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Die Erfolgsfaktoren für Ihre gelungene Präsentation

Stoßen Sie dem Publikum nicht vor den Kopf

Ein Grundproblem beim Umgang mit dem Publikum bei Präsentationen liegt darin, dass es oft als Blitzableiter für eigene Ängste und Verspannungen herhalten muss. Mit dem Betreten der Rednerbühne steigt der Adrenalinspiegel des Redners schlagartig an. Stressreaktionen bahnen sich ihren Weg. Damit erscheint das Publikum plötzlich als feindliche Horde, der man allein und schutzlos gegenübertritt.

Immer wieder kann man Rednerinnen und Redner beobachten, die versuchen ihr eigenes Unwohlsein dadurch einzudämmen, dass sie das Publikum mit Vorwürfen konfrontieren, mit Fachkauderwelsch überschütten oder mit körpersprachlichen Angriffssignalen bombardieren. Andere Redner nehmen sich nicht das Publikum vor, sondern reagieren eher autoaggressiv. Sie richten den von ihnen wahrgenommenen Druck gegen sich selbst und bringen so ihre Rednerautorität erst ins Wanken und dann zum Einsturz.

Wenn Redner das Publikum oder einzelne Zuhörer angreifen, ist sehr klar ersichtlich, dass sie Druck auf die Zuhörerschaft ausüben und damit sich selbst entlasten wollen. Weniger offensichtlich ist es, wenn Vortragende zu subtileren Mitteln der Druckableitung greifen. Dabei kommt es recht häufg vor, dass Redner, die es nicht gelernt haben, mit dem Stress der Auftrittssituation umzugehen, dem Publikum den Schwarzen Peter zuschieben. Am häufigsten kommt es vor, dass Fachchinesisch eingesetzt wird, um das Publikum zu überfordern; mit ausdauernder Sturheit werden die Bedürfnisse der Zuhörer übersehen, Anregungen und Wünsche aus dem Publikum mit Unflexibilität gekontert und Angriffs- und Unsicherheitsgesten ins Publikum gerichtet.

Überheblichkeit kommt vor dem Fall

Schlimm genug, wenn Referenten ihr Publikum bei Präsentationen mit einer unverständlichen Fachsprache überschütten, den Vortrag durchreißen oder die Bedürfnisse der Zuhörer missachten. Oft werden diese Kardinalfehler auch noch von körpersprachlichen Kampfsignalen begleitet. Wer mit geschultem Blick die Körpersprache von Rednerinnen und Rednern analysiert, wird feststellen, dass dem Publikum häufig nonverbal der Krieg erklärt wird. Selbst wenn die eben genannten anderen Fehler gegenüber den Zuhörern nicht begangen werden, lässt sich aus der Körpersprache doch oft schließen, dass der Vortragende etwas gegen sein Publikum hat.

Die Zuhörer bekommen geballte Fäuste gezeigt, ihnen recken sich ausgestreckte Finger entgegen, sie bekommen die Stirn geboten, und ihnen wird mit Stiften oder Zeigestäben gedroht. Auch Zuhörer, die nicht körpersprachlich geschult sind, deuten diese Signale intuitiv als Einschüchterungsversuche. Sie merken schnell, dass der Redner sie kleinhalten will, da er Auseinandersetzungen befürchtet. Eine kooperative Atmosphäre lässt sich so natürlich nicht herstellen.

Entweder nimmt das Publikum die Kampfansage an, oder es lässt die Provokationen an sich abperlen. Damit ist dann leider auch die Gleichgültigkeit gegenüber den Vortragsinhalten verbunden. In jedem Fall isoliert sich der Redner und treibt einen Keil zwischen sich und die Zuhörerschaft. Der Versuch des Vortragenden, den von ihm empfundenen Druck an das Publikum weiterzugeben, kann leicht zum Bumerang werden.

Bricht erst einmal eine offene Konfrontation aus, beispielsweise indem durch kritische Anmerkungen aus dem Publikum zurückgeschossen wird, stehen die Chancen schlecht, dass der Vortragende die Redeschlacht ohne Blessuren überstehen wird.

Erfolgsfaktor: Sprachgebrauch

Um überhaupt zu einem angemessenen Sprachgebrauch zu kommen, ist es bei Präsentationen wichtig, von der Vorstellung Abschied zu nehmen, dass Sie Vorträge vom Blatt ablesen könnten. Die Schriftsprache folgt anderen Gesetzen als die mündliche Kommunikation. Ihre Ausführungen werden schnell zu komplex und unverständlich, wenn Sie mit komplett durchformulierten Vorträgen vor ein Publikum treten. Bauen Sie Ihr Manuskript lieber mit Stichworten auf. Hauchen Sie dann diesen Stichworten Leben ein, indem Sie frei um diese Erinnerungsstützen herum formulieren.

