neues Verfahren vorstellen. Ein Verfahren, das unserer Meinung etwas Besonderes ist, das so noch niemand zuvor eingesetzt hat. Doch zuvor zeige ich Ihnen auf, wie …“ macht Ihre Präsentation spannend und Ihre Zuhörer neugierig. Denn jetzt will jeder wissen, um welches Verfahren es sich handelt. Doch Sie verraten es natürlich noch nicht. Im Gegenteil, Sie halten die Spannung hoch, indem Sie erst nochmal abschwenken und für ein, zwei Minuten auf etwas anderes eingehen. Das kann die Entwicklungsgeschichte, das frühere Modell oder der Anlass für die Entwicklung sein. Diese Verzögerung nennt man in der Filmsprache „Tension“. Denn Sie kennen das aus nahezu jedem Film: Vorfreude wird erzeugt und damit gespannte Aufmerksamkeit.

Konflikte sind Teil einer guten Präsentation

Ebenfalls von Film – oder nahezu jeder Geschichte – können Sie die Plot Point-Methode für Ihre Präsentation übernehmen. Diese dient dazu eine Dramaturgie, einen Spannungsbogen zu erzeugen. Im Film laufen Handlungen in etwa so ab: Zwei verlieben sich, ein Nebenbuhler und ein Missverständnis zerstören das Glück, das Missverständnis wird aufgeklärt und die beiden kriegen sich doch. Dahinter steckt eine einfache Methode:

Setting: Im ersten Teil bauen Sie einen Bezug zwischen Ihrem Publikum und dem Thema auf, sprechen über die Aufgabe und das Ziel.

1. Plot Point und Konflikt: Nun folgt der erste Wendepunkt, Plot Point genannt – es taucht ein Konflikt auf. Jede Präsentation hat einen Anlass. Richtig dargestellt ist dieser meist der Konflikt. Oder gibt es einen noch größeren, dem Zuhörer bisher unbekannten Konflikt? Der Kunde braucht ein Konzept von Ihnen, um mehr Umsatz zu erzeugen; die beiden Abteilungen verhandeln um Mitarbeiter, die beide benötigen; oder die Entscheidung für einen neuen Standort ist teurer als erwartet und birgt auch noch politischen Sprengstoff. All das sind mögliche Konflikte, die durch diese Wendung erstehen.

Mittelteil: Nun ist es Ihre Aufgabe eine Lösung für diesen Konflikt herbeizuführen. Doch was Sie auch aufzeigen – kurz vor der vermeintlichen Lösung geht die Rechnung nicht auf. Oder es taucht unmittelbar danach ein neues Problem auf.

Impuls von außen und 2. Plot Point: Erst gegen Ende wird der Konflikt schließlich gelöst. Idealerweise wird dies erst durch einen Impuls von außen möglich, denn sonst fragt sich der Zuhörer, warum Sie den Konflikt nicht gleich so gelöst haben. Dieser Impuls ist Auslöser für den zweiten Plot Point, der alles zum Guten wendet.

Höhepunkt: Nun folgt der Höhepunkt, bei dem Sie Ihr Highlight präsentieren.

Abschluss: Danach folgen höchstens noch Erklärungen zur Umsetzung oder es werden nächste Schritte festgelegt. Besonders geschickt ist es, wenn Sie dies alles vor dem Höhepunkt klären können und dadurch der Höhepunkt ganz zum Schluss kommt. So wie die Kussszene der beiden Liebenden im Sonnenuntergang.

Auch Bilder und Musik sind Teil einer guten Präsentation

Im Film liest nicht einfach jemand die Geschichte vor, die Geschichte wird mit Bildern in einer bestimmten Bildsprache, Schauspielern, Dialogen und Musik transportiert. Neben der inhaltlichen Ebene, dem Was, ist das die formale Ebene, das Wie. Ihre Bilder sind die Folien und – noch wichtiger – Ihre Körpersprache. Ihre Dialoge und Ihre Musik sind Ihre Formulierungen und Ihre Sprechweise und Stimme. Und die Regel ist ganz einfach: Monotonie zerstört nicht nur Spannung, sie erzeugt Müdigkeit. Deshalb ist es wichtig, dies zu trainieren. Die wenigsten schaffen es, sich bei einer Präsentation oder Rede darauf zu konzentrieren, ausreichend Körpersprache, Blickkontakt, Lächeln, gezielte Bewegung, Abwechslung in Sprechgeschwindigkeit und Tonhöhe und auch noch gezielte Sprechpausen einzusetzen. Denn fast die gesamte Konzentration richtet sich auf Inhalt, Publikum und womöglich die eigene Nervosität.

Der Körper muss dies automatisch tun, so Michael Moesslang. Nur durch Training – am besten vor dem Spiegel oder der Videokamera – gewöhnt sich der Körper langsam daran und macht es im Ernstfall von selbst und authentisch. Die tollste Dramaturgie bringt nichts, wenn sie monoton und langweilig vorgetragen wird. Die tollste Körpersprache und Sprechweise nutzen nichts, wenn der Inhalt nicht stimmig ist und eine Struktur fehlt. Doch ist alles richtig aufeinander abgestimmt, werden Präsentationen effizienter, es gelingt leichter Ihr Publikum zu überzeugen und man wird Ihnen viel lieber zuhören. Präsentieren kann Spaß machen – dem Präsentator und dem Publikum. Präsentieren Sie künftig spannend wie Hitchcock!

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Michael Moesslang

Über den Autor Michael Moesslang

Michael Moesslang, Dipl. Kommunikationswirt BAW, 5 Sterne Redner, Top 100 Excellence Trainer, Coach und Autor, ist der Experte für „PreSensation®“. Er aktivierte als Vortragsredner und Lehrbeauftragter - z. B. St. Galler Business School - bereits Zuhörer in über 1.000 Vorträgen und Präsentationen. www.Michael-Moesslang.de

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