Finanzen

Solvency II: 96 Prozent der deutschen Versicherer zweifeln am pünktlichen und vollumfänglichen Start

Dies ergab die Studie „MaRisk – Risikomanagement in der Versicherungswirtschaft“ des Hamburger Software- und Beratungshauses PPI AG. Wenn auch nicht in vollem Umfang – so rechnet doch die große Mehrheit der deutschen Risikomanager in der Versicherungsbranche damit, dass Solvency II in Kürze wirksam wird. Konkret gehen 79 Prozent der Befragten davon aus, dass beim Start Anfang 2013 Übergangsfristen zur vollständigen Umsetzung gewährt werden. Auch die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA hält dieses Szenario für sinnvoll.

Solvency II ist von der EU-Kommission initiiert worden und soll das Versicherungsaufsichtsrecht in Europa reformieren. Vor allem die Solvabilitätsvorschriften, das heißt die Ausstattung eines Versicherers mit Eigenmitteln bzw. unbelasteten Vermögen ist hierbei geregelt.

Solvency II: Reduzierte Auflagen

Insbesondere Häuser, denen die neuen Anforderungen in der Umsetzung schwer zu schaffen machen, dürften aber darauf setzen, dass die Kriterien nur abgemilderte Anwendung finden: Immerhin 14 Prozent der Versicherungsentscheider können sich vorstellen, dass für einen Teil der betroffenen Unternehmen die Auflagen reduziert werden. Dass allerdings der Einführungszeitpunkt insgesamt verschoben wird, halten nur acht Prozent der Befragten für wahrscheinlich. Doch selbst bei einem späteren Start oder weniger strengen Vorgaben prognostizieren die befragten Versicherer deutliche Auswirkungen auf den deutschen Markt: 64 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Zahl der Anbieter sinken wird. „Dabei geht es nicht um Insolvenzen“, erläutert Wolfram Spengler, Senior Manager Insurance bei PPI. „Aber einige europäische Unternehmen könnten sich vom stark umkämpften deutschen Markt zurückziehen. Und kleinere Anbieter, die zur Fortsetzung ihres Geschäftsbetriebs plötzlich mehr Eigenkapital benötigen, werden lohnende Übernahmekandidaten für die Branchengrößen.“ Entsprechend rechnen 53 Prozent der Befragten damit, dass die kapitalstarken Versicherungen zu den Gewinnern der Solvency II-Einführung gehören werden.

Ein Bild, das aktuell auch andere Untersuchungen zeichnen. Laut Stresstest der europäischen Versicherungsaufsicht bekäme jeder zehnte Versicherer in Europa bei einer schweren Krise ernsthafte Probleme mit den künftigen Kapitalvorschriften. Aber auch ohne dass die Kapitalmärkte unter Druck geraten, könnten deutsche Lebensversicherer Probleme bekommen. So kommt eine weitere Untersuchung zu dem Ergebnis, dass unter den Solvency II-Regeln die Solvenzquote von jedem vierten deutschen Lebensversicherer unter die kritische 100-Prozent-Marke falle.


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