Der nächste Punkt ist, dass Sie Ihre Ausführungen lieber leicht verständlich als kompliziert fachmännisch halten sollten. Selbst vor einem Fachpublikum können Sie großen Anklang finden, wenn Sie Ihre Thesen allgemeinverständlich auf den Punkt bringen.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Sie Ihre Reputation durch möglichst komplizierte Formulierungen steigern könnten, im Gegenteil: Eine knappe, aber präzise Argumentation, die in sich schlüssig ist, überzeugt viel mehr als endloses Fachkauderwelsch. Insbesondere dann, wenn Sie wirklich etwas bewegen wollen, müssen Sie dem Publikum auch verständlich machen, worum es geht.

Erfolgsfaktor: Einfühlvermögen

Nehmen Sie Abschied von der falschen Vorstellung des allzeit aufnahmebereiten und hochkonzentrierten Publikums. Es ist völlig normal, dass Schwankungen in der Aufmerksamkeit auftreten. Einfühlsame Redner wissen, dass Zuhörer auch Zeit brauchen, um Gedanken zu verarbeiten. In Ihren Vorträgen sollten Sie deshalb das Publikum immer wieder in den Vortrag zurückholen.

Liefern Sie Zwischenzusammenfassungen, skizzieren Sie die wichtigsten Argumentationsketten wiederholt nach, betonen Sie Kernargumente und strukturieren Sie Ihren Vortrag so, dass sich leichtere Abschnitte in Ihrem Vortrag mit hochinformativen Passagen abwechseln.

Einzelne Zuhörer Ihrer Präsentation, die mit privaten Unterhaltungen für Unruhe sorgen, müssen Sie im Interesse der anderen Zuhörer direkt ansprechen. Bauen Sie keine unnötigen Feindschaften auf, indem Sie die Ruhestörer anblaffen. Stellen Sie Störer elegant kalt, beispielsweise so: Diskutieren Sie Ihre Anregungen doch mit mir und dem Rest des Publikums.

Achten Sie darauf, dass das Publikum überhaupt Ihren Ausführungen folgen kann. Beseitigen Sie Störungen, die auf die Zuhörer einwirken. Wenn Sie merken, dass Unruhe im Publikum entsteht, sollten Sie die Ursachen verbalisieren. Sprechen Sie Erschöpfungszustände, Sauerstoffmangel, Lichtverhältnisse oder störende Hintergrundgeräusche an. Ihre Redekompetenz zeigt sich auch daran, dass Sie Ihr Publikum vor negativen Einflüssen schützen und den Aufmerksamkeitsfaktor immer wieder stärken.

Erfolgsfaktor: Kompetenz

Stimmen Sie Ihr Publikum darauf ein, dass es sich lohnt, Ihnen zuzuhören. Stellen Sie Ihre eigene Kompetenz heraus, um deutlich zu machen, dass Sie etwas zum Thema zu sagen haben. Auch bei unternehmensinternen Vorträgen wird nicht jedem Zuhörer klar sein, welchen Arbeitsbereich Sie betreuen und um welche Projekte Sie sich vorrangig kümmern. Es genügt also nicht, nur den eigenen Namen und die Position im Unternehmen zu nennen. Geben Sie auch einen kurzen inhaltlichen Abriss Ihrer beruflichen Aufgaben.

Wenn Sie Ihr Unternehmen im Außenkontakt vertreten, ist es natürlich unverzichtbar, Ihren Expertenstatus herauszustellen. Bedenken Sie aber, dass Sie sich dann nicht im Kollegenkreis bewegen. Operieren Sie daher nicht mit Abkürzungen für Unternehmensbereiche, Projekte oder Arbeitsgruppen. Schaffen Sie in Ihrer Selbstdarstellung einen Bezug zum Vortragsthema. Machen Sie beispielsweise Ihre Problemlösungs- oder Beratungskompetenz deutlich.

Erfolgsfaktor: Körperhaltung

Ein Manager sagte einmal: Wer bei Präsentationen dasteht wie ein Fragezeichen, wird mehr Fragen aufwerfen als Antworten liefern können. Der Eindruck, den Sie dem Publikum vermitteln, wird ganz wesentlich von Ihrer Körpersprache bestimmt. Aus der Art, wie Sie auftreten, werden auch immer Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit gezogen.

