Unternehmensführung

Korruption in Schwellenländern: Investoren stehen mit in der Verantwortung

„Wie gehen Sie mit Korruption in Ihrer Branche um?“, fragten wir den Vorstandsvorsitzenden eines neu gelisteten Unternehmens aus den Schwellenländern. Er seufzte: „Letztes Jahr heuerte einer unserer Wettbewerber einen lokalen Politiker an, der uns das Leben schwer machen sollte.

Gastkommentar von David Gait, Manager des First State Asia and Sustainability Fund und des First State Global Emerging Markets Sustainability Fund

“ Wir fingen an ihn zu bemitleiden. „Nein, nein. Das war kein Problem für uns.“ Nach einer Kunstpause fing er an zu grinsen: „Wir haben einen einflussreicheren Politiker engagiert.“

Verschiedene Arten von Korruption sind in den Schwellenländern zu finden und Investoren sind dafür mit verantwortlich. Es betrifft Investoren aus drei wichtigen Gründen.

Erstens stellt Bestechung ein direktes Investitionsrisiko dar. Verträge und Lizenzen, die unter obskuren Umständen erlangt wurden, laufen Gefahr in späteren Jahren ungültig zu werden.

Bereitschaft zur Korruption ist ein Hinweis auf die gesamte Unternehmenskultur

Zudem liefert die Anwendung von Korruption wichtige Hinweise auf die sonstige Unternehmenskultur. Wenn das Unternehmensmanagement bereit ist, mit so wenig Redlichkeit zu agieren, wie behandelt es dann Minderheitsaktionäre oder wie geht es mit kommunalen Behörden um? Drittens hemmt Korruption ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum und bremst damit auch die Aktienkursentwicklung.

Wir als Investoren dürfen die Augen nicht verschließen und müssen das Phänomen Korruption gründlich analysieren. Aus Unternehmenslenkern lassen sich bereits mit einfachen Fragen Antworten hervorlocken. Wenig seriöse Unternehmen sprechen überraschend offen über ihre Bereitschaft, Tricks anzuwenden.

Der Komplize der Korruption oft unsere eigene Gleichgültigkeit

Die zweite Herausforderung für Investoren besteht darin, die Ergebnisse der Korruptionsanalysen in Anlageentscheidungen einfließen zu lassen. Je eher die Unternehmen zu der Überzeugung kommen, dass Bestechung sich negativ auf die Kapitalkosten auswirkt, um so schneller werden sie damit aufhören.

In den vergangenen Jahren war es jedoch zahlreichen der Korruption verdächtigen Unternehmen gelungen, viel Kapital einzusammeln. Das liegt zum Teil daran, dass sich der Anlagehorizont der Investoren von Jahren auf Monate verkürzt hat.

Drittens müssen Investoren mehr tun, damit die Unternehmen sich verpflichten, Bestechung zu unterlassen. Im Sinne der Aktionäre zu handeln, wird von Firmen oft als Ausrede für Korruption verwendet.

Es heißt, dass der Komplize der Korruption oft unsere eigene Gleichgültigkeit ist. Es ist an der Zeit, dass die Investment-Industrie aufhört, so gleichgültig zu sein. Wenn wir unsere Augen offen halten, verringern wir nicht nur das Risiko, das Geld unserer Kunden zu verlieren, sondern spielen damit auch eine unverzichtbare Rolle beim Abbau der Korruption.


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