Personal

Deutsche Unternehmen haben kaum Ausländer in den Chefetagen

Das hat eine aktuelle repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach von 501 deutschen Unternehmen im Auftrag der Personalberatung Penning Consulting ergeben. Befragt worden sind 501 Top-Entscheider aus allen Branchen, in der Regel Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände. „Das Ergebnis dieser Befragung sollte Unternehmen aufrütteln“, sagt Personalexperte Stephan Penning, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Beratungsunternehmens. Der demografische Wandel sorgt bereits heute dafür, dass vielen Unternehmen die qualifizierten Arbeitskräfte fehlen. „In einer solchen Situation müssen wir exzellente Bewerber aus dem Ausland anlocken“, sagt Penning. „Das funktioniert aber nicht, wenn unsere Führungsfunktionen bisher so gut wie gar nicht internationalisiert sind. Die Untersuchung belegt: Ausländische Arbeitskräfte haben es in Deutschland immer noch schwerer, in die Chefetage zu kommen.“

Dies hängt auch mit der mangelnden strategischen Ausrichtung der Personalpolitik in vielen Unternehmen zusammen. So verfügen heute noch immer fast ein Drittel der deutschen Firmen über kein klar definiertes strategisches Personalentwicklungskonzept. „Viel zu wenige adressieren auch die ausländischen Bewerbermärkte, um die Qualität und Quantität des Kandidatenpools zu steigern“, sagt Penning. Zwar bieten ausnahmslos alle Unternehmen Schulungen an, klar strukturierte Einarbeitungs- und Trainingsprogramme sind aber vor allem im Mittelstand noch nicht flächendeckend vorhanden. Jedes Fünfte Unternehmen hat noch kein solches Programm aufgelegt.

Wenige Unternehmen bieten Job-Rotationen an

Penning sagt: „Pragmatische Einarbeitungsprogramme, vor allem auch zur kulturellen Integration neuer Mitarbeiter, gibt es noch viel zu wenige.“ Auch im weiteren Karriereverlauf zeigen sich die Unternehmen unflexibel: Nur 37 Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern eine Job-Rotation an, um unterschiedliche Bereiche ihres Unternehmens kennen zu lernen. Die Lage bei den großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ist leicht besser: Jedes zweite Unternehmen hat Job-Rotation für die Karriereverläufe seiner Mitarbeiter vorgesehen. „Gerade ausländische Mitarbeiter sollten die Chance haben, viele verschiedene Unternehmensbereiche kennen zu lernen, um zu erfahren, wie ein Unternehmen tickt“, sagt Penning. „So können sie sich ein Netzwerk aufbauen, das sie aufgrund ihrer Herkunft nicht unmittelbar mitbringen.“

Die Integration in eine neue Gesellschaft bedeutet vor allem für qualifizierte Mitarbeiter und damit potentielle Fach- und Führungskräfte auch die Integration der Familie. „Hierbei haben deutsche Unternehmen ausländischen High Potentials noch immer wenig zu bieten“, sagt Penning. Ein Viertel der deutschen Unternehmen bietet Jobangebote für den Partner sowie betriebliche Kinderbetreuung an. Bei kleinen Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ist dies aber noch viel seltener ausgeprägt: Nur sieben Prozent der Mittelständler haben eine betriebliche Kinderbetreuung eingerichtet. Penning sagt: „Unternehmen müssen sich heute zukunftsorientiert aufstellen. Dazu gehört, schon jetzt stärker nach Talent als nach Fachkompetenz einzustellen, um diese Talente bei der Zuspitzung des demografischen Wandels zur Verfügung zu haben. Dazu gehört aber auch zusätzliches Personal aus dem Ausland anzuwerben – denn nur die Deutschen selbst werden Deutschland als führende Wirtschaftskraft nicht in gewohnter Tradition fortführen können.“


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1Kommentare

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  1. 1 Victory | 30. August 2011

    “In einer solchen Situation müssen wir exzellente Bewerber aus dem Ausland anlocken” – es besteht kein Bedarf! In Deutschland leben genug Ausländer, die sowohl ausländische als auch deutsche Hochschulbildung haben und gleichzeitig über, in vielen Fällen notwendige, interkulturelle Kompetenzen verfügen.