Sacken Sie während eines Vortrages beispielsweise in sich zusammen, entsteht schnell der Eindruck, dass Sie das notwendige Rückgrat für die anstehenden Entscheidungen vermissen lassen.

Auf der anderen Seite können Sie mit einer aufrechten Haltung Gelassenheit und Stärke demonstrieren. Sie können Ihre Körperhaltung einsetzen, um den auf Sie wirkenden Druck in der Redesituation gar nicht erst zu groß werden zu lassen. Reduzieren Sie den Redestress, indem Sie sich leicht seitlich zum Publikum stellen. Wenn Sie sich frontal vor den Zuhörern aufbauen, entsteht immer eine angespannte Situation, unter der Sie selbst leiden werden. Sie würden sich niemals vor Ihrem Gesprächspartner frontal aufbauen, da Sie wissen, dass dieses Verhalten Streit heraufbeschwören kann.

Bei Vorträgen verhalten sich die meisten Redner wider diese Erfahrungsregel. Indem sie sich vor ihrem Publikum aufbauen, signalisieren sie sich selbst, dass die Situation eskalieren könnte. Die körpersprachlich vermittelte Kampfstimmung lässt den Stress exponentiell ansteigen und ruft dann, je nach Persönlichkeit, Unsicherheits- oder Kampfsignale hervor. Diese wirken wiederum deutlich stressverstärkend. Der Redner kann nicht zur Ruhe kommen. Er ist einer dauernden und sich immer weiter zuspitzenden Stressbelastung ausgesetzt.

Durchbrechen Sie diesen Teufelskreis. Begeben Sie sich von vornherein gar nicht erst in eine Kampfstellung, wenn Sie vor Ihr Publikum treten. Stellen Sie sich leicht seitlich gedreht zum Auditorium, so als ob Sie mit einer Ihnen völlig unbekannten Person auf einer Party ins Gespräch kommen wollten. Dabei ergibt sich automatisch ein weiterer Vorteil für Sie: Der von den Zuhörern abgewandte Arm kann locker herabhängen. Die Hand des zum Publikum zeigenden Armes können Sie dann zum Beispiel für Aufzählungszeichen nutzen.

Erfolgsfaktor: Befreites Auftreten

Wenn Sie auf der Bühne Versteck spielen oder ständig Halt an Vortragsutensilien suchen, wird das Publikum Ihnen nicht unvoreingenommen folgen können. Treten Sie frei vor Ihre Zuhörer, und bleiben Sie auf der Bühne beweglich. Die Versuchung, sich vor seinem Publikum hinter Rednerpulten und Tischen zu verstecken, entsteht ganz wesentlich aus dem ungünstigen frontalen Auftreten. Weil Rednerinnen und Redner den Druck spüren, den sie selbst aufgebaut haben, versuchen sie, eine Barriere zwischen sich und das Publikum zu schieben.

Das Verharren hinter dem Rednerpult schafft aber keine Befreiung von Stress, es raubt vielmehr die Beweglichkeit und zwingt den Redner in die Erstarrung. Positionieren Sie sich lieber in einer seitlichen Haltung frei auf der Bühne.

Achten Sie darauf, dass Sie nun nicht versuchen, die fehlende Barriere mit vor der Brust verkreuzten Armen neu aufzubauen. Geben Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihren Armen und Händen Spielraum. Eine lebendige Gestik wird Ihre Zuhörer fesseln. Sie kann aber nicht entstehen, wenn Ihre Hände ständig Stifte umklammern oder Papier festhalten. Das Publikum bewundert Redner, die ohne Zwänge auf der Bühne agieren. Gönnen Sie sich einen körpersprachlichen Freiraum, um Lebendigkeit in den Vortrag zu bringen.

Wenn Sie auf der Bühne zwischen Flipchart und Overheadprojektor oder Metaplan und Beamer hin- und hergehen, werden Sie effektiv Stress abbauen und einen dynamischen Eindruck hinterlassen. Hektisches Hin- und Her-Tigern lenkt Zuschauer natürlich ab, doch kontrolliertes Agieren verschafft Ihnen eine ungeteilte Aufmerksamkeit. Zudem verhindern Sie auf diese Weise, dass Sie auf der Bühne zur Salzsäule erstarren und jeden Funken Lebendigkeit aus dem Vortrag verbannen. Machen Sie sich keine Gedanken über unnötige Schauspielerei während des Vortrages. Lösen Sie lieber Ihre Selbstblockaden auf, damit Sie Ihre Persönlichkeit auch durch einen zu Ihnen passenden Auftritt unterstreichen können.

Quelle: Christian Püttjer, Uwe Schnierda – Reden ohne Angst, ISBN: 3593370735


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